Die Entwicklung der Firma Kleemann, die im Göppinger Stauferpark mobile Brecher- und Siebanlagen produziert und weltweit vertreibt, ist eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre nach dem Umzug von Faurndau auf das frühere Militärgelände befindet sich das Unternehmen weiter auf der Überholspur. Die Zahl der Mitarbeiter in Göppingen beträgt inzwischen rund 500 - vor einem halben Jahrzehnt waren es noch 150. Die Finanzkrise hat Kleemann überstanden, jetzt möchte der Betrieb weiter wachsen - auch, was seine Fläche im Stauferpark betrifft. Auf einem etwa 1,5 Hektar großen Grundstück, das sich südlich an den Standort des SWR-Tigerentenstudio anschließt, plant Kleemann den Bau einer Lagerhalle, eines Lagerplatzes sowie eines Parkplatzes. Der Bau der Halle und eine Verlegung von Stellplätzen seien innerhalb des bisherigen Firmengrundstücks nicht mehr möglich gewesen, betont die Stadtverwaltung. Für die vorgesehene Ausdehnung im Nordwesten des Kleemann-Areals war jedoch ein Bebauungsplanverfahren notwendig. Vergangene Woche beschäftigten sich die Mitglieder des Gemeinderatsausschusses für Umwelt und Technik einmal mehr mit dem Verfahren, das im Oktober 2014 begonnen hatte. Diesen Donnerstag soll der Gemeinderat den Satzungsbeschluss fassen. Dann wäre der Weg für die neuerliche Expansion von Kleemann geebnet.

Die Firma Kleemann hat sich rasant entwickelt - das war allerdings nicht immer jedem Recht. Teilen des Göppinger Gemeinderats und manchem Anwohner im Stauferpark stießen die Umzugspläne zunächst sauer auf. Im Stauferpark entstand damals eine Bürgerinitiative. Der Gemeinderat diskutierte kontrovers, stimmte dem Umzug, der die Expansion Kleemanns erst möglich machte, am Ende aber mit großer Mehrheit zu. Auch die Anwohner haben sich mit ihrem erfolgreichen Nachbarn offenbar arrangiert: Der Protest ist weitgehend verstummt. Einzelne Klagen über Lärmbelastung gibt es allerdings aus dem benachbarten Eislingen.

Die Kleemann GmbH ist ein Unternehmen der Wirtgen Group. Produktionsstätten gibt es in Deutschland, Brasilien, China und Indien. Geliefert wird heute in fast jeden Winkel dieser Erde. Brecheranlagen aus Göppingen arbeiten zum Beispiel unter anderem in der Mongolei, auf Hawaii, in Aserbaidschan, Nigeria oder im australischen Outback. Große Einzelaufträge hatte es aus Brasilien für den Bau der Sportstätten der WM und der Olympischen Spiele gegeben.

Generell wird beim Bauen gebrochenes Gestein benötigt. Für die Stein- oder Asphaltindustrie oder bei der Betonherstellung müssen die Stoffe zunächst hergestellt werden - die Gesteinskörnungen in verschiedenen Größen entstehen jeweils in einem exakten Mischungsverhältnis. Darüber hinaus recyceln Kleemann-Anlagen mineralische Stoffe jeglicher Art, die vor allem aus dem Bereich Straße und Hochbau kommen. Auch Hochofenschlacke wird verarbeitet. Die Recyclingquote solcher Materialien ist in Zentraleuropa sehr hoch, weltweit aber noch sehr ausbaufähig. Vor zwei Jahren hatte Kleemann in einem weiteren neuen Geschäftsfeld Fuß fassen können: bei Brecher- und Siebanlagen für den Bergbau. Daraus entwickelte sich ein wahrer Nachfrageboom. Kleemann verkauft komplette Aufbereitungszüge, die aus mehreren hintereinander geschalteten Mobilanlagen bestehen.