Kreis Göppingen Klinik am Eichert: Assistenzärzte machen ihrem Unmut Luft

Vor dem Bau des neuen Göppinger Krankenhauses sollen ein Parkplatz und eine neue Kita entstehen. Das hat jetzt der Kreisrat beschlossen.
Vor dem Bau des neuen Göppinger Krankenhauses sollen ein Parkplatz und eine neue Kita entstehen. Das hat jetzt der Kreisrat beschlossen. © Foto: Giacinto Carlucci
SUSANN SCHÖNFELDER 26.03.2013
Die Aussagen seien "überspitzt, überholt und persönlich verletzend". Der Ärztliche Direktor der Klinik steht bei den Assistenzärzten heftig in der Kritik.

Öffentlich und namentlich möchte sich kein Assistenzarzt äußern, hinter vorgehaltener Hand aber nehmen die Nachwuchsmediziner kein Blatt vor den Mund. Der Frust sitzt tief bei den jungen Ärzten der Göppinger Klinik am Eichert. Stein des Anstoßes ist ein Interview mit dem Ärztlichen Direktor des Krankenhauses, Professor Gerd Becker, das in der Zeitschrift "Kompass Gesundheit" erschienen ist. Darin bewertet Becker die Arbeitsauffassung der jungen Kollegen. Er erwartet ein "zeitlich reduziertes Engagement im Beruf" bei Frauen, die verstärkt Medizin studieren und wegen der Familie vorübergehend ausfielen beziehungsweise später häufig in Teilzeit arbeiteten. Auch männliche junge Ärzte "arbeiten nur noch mit begrenztem Einsatz", hatte Becker in dem Interview unterstrichen.

Diese Aussagen sorgten "für reichlich Irritation und Unmut unter den Assistenzärzten der Klinik am Eichert" heißt es in einem Brief, den die jungen Mediziner an Becker geschrieben haben und der der NWZ vorliegt. Die Ausführungen "lesen sich überspitzt und lassen an längst überholte Zeiten erinnern (,Kinder, Küche, Kirche)", ärgern sich die Assistenzärzte. Eine Pauschalisierung erscheint ihnen "schwierig und falsch", eine zeitlich reduzierte Tätigkeit "steht unseres Erachtens in keinem Zusammenhang mit dem Interesse und dem Engagement bei der Klinikarbeit. Diese Äußerungen sind überholt, persönlich verletzend und dienen in keiner Weise einem kollegialen Miteinander", machen die Nachwuchsärzte ihrem Ärger Luft - zumal Teilzeit "längst nicht bei der Mehrzahl der Assistenzärztinnen mit Kind so zutrifft".

Was die Männer angehe, finden es die anonymen Schreiber des Briefes an Becker "legitim, nach 24 Stunden (plus eventuell Überstunden) einen Dienst zu beenden und nach Hause zu gehen". Einerseits schreibe es das Arbeitszeitgesetz vor, andererseits sei es im Sinne der Patienten, sie nicht völlig übermüdet zu behandeln. Die Assistenzärzte seien "froh und stolz", dass sich die Arbeitsbedingungen verbessert hätten. "Eine ,Heroisierung der ehemals unzumutbaren Situation erscheint uns fragwürdig."

Die jungen Mediziner wollen Becker mit dem Schreiben "Denkanstöße" geben und hoffen auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit den Oberärzten, die der Ärztliche Direktor in dem Interview als "Leistungsträger" bezeichnet hatte.

Gerd Becker hatte bereits vor einigen Tagen sein Bedauern zum Ausdruck gebracht. Es tue ihm leid, wenn seine Aussagen "falsch rübergekommen" sind. Er habe nicht die Absicht gehabt, "engagierte Mitarbeiter anzugreifen". Becker hat zusätzlich zu dem Brief persönliche Zuschriften von Assistenzärzten bekommen, setze sich damit auseinander und ist überzeugt, die Missverständnisse ausräumen zu können. Die Verfasser des Briefes haben jedoch die Sorge, dass das Arbeitsklima und die Zusammenarbeit durch diese Aussagen "nachhaltig" geschädigt werden könnten.