Premiere Kinderoper bekommt Standing Ovations

Annerose Fischer-Bucher 28.12.2017
Standing Ovations gab es für die Kinderoper „Hänsel und Gretel“ bei den Staufer-Festspielen in der Inszenierung von Alexander Warmbrunn.

Da brauchen sich die Staufer-Festspiele vor den großen Opernhäusern wahrlich nicht zu verstecken, die in der Weihnachtszeit bevorzugt Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ spielen. Haben sie doch bei der Premiere am zweiten Weihnachtstag in der lang ausverkauften Göppinger Stadthalle in der Inszenierung von Alexander Warmbrunn und unter der musikalischen Leitung von Sabine Layer eine exzellente Vorstellung gegeben und auch den vielen Kindern, die im Publikum saßen, Lust auf Oper gemacht. Und so waren die minutenlangen Standing Ovations am Ende nur folgerichtig, um eine großartige Teamarbeit von Profis und Ehrenamtlichen zu würdigen.

Schon die erste Szene ließ mit den beiden Hauptfiguren Hänsel (Vanessa Maria Looss) und Gretel (Jessica Eckhoff) aufmerken. Sowohl schauspielerisch als auch sängerisch überragend präsentierten sich die beiden als ausgelassene, neckische Kinder, die durch ihren geschwisterlichen Zusammenhalt eine gefährliche Situation meisterten. Nicht nur beim „Brüderchen komm, tanz mit mir“ und bei den anderen bekannten Kinderliedern und den Dialogen passten die beiden Stimmen perfekt zusammen. Ann-Katrin Naidu spielte als Mutter die ganzen Vorzüge ihrer differenzierten, runden Stimme aus. Sie zeigte die Figur einer Frau, die die Geschwister in den Wald verbannt, weil sie überfordert ist durch Armut und kein Verständnis für sie hat. An ihrer Seite ein gewaltiger, dem Alkohol zugetaner Vater mit einem Kai Preußker, dessen Stimme glänzend eine Person mit mehreren inneren Anteilen darstellte.

Das gesamte Bühnenbild (Karel Spanhak) war durch ein Team von Ehrenamtlichen gefertigt worden: das Anfangsbild mit einer traditionellen, ärmlichen Behausung und doch modernem Kühlschrank, ein märchenhafter Zauberwald mit einem riesigen Pilz als Schlafstätte für die Kinder und ein Hexenhaus in Hochzeitskuchenform mit einer üppigen Kuchentafel samt späterem durch rote Lichteffekte beheizten Ofen. Fritz Spengler war ein Glücksfall für die Rolle der Hexe mit einem großen Stimmumfang und einer großen Ausdruckskraft sowohl in der Höhe mit hämischem Lachen als auch in der Tiefe mit Drohen. Modern und bisweilen in surrealer Manier rührte er die knallgrüne Hexensuppe an, um doch am Ende von Hänsel und Gretel selbst in den Ofen geschoben zu werden. Und Victoria Kunze glänzte auf dem großen Pilz als Sand- und Taumännchen mit silbrig-soubrettenhaft leichter Stimme.

Sabine Layer führte die Württembergischen Symphoniker im Orchestergraben souverän durch eine keineswegs leichte Partitur, bei der die Solisten alles geben mussten. Beim Abendsegen jedoch und bei eher lyrischen Passagen zauberten die Musiker einen runden, weichen Klang von klassischer Schönheit, der sich mit den Stimmen des Kinder- und Jugendfestspielchors gut verbinden konnte.

In die rein instrumentalen Teile brachten passende Lichtinstallationen wie verschiedene Sternenhimmel für die Zuschauer Ruhe und Assoziationsmöglichkeiten in die Dramatik des Geschehens. Überhaupt hatten Technik (Erich Kröner) und Licht (Chris Kittel, David Albert) großen Anteil an dieser gelungen Premiere in der Inszenierung von Alexander Warmbrunn, der die Gesamtverantwortung innehatte und für viele liebevolle Details gesorgt hatte.