Nationalisten Kindertheater mit den Grauen Wölfen

Das Landesamt für Verfassungsschutz hat die Grauen Wölfe im Blick.
Das Landesamt für Verfassungsschutz hat die Grauen Wölfe im Blick. © Foto: Marijan Murat / dpa
Göppingen / DIRK HÜLSER 13.02.2015
Die türkischen Nationalisten "Graue Wölfe" laden am Sonntag zu einer Veranstaltung in die Turn- und Festhalle des TSV nach Bartenbach. Für ein Verbot gab es keine Veranlassung, meinen Stadt, Verein und Polizei.
Anfangs wusste Manfred Müller gar nicht, an wen sein Verein die Turn- und Festhalle vermietet hatte. Der Vorsitzende des TSV Bartenbach bekam erst später einen Hinweis per E-Mail, berichtet er. Die Grauen Wölfe sollten hinter der Veranstaltung stecken, die am Sonntag ab 14 Uhr in dem Göppinger Stadtteil stattfindet.

Beim deutschen Ableger der Vereinigung handelt es sich um die „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa“ (ADÜTDF), die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Der spricht von einem „Sammelbecken extrem nationalistischer Personen mit türkischem Migrationshintergrund“.

Immer wieder treffen sich Mitglieder auch im Kreis Göppingen, etwa vor zwei Jahren in Ebersbach oder 2011 in der Göppinger Werfthalle. So taucht Göppingen in diesem Zusammenhang auch im Verfassungsschutzbericht des Landes auf. Grauen Wölfen werden in der Türkei zahlreiche Morde und Anschläge zur Last gelegt.

„Wir haben das in dieser Woche mit der Stadt abgeklärt“, sagt Müller, auch mit der Polizei habe es ein Gespräch gegeben. Er verweist darauf, dass die Halle der Stadt gehöre und der TSV sie nur betreibe und vermiete. Aus dem Rathaus sei aber das Signal gekommen, die Veranstaltung am Sonntag abzuhalten. „Verbieten kann man das nicht“, meint Müller. „Wenn die Polizei uns keine konkreten Anhaltspunkte liefert, können wir nicht einfach verbieten“, meint auch Stadtsprecher Olaf Hinrichsen. Schließlich sei die Vereinigung nicht verboten.

Polizeisprecher Horst Baur weiß, dass der Termin in Bartenbach bereits Thema bei der Polizei war. „Aber es war nicht die Rede davon, dass es eine problematische Veranstaltung sein könnte.“ Dennoch würden die Beamten am Sonntag das Geschehen im Blick haben.

Einen „übersteigerten türkischen Nationalismus“ attestiert ein Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz den Mitgliedern und Anhängern der ADÜTDF: „Viele träumen von einem pantürkischen Reich vom Balkan bis Zentralasien.“ Auch antisemitische Tendenzen seien erkennbar.

Im Internet kursieren Flyer, die auf eine lose Jugendorganisation der Vereinigung als Organisator der Bartenbacher Veranstaltung schließen lassen. Doch der Verfassungsschützer hat andere Erkenntnisse: „Nach unseren Informationen müsste es sich um den lokalen Verein der ADÜTDF handeln.“

Vereinsvorsitzender Müller geht nicht davon aus, dass in Bartenbach Propaganda verbreitet wird. Laut der Anmeldung werde ein Kindertheaterstück aufgeführt. Das wiederum würde ins Bild passen, das der Verfassungsschutz von der Gruppierung zeichnet: „Derartige Veranstaltungen werden nicht nur von jungen Erwachsenen und Jugendlichen, sondern auch von Kindern besucht, so dass bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt eine ideologische Beeinflussung stattfindet.“

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