Ausstellung Kirchberger: Schlüsselfigur der Avantgarde

Werke von Günther C. Kirchberger sind ab Sonntag auf Schloss Filseck zu sehen.
Werke von Günther C. Kirchberger sind ab Sonntag auf Schloss Filseck zu sehen. © Foto: Repro: KSK
Uhingen / SWP 07.06.2018

Den Künstler Günther C. Kirchberger als Schlüsselfigur der Stuttgarter Avantgarde behandelt die am kommenden Sonnntag eröffnete Ausstellung der Galerie im Ostflügel von Schloss Filseck.

Dass Kirchberger durchaus über die Region hinaus von kunsthistorischer Bedeutung ist, belegt seine Vita: Er gehört zu den ersten deutschen Künstlern, die in den 1950er Jahren Anschluss an die internationale Kunstentwicklung gefunden haben. Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, das ihn mit Willi Baumeister in engem Kontakt bringt, geht Kirchberger 1956 nach London, wo er sich rasch mit dem ICA-Kurator und Kritiker Lawrence Alloway anfreundet und Kontakte zur frühen englischen Pop-Art-Szene und informellen Malern knüpft. 1956 beginnt Kirchberger abstrakt-expressiv zu arbeiten. 1957 stellt er als erster deutscher Künstler in der von Denis Bowen geleiteten New Vision Centre Gallery aus.

Zurück in Stuttgart macht er seine Künstlerfreunde von der Gruppe 11 (Atila, Georg Karl Pfahler, Friedrich Sieber) mit den neuesten Entwicklungen in London bekannt. Die von Kirchberger initiierte Ausstellung der Gruppe 11 in der Londoner New Vision Centre Gallery wird für die jungen Deutschen ein großer Erfolg und bildet den Auftakt für weitere internationale Präsentationen unter anderem 1958 in der berühmten Galleria la Tartaruga in Rom, die damals auch Cy Twombly und Robert Rauschenberg vertritt.

Anfang der 60er Jahre beginnt sich der 1928 in Kornwestheim geborene Künstler mit den Theorien des bedeutenden Stuttgarter Philosophen, Schriftstellers und Publizisten Max Bense auseinanderzusetzen, der Naturwissenschaften, Kunst und Philosophie unter einer gemeinsamen Perspektive verbindet. Zusammen mit dem Literaten Reinhard Döhl entstehen experimentelle Text-Bild-Integrationen. Später folgen erste Do-It-Yourself-Bilder und Spielobjekte. Sein Werk entwickelt zunehmend Hard Edge-Charakter. „Kirchberger ist damals einer der innovativsten und am häufigsten ausgestellten Künstler seiner Generation“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreissparkasse, die sich seit Jahren dem Werk von Günther C. Kirchbergers mit einem eigenen Archiv widmet. 1964 erhält er einen Ruf als Dozent an die Werkkunstschule nach Krefeld, wo er bis zu seiner Emeritierung 1996 unterrichtet. Zu seinen ersten Schülern zählt der spätere Starfotograf Peter Lindbergh.

Aus der Szene und dem Kunstmarkt hat sich Kirchberger nach 1965 weitgehend zurückgezogen. Der kinderlos gebliebene, 2010 in Bad Boll gestorbene Künstler hat sein Werk der Schloss-Filseck-Stiftung vermacht, die es bewahrt, aufarbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich macht. In dem „Archiv G. C. Kirchberger“ hat sein Nachlass auf Schloss Filseck eine dauerhafte Heimstätte gefunden (siehe Kasten).

Eröffnet wird die Ausstellung am morgigen Freitag ab 19.30 Uhr im 2. Obergeschoss. Zur Begrüßung sprechen Thomas Wolf, der Geschäftsführer der Schloss-Filseck-Stiftung, sowie Dr. Hariolf Teufel, Vorsitzender des Vorstands der Kreissparkasse, zur Ausstellung Dr. Stephan Geiger von der Galerie Geiger, Konstanz. Anschließend besichtigen die Vernissage-Besucher die Ausstellung in den Räumen der Galerie im Ostflügel im 1. Obergeschoss.Schloss Filseck

Info Öffnungszeiten der Galerie im Ostflügel: Mi. bis So. sowie an Feiertagen 13-17 Uhr (bis 16. September)

Die Galerie im Ostflügel und das Kirchberger-Archiv

Galerie im Ostflügel In der Galerie im Ostflügel von Schloss Filseck sind in Wechselausstellungen, betreut von der Kunsthalle Göppingen, Einzel- und Themanausstellungen zu sehen. Auch Werke des Malers Günther C. Kirchberger werden regelmäßig in Ausstellungen gezeigt.

Kirchberger-Archiv Das von der Schloss-Filseck-Stiftung der Kreissparkasse Göppingen getragene „Archiv G. C. Kirchberger“ bewahrt und katalogisiert das künstlerische Werk Kirchbergers mit dem Ziel der Erstellung eines wissenschaftlichen Werkverzeichnisses. Es organisiert regelmäßig Ausstellungen auf Schloss Filseck, in denen die verschiedenen Aspekte des sehr vielschichtigen Werkes beleuchtet werden.

Gegenstand Das Archiv untersucht die weitreichenden internationalen Beziehungen, in denen sich das Werk Kirchbergers in den 50er und 60er Jahren entwickelt hat. Das Archiv ermöglicht Wissenschaftlern, Quellenmaterial zu Kirchberger und seinem Umfeld (vor allem den Aktivitäten der Gruppe 11 sowie der Stuttgarter Szene der frühen 60er Jahre) einzusehen.

Leihgaben Darüber hinaus bietet das Archiv Leihgaben von Werken Kirchbergers für Themenausstellungen zur Kunst der 1960er Jahre. Seine Werke lassen sich dabei vielfältigen Themenfeldern zuordnen, zum Beispiel deutsches Informel, Hard Edge, Spielobjekte und interaktive Kunst, Max Bense und die Verbindung von
Literatur und Bildender Kunst.

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