Kreis Göppingen / SWP  Uhr
Timm Engelhardt und Cathleen Forst von der Energieagentur des Landkreises ackern für den Klimaschutz. Im Interview erzählen sie von ihren Aufgaben und Projekten mit Kommunen, Firmen und Bürgern.

Frau Forst, Sie leiten die Geschäftsstelle Klimaschutz im Landratsamt Göppingen seit 2012. Wieso ist die Personalstelle damals geschaffen worden?

Cathleen Forst: Der Landkreis hat erkannt, dass das Thema eine ganz entscheidende Rolle für die Zukunftssicherung bedeutet – Klimaschutz ist eines der zwölf Schüsselthemen des Landkreises. Klimaschutz beinhaltet ja sehr viele Aspekte, zum Beispiel  die Stärkung der regionalen Wirtschaft durch die Erzeugung und Vermarktung von heimischen Produkten oder die Inanspruchnahme lokalen Handwerks zur Gebäudesanierung, um nur zwei zu benennen. Daneben wirkt sich die Förderung des Klimaschutzes natürlich auch auf den Umwelt- und Gesundheitsschutz aus. Letztlich sollen unsere Aktivitäten den Landkreis auf eine Zukunft mit eingeschränkten fossilen Ressourcen vorbereiten und eine Versorgungssicherheit mit regionalen erneuerbaren Energien gewährleisten.

Wie soll das funktionieren?

Grundlage unserer Klimaschutzstrategie und meiner Arbeit ist das Klimaschutzkonzept, das 2013 für den Landkreis erstellt wurde. Hier wurde zunächst erhoben, welche Emissionen die Haushalte, die Wirtschaft und der Verkehr verursachen. Außerdem wurde untersucht, welche erneuerbaren Energiepotenziale sich im Kreis verbergen. Als wir diese Informationen hatten, haben wir zusammen mit lokalen Akteuren ein Maßnahmenpaket erarbeitet. Mit diesem Handlungsleitfaden wollen wir in den kommenden Jahren den Energieverbrauch senken und den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben.

Die erste Maßnahme von 52 in diesem Paket ist die Fortführung und der Ausbau der Energieagentur des Landkreises Göppingen. Herr Engelhardt, Sie sind seit 2010 Geschäftsführer der Energieagentur. Welchen Beitrag leisten Sie zum Klimaschutz im Kreis?

Timm Engelhardt: Als gemeinnützige Einrichtung des Landkreises sind wir der zentrale Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger, Kommunen und Unternehmen zu Fragen rund um das Thema Energie. Die Besonderheit unserer Leistungen liegt darin, dass unsere zertifizierten Energieexperten immer neutral und handwerksübergreifend beraten und keine Verkaufsabsichten verfolgen. Neben den kostenlosen Energiesprechstunden in der Energieagentur und den Rathäusern bieten wir seit 2015 in Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale auch sehr günstige Vor-Ort-Beratungen an. Hierzu kommt ein neutraler Energieberater für eine individuelle Beratung nach Hause. Mieter bekommen im Basischeck aufgezeigt, wo sie Stromkosten sparen können. Hausbesitzer profitieren von dem Gebäude-Check und dem Heiz-Check, wo eine energetische Bestandsaufnahme des Gebäudes gemacht beziehungsweise die Effizienz der Heizungsanlage untersucht wird.

Führen diese Beratungen tatsächlich dazu, dass der Klimaschutz vorangetrieben wird?

Ja. Wir führen regelmäßig Befragungen bei den Kunden durch, die unsere Energieberatung in Anspruch genommen haben. Im Schnitt haben die Bürger im Nachgang an die Beratung Investitionen in Höhe von 16 500 Euro getätigt, sei es für eine effizientere Heizung, eine bessere Fassadendämmung oder andere Maßnahmen, die der Energieeinsparung oder der Erzeugung erneuerbarer Energien dienen.

Gibt es auch Projekte für Kinder und Schüler?

Seit Beginn unserer Arbeit haben wir etwa 10 000 Schüler in Stand-By-Projekten zum sparsamen Umgang mit Energie geschult. Seit drei Jahren führen wir mit der Geschäftsstelle Klimaschutz „Plant for the Planet“ Akademien durch. Hier werden Kinder zu Botschaftern für Klimagerechtigkeit ausgebildet und pflanzen Bäume zur CO2-Speicherung.

Sie haben erwähnt, dass Sie auch  Städte und Gemeinden unterstützen. Ist Klimaschutz dort ebenso ein wichtiges Thema?

