Konzert Klanggewaltig und ohne Kompromisse

Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 04.08.2017

Wie bekommt man eine solche Orgel-Koryphäe von Hamburg zum Göppinger Orgelsommer? Mitinitiator Klaus Rothaupt gibt die Antwort: „Wir waren beide Stipendiaten der Studienstiftung des Deutschen Volkes und kennen uns seit 1976. Und wir haben beide in Paris studiert, er bei Gaston Litaize und ich bei Marie-Claire Alain, der Schwester von Jehan Alain.“ Die Rede ist von Christoph Schoener, Kirchenmusikdirektor an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, dessen internationale Konzerttätigkeit, CD-Aufnahmen, Rundfunkaufnahmen und Preise aufzuzählen jeden Rahmen sprengen würde.

Beim Konzert in der gut besuchten Stadtkirche wurde der Echo-Klassik-Preisträger von 2016 – er spielte Werke von Johann Sebastian Bach, Franz Liszt und Max Reger – denn auch von einem begeisterten Publikum zu einer Zugabe genötigt. Schoener sagte dazu: „Nach diesem Reger (Fantasie über den Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“) kann nur ein Bach aus der Orgelmesse ‚Wir glauben all an einen Gott’ das alles wieder einfangen.“

Nur ein reifer Meister spielt so kompromisslos, klanggewaltig und dabei durchsichtig (er registrierte alles selbst) und mit gezügelt klassischem Temperament Bachs Toccata D-Dur BWV 912 in der Fassung von Reger, Bachs „Aria variata“ BWV 989 aus dem Dritten Teil der „Clavierübung“ und Liszts „Der heilige Franziskus von Paula auf den Wogen schreitend“ in der Orgelfassung von Wolfgang Sebastian Meyer. Die Komposition Liszts, der wie Reger ein Bach-Verehrer war, beschreibt nach einem Gemälde in immer neuen Klangfarben das Spiel der Wellen in Läufen, die sich immer mehr und höher auftürmen – darüber in stoischer Ruhe mal leise mal mit vollem Werk das Motiv des unbeirrten Schreitens von Franziskus. Er fürchte sich vor Reger, denn er sei „in seinem Leben wie in seinen Kompositionen extrem“ gewesen, so Schoener. Bei der Bearbeitung Bachs konnte man das Schöpferische von Reger, der bereits interpretiert, hören; und in der „Fantasie opus 27“ von Reger erklingt nicht nur Meditatives wie in der zweiten Strophe, sondern das insgesamt Atemberaubende dieses Stücks. Dicht am Text komponiert sah man buchstäblich die Teufel („und wenn die Welt voll Teufel wär“) und das Getümmel durch den Raum schwirren, bevor das ganze Getöse und Gebäude durch ein einziges Wort einstürzte.

Info Den Abschluss der Orgelsommer-Reihe gestaltet heute der Stuttgarter Organist Andreas Willberg, der sich in Göppingen bereits einen Namen gemacht hat, mit Werken von  Bach, Schumann, Mendelssohn und Liszt. Beginn ist um 20 Uhr in der Stadtkirche.

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