Göppingen/Heiningen Kleinerer Fischsaurier aus Heiningen in Jebenhausen ausgestellt

Göppingen/Heiningen / JÜRGEN SCHÄFER 07.08.2012
Im Naturkundemuseum Jebenhausen liegt ein "kleiner Bruder" des großen Heininger Saurierfundes, der jetzt Furore macht. Er zählt dort zu den Glanzstücken und hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Er misst "nur" zwei Meter, ist aber ähnlich vollständig erhalten wie der große Saurier aus der Heininger Lehmgrube, der es auf sieben bis neun Metern bringt und jetzt in der Wissenschaft Furore macht. Für Dr. Anton Hegele, den früheren Leiter des Naturkundemuseums in Jebenhausen, ist auch der kleine eine "absolute Rarität." Denn: "Es gibt kaum Saurierfunde aus dem Braunen Jura." Abgesehen von einem schönen Exemplar, das in Zell beim Bau der Umgehungsstraßen aufgetaucht ist, war die Heininger Tongrube der einzige Fundort für guterhaltene Exemplare aus dieser Zeit. Ein dritter aus dieser Fundgrube liegt ebenfalls im Naturkundemuseum in Stuttgart, ist allerdings mit Katzengold überzogen.

Das Exemplar im Jebenhäuser Museum ist seinerzeit recht unsanft ans Tageslicht gekommen. "Die Wirbelstücke lagen, in sogenannten Laibsteinen eingeschlossen, unmittelbar an der Fahrstraße der Lehmgrube", weiß Hegele, "da sind die Lkw drübergerollt. Bis jemand die Knochen erkannt hat." Der Fund ist dann ins Museum Hauff in Holzmaden gewandert. Dort schlummerte er im Depot.

Bis die Museumsleiter Rolf Bernhard Hauff und Anton Hegele darüber ins Gespräch kamen. Anlass war, so erinnert sich Hauff, dass Hegele eine große Ausstellung zum Opalinuston - dem ältesten Schichtglied des Braunen Juras - und seinen Fossilien plante. Hauff war bereit, sich von dem guten Stück zu trennen, und für Hegele war es eine Frage des Preises. Für den Ankauf und das Präparieren fanden sich dann Sponsoren, die Göppinger Firma Leonhard Weiss und ein großer Förderer des Museums, Walter Weiß. Hauff fand es richtig, dass der Saurier in den Kreis Göppingen zurückkehrt. Nach seiner Erinnerung hat seine Werkstatt das rare Stück mit der damals neuen Sandstrahlmethode präpariert, die die "Knochenstrukturen besonders fein herausbringt."

Für Hegele war das ein toller Fang. Der Saurier wurde gleich zum Prachtstück seiner Ausstellung und ziert seither das Naturkundemuseum Jebenhausen. Der Geologe ist fasziniert von dem Fossil, das dreidimensional erhalten ist, wie alle Heininger Saurier, im Unterschied zu den zusammengepressten aus Holzmaden. Hegele deutet auf den verknöcherten Augenring, bei dem man noch die Ansätze der Augenmuskeln sieht. Dank eines Ammoniten auf dem Skelett, dem Leioceras opalinum, kennt man sein Alter: rund 178 Millionen Jahre. Einziger Wermutstropfen: Man kann die Art nicht bestimmen, weil die Schnauzenspitze und die Extremitäten fehlen. Hegele: "Dort sitzen die Merkmale." Die Gattung ist allerdings klar. Es ist ein Stenopterygius, wie der Saurier aus Zell und viele andere aus Holzmaden.

Der "kleine" Heininger Saurier hat auch schon Forscher angelockt. Eine Argentinierin nahm ihn mal unter die Lupe, und im letzten Winter auch die Kanadierin Dr. Erin Maxwell, die den großen Saurier aus Heiningen bestimmt hat. Die kam im bitterkalten Winter nach Jebenhausen, erzählt Hegele, an einem Tag mit minus 15 Grad, und nahm den Fund mit nach Stuttgart, weil es im Museum zu kalt war.

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