Meisterkonzert Klangmalerei mit Monet-Bläserquintett

Kompositionen des böhmischen Komponisten Anton Reicha, der beiden Franzosen Charles Lefèbvre und Paul Taffanel, des Engländers Gustav Holst sowie des Pfälzers Franz Danzi spielte das Monet-Bläserquintett in der Stadthalle Göppingen.
Kompositionen des böhmischen Komponisten Anton Reicha, der beiden Franzosen Charles Lefèbvre und Paul Taffanel, des Engländers Gustav Holst sowie des Pfälzers Franz Danzi spielte das Monet-Bläserquintett in der Stadthalle Göppingen. © Foto: Tilman Ehrcke
Ulrich Kernen 12.01.2018

Die Vielfalt des Klangs stand im Mittelpunkt des Konzerts, das das junge Monet-Bläserquintett in der Meisterkonzert-Reihe in der Göppinger Stadthalle gab. Wie die meisten Ensembles dieser Art haben sich die Künstler in einem Orchester gefunden, hier im Bundesjugendorchester, einer der deutschen Talentschmieden. Alle sind aufstrebende Solisten, die das Zusammenspiel in der Gruppe reizt.

Sie hatten sich ein „klassisches“ Bläserquintett-Programm vorgenommen, mit Anton Reichas Quintett Es-Dur und Franz Danzis B-Dur-Quintett opus 56/1. Dazwischen standen zwei romantische Werke: von Charles Lefèbvre die Suite opus 57 und das Quintett As-Dur opus 14 von Gustav Holst. Den Höhepunkt bildete das großformatige Quintett g-Moll von Paul Taffanel.

Unüberhörbar verfügt das Monet-Bläserquintett über ausgezeichnete Fähigkeiten: Rasch wird der Charakter eines Satzes erfasst – jeder hat sein eigenes „Gesicht“. Technische Perfektion der Einzelspieler und makelloses Zusammenspiel bilden eine ausgezeichnete Basis. Glasklare Intonation durchzog vom ersten bis zum letzten Akkord das Spiel. Besonders wohl fühlten sich die Fünf, wenn in einem Allegretto „leggiero“ oder „staccato“ zu spielen war: Leichtes, spritziges, nuancenreiches Spiel war die Folge. Das sind Früchte jahrelangen konsequenten Probens, bei dem die Suche und das Ringen um den gemeinsamen „Sound“ im Mittelpunkt stehen.

Zu Beginn hatten in Reichas Quintett alle Spieler die Gelegenheit, sich in kurzen Soli vorzustellen. Kecker „Jagdklang“ machte Lust auf mehr. Ein Vergleich mit dem später platzierten Quintett von Danzi lohnt: Hier hatte sich das Ensemble frei gespielt. Völlig schwerelos gelang das Menuetto, und die Flötistin zauberte im Andante neuen Silberklang ins Spiel. Und das abschließende Allegretto sprühte vor Heiterkeit. Die beiden romantischen Werke dazwischen verlangten breiten, mitunter elegischen Fluss aller Stimmen.

Das abschließende Quintett von Paul Taffanel gehört zu den Höhepunkten der Quintett-Literatur. Hier kam die Flötistin besser als zuvor zur Geltung. Der Komponist war nämlich gleichzeitig der führende Flötist seiner Zeit und hatte den Flötenpart entsprechend angelegt, indem er oft in die dynamisch kräftigere dritte Oktave ging. Da war das Monet-Quintett in seinem Element; hier war vieles aus einem Guss: dramatische „Hexenritte“ neben blühenden Cantilenen.

Hier kam auch eine Schwäche des Quintetts nicht so stark zur Geltung wie in den anderen Stücken: Die dynamische Feinabstimmung und Balance zwischen den verschiedenartigen Instrumenten und das schnelle Umschalten von der führenden Stimme zur Begleitung ließen nämlich immer wieder zu wünschen übrig. Da wurden zum Beispiel mit großer Überzeugung zweitrangige Begleitfiguren vor die führende Stimme gesetzt. Nicht selten deckte der an sich tadellos blasende Hornist seine Kollegen zu, was besonders die Flötistin zu spüren bekam, vor allem wenn sie in den unteren Registern zu spielen hatte.

Da das Ensemble sich aber den Farbschattierungen eines Monet verpflichtet fühlt, ist zu erwarten, dass durch geduldige Feinarbeit mit einem Aufnahmegerät auch auf diesem Feld bald Früchte zu ernten sind.

Mit zwei Zugaben, dem rassigen Tico Tico und einem jazzigen Kabinettstückchen von Jaques Ibert, spielten sich die Bläser vollends in die Herzen ihrer Zuhörer.

Das klassische Bläserquintett

Ende des 18. Jahrhunderts entstand das Bläserquintett aus der Standardbesetzung der damaligen Orchester: vier Holzblasinstrumente (Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott) und ein Blechblasinstrument (Horn). Ursprünglich sollte es ein Gegengewicht zum dominierenden Streichquartett bilden. Seine Mitglieder entstammen verschiedenen Instrumentengruppen mit eigener Tonerzeugung: Überblastechnik (Flöte), Doppelrohrblatt (Oboe, Fagott), einfaches Blatt (Klarinette) und der Ansatz eines Blechblasinstruments (Horn). Aus diesen Unterschieden resultiert eine große Bandbreite an Klangfarben, Klangkombinationen und Artikulationsmöglichkeiten.