Ebersbach an der Fils Kinder aus Frankreich backen in Roßwälden Brezeln und Salzkuchen

30 junge Schüler aus der französischen Stadt Rambouillet ließen sich von Dorothea Speisser in die Kunst des Brezelmachens einführen. Foto: Privat
30 junge Schüler aus der französischen Stadt Rambouillet ließen sich von Dorothea Speisser in die Kunst des Brezelmachens einführen. Foto: Privat
Ebersbach an der Fils / ANJA HEINIG 04.09.2012
Für die Kunden in der Bäckerei Rau im Ebersbacher Stadtteil Roßwälden bot sich ein wohl nicht alltägliches Bild, als rund 30 französisch sprechende Kinder mit großem Geschrei die Backstube eroberten.

Seit nunmehr zehn Jahren bekommt die familiengeführte Bäckerei regelmäßig Besuch von Schülern aus der Stadt Rambouillet, die knapp 50 Kilometer südwestlich von Paris liegt.

Für die Lehrerin Muriel Giammona, die für den Schüleraustausch zuständig ist, gehört ein Abstecher in den Ebersbacher Stadtteil einfach dazu. "Neben dem normalen Kulturprogramm möchten wir den Kindern auch das Leben, Traditionen und natürlich auch schwäbische Besonderheiten zeigen. Viele von ihnen kennen keine Brezeln und das möchten wir ändern", fügt sie schmunzelnd mit französischem Akzent hinzu.

Und dann ist es auch gleich soweit, Dorothea Speisser, die Inhaberin der Bäckerei, hat schon alles vorbereitet. Der Teig ist aufgegangen und wartet darauf, verarbeitet zu werden. Aber nicht, ohne dass Speisser den Kindern einen kleinen Vortrag über die Brezel, ihre Herstellung und all ihre Besonderheiten hält. Übersetzt wird von der Lehrerin, die Kinder sind ganz Ohr und haben etliche Fragen: "Warum wird die Brezel so geformt, warum ist sie braun, warum wird sie eingeschnitten und wieso ist Salz außen drauf?" Geduldig erklärt die Inhaberin den Kindern alles ausgiebig. Sie sind erstaunt, dass die Brezel seit Beginn des 14. Jahrhunderts bis heute das Zunftzeichen der Bäcker ist. Die Kinder genießen den Besuch in der Backstube. So erfuhren sie, wie viele verschiedene Brotsorten die Bäckerei hat und waren verwundert, weil es in Frankreich nicht so eine große Auswahl gebe. Nach der ganzen Theorie ging es dann zur Praxis. Die Ärmel wurden hochgekrempelt, die Hände gewaschen und dann durften die kleinen Bäcker ihre Fingerfertigkeit zeigen.

Ausgiebig zeigte Dorothea Speisser den Kindern, wie aus dem vorbereiteten Teigstrang die Brezel entsteht. "Bäcker verwenden zum Schlingen von Brezeln eine spezielle Wurftechnik. Ein Teigstrang wird mit beiden Händen gerollt und dabei nach außen gezogen, so dass er sich an den Enden verdünnt. Dann wird er an den beiden Enden gehalten und durch eine kurze, ruckartige Bewegung wird die verdickte Mitte in einen 180 Grad Drall versetzt und gleichzeitig auf der Arbeitsfläche abgelegt. Danach müssen die beiden Enden nur noch an den Seiten angedrückt werden." Was sich so einfach anhört, bedarf jahrelanger Übung und dementsprechend sehen die Brezeln dann auch aus. Zwar sind nicht alle ganz perfekt geworden, aber der Wille war bei allen da. Jede einzelne Brezel wurde dann durch die Laugenmaschine gelassen, bekam den Einschnitt am Bauch verpasst, natürlich durfte das Salz auch nicht fehlen, bevor die rohen Brezeln in den Ofen geschossen wurden.

Während die französischen Brezeln im Ofen gebacken wurden, nutzten die Kinder die Zeit und versuchten die große Auswahl an Kuchen, Torten und süßen Stückchen, bevor es mit der fertigen und noch warmen Brezel ins örtliche Backhaus ging, wo Erdtraud Zwicker und ihre Helferinnen den Kindern zeigten, wie man Salzkuchen im Holzofen backt, die die Kinder auch versuchen durften. Mit einem lauten Adieu verließen die kleinen Bäcker glücklich und zufrieden Roßwälden und waren sichtlich stolz auf das, was sie eben gelernt und selbst hergestellt hatten.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel