Süßen Kellerbau-Mitarbeiter fürchten um ihr Erspartes

© Foto: Giacinto Carlucci
Süßen / DANIEL GRUPP 10.08.2012
Nach der Insolvenz fürchten viele Kellerbau-Mitarbeiter nicht nur um den Arbeitsplatz, sondern auch um Geld, das sie in der Firma angelegt haben. Es geht insgesamt um fünf oder sechs Millionen Euro.

Mitarbeiter und Rentner, möglicherweise auch deren Angehörige, haben bei der Firma Johannes Kellerbau GmbH Geld auf ein Konto einbezahlt, das ihnen verzinst wurde. Im Einzelfall sollen sie bis zu 100.000 Euro angelegt haben. Nach verschiedenen Darstellungen addieren sich die Einlagen auf eine Summe von deutlich mehr als fünf Millionen oder gar bis zu 6,5 Millionen Euro. Nach der Insolvenz der Firma fürchten jetzt viele Beschäftigte nicht nur um ihren Arbeitsplatz, sondern auch um ihr Geld.

Insolvenzverwalter Michael Pluta bestätigt die Existenz dieses „Stammkontos“ wie es von einem Mitarbeiter gegenüber der NWZ bezeichnet wird. Es sei von der Firma wie ein Girokonto geführt worden. Mitarbeiter und Firmenrentner hätten regelmäßig Ein- und Auszahlungen vorgenommen. Seit dem Insolvenzantrag am Montag ist das Konto eingefroren. Die Anleger kommen nicht an ihr Geld und befürchten Einbußen in unbekannter Höhe. Noch stehe nicht fest, ob und in welchem Umfang ein Ausfall eintreten wird, lässt Pluta über einen Sprecher ausrichten. Es gebe Sicherheiten. „Ich kümmere mich darum, dass der Ausfall möglichst gering sein wird“, versichert der Insolvenzverwalter. Dazu müsse aber auch die Belegschaft mitziehen.

Es sei nämlich wichtig, dass Aufträge abgewickelt werden, damit Geld rein kommt. Daher ist Pluta auf die Mitarbeit der Angestellten und Arbeiter, die als hochqualifiziert bezeichnet werden, angewiesen. Wenn jetzt aus Verärgerung viele Beschäftigte der Firma den Rücken kehren, kann dies die Sanierung, die Suche nach einem Investor und auch das Vermögen auf dem Belegschaftskonto gefährden.

Gegenüber der NWZ wurden empörte Stimmen aus Belegschaftskreisen laut, die von einer maroden Firma reden. In den vergangenen Jahren sei viel zu wenig investiert worden. Dieser Einschätzung widerspricht der Insolvenzverwalter. Er sei von der Firma überzeugt.

Die Sorge um das „Stammkonto“ sorgt für besondere Aufregung, zumal einige Mitarbeiter vermuten, dass mancher Kollege kurz vor der Insolvenz größere Summen abgehoben habe. Die Insolvenzverwaltung werde prüfen, ob es zu Unregelmäßigkeiten kam. Abhebungen könnten Zufall sein, weil jemand etwa kaufen wollte, teilt Pluta mit.

Für den geschäftsführenden Gesellschafter Dieter Meyer-Keller ist völlig normal, dass regelmäßig Ein- und Auszahlungen erfolgen. „Jede Woche ist da was.“ Manchmal entnehme jemand 40.000 Euro, um ein Auto zu kaufen. In der Vergangenheit habe die Firma den Mitarbeitern auch schon Geld für größere Anschaffungen geliehen. Das Konto gibt es laut Meyer-Keller „seit Urzeiten“. Im Prinzip geht es darum, dass die Angestellten von der Firma einen höheren Zins erhalten, als ihn Banken gewähren. Der Vorteil für Kellerbau liegt darin, dass die Firma für Kredite bei Banken deutlich höhere Zinsen bezahlen müsste.

Vier bis fünf Prozent auf das gemeinsame Kapital

Zuletzt soll das Kapital der Betriebsangehörigen mit vier bis fünf Prozent verzinst worden sein, ist aus dem Umfeld der Firma zu hören. Teilweise hätten die Mitarbeiter Weihnachts- oder Urlaubsgeld auf das Belegschaftskonto gebucht, teilweise hätten sie Geld überwiesen, wenn sie gerade flüssig waren.

Nur wenige Wochen vor der Insolvenz soll ein Mitarbeiter etwa 100.000 Euro einbezahlt haben, ohne vor der drohenden Schieflage gewarnt worden zu sein. Als jetzt das Geld für einen schon besiegelten Grundstückskauf verwendet werden sollte, war das Konto blockiert und der Betroffene verzweifelt, wie zu hören ist. Der Insolvenzverwalter habe sich um den Fall gekümmert und eine Stundung beim Grundstückskauf erreicht, berichtet ein Pluta-Sprecher.

Das „Stammkonto“ der Belegschaft ist nach Angaben von Insolvenzverwalter Michael Pluta und Kellerbau-Geschäftsführer Dieter Meyer-Keller abgesichert. Die Sicherheit soll aus einem Grundstück und aus Debitoren bestehen, so ein Plutasprecher. Dies bedeutet, dass Einnahmen aus bestimmten Aufträgen als Pfand für das Belegschaftskonto dienten.

 

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