U3-Angebote Kinderbetreuung sorgt für Zündstoff

U3-Betreuung wird es am Göppinger Landratsamt vorerst nicht geben. Die Mehrheit im Verwaltungsausschuss des Kreistags hatte eine neue Gruppe abgelehnt. Im Plenum kam es dann zu emotionalen Debatten.
U3-Betreuung wird es am Göppinger Landratsamt vorerst nicht geben. Die Mehrheit im Verwaltungsausschuss des Kreistags hatte eine neue Gruppe abgelehnt. Im Plenum kam es dann zu emotionalen Debatten. © Foto: Arslan Ufuk
ARND WOLETZ 03.02.2014
Am Landratsamt in Göppingen wird keine Kleinkindbetreuung eingerichtet. Die bürgerliche Mehrheit im Kreistag wollte darüber gar nicht mehr öffentlich diskutieren. Das sorgte für scharfe Kritik der Befürworter.

Eigentlich ging es um eine vergleichsweise geringe Summe: 30 000 bis 45 000 Euro sollte es kosten, für die mehr als 500 Beschäftigten des Landratsamtes eine Tagespflegegruppe mit zwölf Plätzen für U3-Betreuung einzurichten und für ältere Kinder einen Zuschuss zu bezahlen. Damit wollte der Landkreis eine Vorreiterrolle als familienbewusster Arbeitgeber einnehmen. Doch daraus wird nichts.

Hinter verschlossenen Türen war das Angebot im Verwaltungsausschuss bei Stimmengleichheit abgelehnt worden. Jetzt sollte es nach dem Willen der Landkreisverwaltung im Kreistag nocheinmal öffentlich diskutiert werden. Doch die CDU, die Freien Wähler und Teile der FDP machten den Befürwortern einen Strich durch die Rechnung. Sie lehnten es am Freitag ab, über das Thema nocheinmal öffentlich zu diskutieren.

Da gingen im Kreistag die Wogen hoch. SPD-Fraktionschef Peter Feige nutzte seine Haushaltsrede, um der "konservativen Mehrheit" seine tiefe Enttäuschung zu übermitteln und erläuterte seine Sichtweise auf die unter Ausschluss der Öffentlichkeit getroffene Entscheidung. Von da an ging es sehr unruhig zu im Hohenstaufensaal. Feiges Rede wurde von mehreren Zwischenrufen unterbrochen. Sein Stellvertreter Roy Hummel meinte anschließend: "Transparente Familienpolitik sieht anders aus." Die Ablehnung sei "eine vergeudete Chance, sich familienfreundlich, zeitgemäß und vorbildlich zu präsentieren. Für einen vermeintlichen Modellstandort ist dies geradezu lächerlich."

CDU-Fraktionschef Wolfgang Rapp bestritt gegenüber der NWZ, dass seine Fraktion das Thema nicht mehr öffentlich diskutieren wolle. Der Verwaltungsausschuss habe aber abschließend entschieden. Sein Fraktionskollege Matthias Wittlinger sah "keinen Bedarf für weitere Betreuungsangebote" und verwies darauf, dass der Notfall-Betreuung und den Ferienangeboten zugestimmt worden sei.

Hans-Rudi Bührle (Freie Wähler) verteidigte die Ablehnung damit, dass die Kinderbetreuung in den Kreiskommunen bereits intensiv ausgebaut worden sei. Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde das andere wichtige Standbein, nämlich die Pflegetätigkeit, gegenüber der Kinderbetreuung vernachlässigt. Außerdem verwies Bührle auf die finanziellen Auswirkungen. Sowohl CDU als auch die Freien Wähler nahmen für sich in Anspruch, durchaus familienfreundlich zu denken.

Roy Hummel will das nicht gelten lassen: "Hierbei von befürchteten Doppelstrukturen zu sprechen, entspricht bei einer landkreisweiten Angebotsabdeckung für U3 von gerade einmal 26 Prozent nicht der Realität." Und auch Dr. Kathrin Ilg (Grüne) betonte, dass es vor allem bei den angebotenen Zeiten der Betreuung in den Kommunen noch erhebliche Defizite gebe.

Landrat Edgar Wolff hatte in dem Projekt eine Doppelchance gesehen, den Landkreis als familienfreundlich und die Kreisverwaltung als attraktiven Arbeitgeber darzustellen. Die Raumkapazitäten im Schulerburg-Kindergarten seien vorhanden, andere Landratsämter und Behörden hätten solche Betreuungsangebote längst. Das alles wollte er am Freitag gerne öffentlich sagen - er durfte aber nicht.