Geislingen an der Steige Klang delikat ausbalanciert

Zu einem prächtigen Hör-Erlebnis machte das Minguet-Quartett den Konzertabend im WMF-Kommunikationszentrum in Geislingen. Foto: Markus Sontheimer
Zu einem prächtigen Hör-Erlebnis machte das Minguet-Quartett den Konzertabend im WMF-Kommunikationszentrum in Geislingen. Foto: Markus Sontheimer
Geislingen an der Steige / ULRICH SCHLECHT 15.03.2014
Mit dem Minguet-Quartett setzte am Donnerstag ein vorzügliches Streicher-Ensemble den Konzertreigen des Geislinger Kulturvereins fort.

Drei hochkarätige Ver-treter aus der Gilde der Streichquar-tett-Komponisten standen auf dem Programm, mit dem der Geislinger Kulturverein am Donnerstagabend ins WMF-Kommunikationszentrum eingeladen hatte. Und in entsprechend hochklassiger Ausführung machte das Minguet-Quartett, bestehend aus Ulrich Isfort (1. Violine), Annette Reisinger (2. Violine), Aroa Sorin (Viola) und Matthias Diener (Violoncello), den Konzertabend zu einem prächtigen Hör-Erlebnis.

Joseph Haydns Streichquartett D-Dur op. 70 Nr. 5 gehört zu seinen letzten Werken dieser Gattung und weist schon weit über seine Zeit hinaus. Der Beginn scheint zwar den sprichwörtlichen gemütlichen Papa Haydn vorstellen zu wollen, und die muntere Art erinnerte an Goethes Kennzeichnung des Streichquartetts als "Unterhaltung von vier vernünftigen Leuten". Das ist keineswegs verniedlichend aufzufassen, denn die Minguet-Leute konnten hier gleich ihre Qualitäten zeigen: Der Primgeiger nahm mit Verve seine Führungsaufgabe wahr, der Cellist wechselte zwischen Einordnung und sattem Zugriff, und die Mittelstimmen bekamen stets genügend Raum zur Entfaltung.

Zum Höhepunkt geriet das mitreißend gestaltete Largo. In diesem ausgedehnten traurigen Gesang boten die vier Partner eine äußerst exakte Übereinstimmung bei delikat ausbalancierter Klanggebung und voller Nutzung der dynamischen Bandbreite. Dadurch erlangte ihre Wiedergabe eine enorm dichte Spannung, die sich wieder löste beim zigeunerisch anmutenden Schluss-Presto.

Nach einer Krankheit benannte Ludwig van Beethoven den dritten Satz seines Streichquartetts op. 132 "Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit". Dieses ausgedehnte Adagio, ein Choral, erinnerte mit seinem schwebend-gesanglichen Duktus stark an das Haydnsche Largo und geriet, mit gleicher Intensität bei sparsam dosiertem Vibrato dargeboten, wiederum zu einem atemraubenden Erlebnis. Mit "Neue Kraft fühlend" ist ein zweimaliger, rhythmisch und figurativ reich ausgeführter Dur-Abschnitt überschrieben, dem die Instrumentalisten den erforderlichen Kontrastmodus verliehen.

Einen biographischen Hinter-grund weist auch Felix Mendelssohn Bartholdys Opus 80 auf. Nachdem seine Schwester ganz überraschend gestorben war, schrieb er mit dem Streichquartett f-Moll quasi ein "Requiem für Fanny". Dem ersten Satz gaben die Ausführenden denn auch etwas, das als Aufbegehren gegen das Schicksal gedeutet werden konnte, worin ein schmerzlicher Aufschrei als durchgängiges Motiv fungierte. Und das Adagio mit seinem immer wieder neu verwandelten Gesang mochte - als Lied ohne Worte - wohl ein Abschiedsgruß an die Schwester sein.

Mit dem Contrapunctus 1 aus Johann Sebastian Bachs "Kunst der Fuge" bedankte sich das Ensemble für den reich gespendeten Beifall der begeisterten Besucher.