Tatsächlich passiert in den Kommunen sehr viel, was den Klimaschutz fördert. Allein die Energieagentur hat in den letzten Jahren mit 14 von ihnen Klimaschutzprojekte durchgeführt, zum Beispiel Quartierskonzepte zur energetischen Stadtsanierung und nachhaltigen Energieversorgung. Daneben läuft vieles auch in Abstimmung mit dem Landratsamt, beispielsweise der Ausbau nachhaltiger Mobilität oder der Ausbau von erneuerbaren Energien-Anlagen auf kommunaler Gemarkung. Einige Gemeinden, wie Bad Boll oder Hattenhofen, um nur zwei zu nennen, sind mittlerweile überregional als Vorreiter in Sachen kommunaler Klimaschutz bekannt.

Wie ist der Landkreis insgesamt aufgestellt ­ – auch im Vergleich zu anderen Landkreisen?

Cathleen Forst: Den Vergleich mit anderen Kreisen brauchen wir nicht zu scheuen. Wir haben uns bereits zweimal in den direkten Wettbewerb mit 27 anderen Stadt- und Landkreisen aus Baden-Württemberg begeben und dort sehr gute Platzierungen (Leitstern Energieeffizienz: 1. Platz 2014, 3. Platz 2016) erreicht. Außerdem sind wir seit 2015 als europäische Klimaschutzkommune mit dem European Energy Award, kurz eea, ausgezeichnet. Der eea ist aber viel mehr als eine Auszeichnung. Er ist ein umfassendes Klimaschutzprogramm, das kontinuierlich in einem ämterübergreifenden Energieteam in der Verwaltung erweitert und aktualisiert wird. Im Prinzip werden hier also die Klimaschutzmaßnahmen im Zuständigkeitsbereich der Landkreisverwaltung fortgeschrieben.

Die Wirtschaft macht laut Klimaschutzkonzept etwa ein Drittel der CO2-Belastungen im Kreis aus. Kann der Landkreis darauf einwirken?

Schon während der Erstellung des Klimaschutzkonzepts haben wir in Workshops mit den Wirtschaftakteuren darüber diskutiert, welche Maßnahmen sinnvoll wären, um die Unternehmen zu Klimaschutzmaßnahmen zu motivieren. Daraus entstanden ist die Initiative EnergieEffizienz für Unternehmen Landkreis Göppingen (iEnEff) – ein bis heute bundesweit einmaliges Netzwerk. Darin sind diverse Akteure aus der Wirtschaft und den regionalen Hochschulen vertreten, die die Unternehmen vor Ort umfassend beraten. Zudem führt die iEnEff Veranstaltungen, Exkursionen und Projekte wie EcoFit durch. In Letzterem werden Unternehmen auf ein betriebliches Umweltmanagement vorbereitet.

Was machen Sie sonst noch, damit der Klimaschutz bei den unterschiedlichen Akteuren präsent bleibt?

Seit 2013 tagt im Landkreis zweimal jährlich der Klimaschutzbeirat, dessen Vorsitz Landrat Edgar Wolff inne hat. Dieses Gremium besteht aus 25 Vertretern aus Medien, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und soll den regen Austausch untereinander fördern. Im Rahmen der Treffen informieren wir uns über aktuelle und geplante Klimaschutzaktivitäten, um so neue gemeinsame Projekte zu initiieren und Synergien zu nutzen. So konnte der Landkreis beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Energieagentur, der NWZ, der Filstalwelle und der Kreishandwerkerschaft eine Energiespartippkampagne für die Bevölkerung auf den Weg bringen.

Welche Maßnahmen planen Sie für 2018?

Für das nächste Jahr planen wir eine Weiterführung unserer Klimahelden-Kampagne. Hierfür suchen wir Personen, die in Form von Testimonials erklären, wie einfach der Klimaschutz im Alltag sein und welche Energiespartipps man daheim umsetzen kann. Interessenten können sich gerne bei mir melden.

Im Einsatz für den Klimaschutz im Kreis

Timm Engelhardt ist seit 2010
Geschäftsführer der Energieagentur des Landkreises Göppingen.
Cathleen Forst ist Leiterin der
Geschäftsstelle Klimaschutz, Tel. (07161) 65165-03, E-Mail: c.forst@landkreis-goeppingen.de.
Alle Informationen zu aktuellen und vergangenen Projekten, Veranstaltungshinweise sowie Energiespartipps und eine Übersicht über die Leistungen der Energieagentur gibt es auf
der Homepage www.klimaschutz-goeppingen.de
Das Interview mit Cathleen Forst und Timm Engelhardt wurde der NWZ-Redaktion vom Landratsamt Göppingen zur Verfügung gestellt.