Göppingen / SABINE ACKERMANN  Uhr
Siebtklässler des Hohenstaufen-Gymnasiums in Göppingen gingen zum ersten Mal in ein Schullandheim in England. Die Besucher klapperten auf der Insel eine Woche lang Orte und Sehenswürdigkeiten ab.

"Wir wählten ganz bewusst nicht London als unser Reiseziel aus", verrät Englischlehrerin Svenja Steinmetz. Gemeinsam mit Isabel Dobos, Rose Feige, Andrea Hüttner, einer Kollegin, drei Kollegen und 98 Schülern gaben sie Bristol und Bath im Südwesten Englands den Vorzug.

Das Besondere an dieser Reise war, dass das Hohenstaufen-Gymnasium zum ersten Mal mit Siebtklässlern mit (drei Klassen) und ohne (eine Klasse) bilingualen Unterricht einen Schullandheimaufenthalt im Ausland buchte. Normalerweise ist dies den höheren Klassenstufen vorbehalten. "Auch das war wieder eine ganz bewusste Entscheidung. Wir wollten den Kindern jetzt schon das Land näher bringen, dessen Sprache sie lernen. Und dabei sollten die Schüler, die sich nicht für den bilingualen Zug entschieden haben, keinesfalls von dieser Reise ausgeschlossen werden", sagt Svenja Steinmetz.

Mit zwei Bussen und einer Fähre von Calais nach Dover, fuhren sie nicht zu einer Jugendherberge, sondern zum herrschaftlichen "Grittleton-House" in Chippenham. In der fast schlossähnlichen Unterkunft warteten Vier- und Achtbettzimmer, ein typisch-englisches Frühstück sowie eine abwechslungsreiche Rundumverpflegung, allerdings ohne "Fish and Chips" auf die zwölf- bis 13-jährigen Schüler.

Der Unterricht war nicht zwingend auf Englisch. Untereinander durfte deutsch gesprochen werden, aber bei den vielen Ausflügen bei für "englische Verhältnisse" gutem Wetter sah es freilich etwas anders aus. Kaum waren die Jungen und Mädchen unterwegs um Land, Leute und Kultur näher kennen zu lernen, konnten sie direkt bei ihren englischen Gastgebern ausprobieren, ob sie diese auch verstehen - ohne Wörterbuch versteht sich. "Das haben die Schüler wirklich super gemacht. Passanten in einem fremden Land anzusprechen und nach dem Weg oder Sehenswürdigkeiten zu fragen, da gehört schon Mut dazu", berichten die beiden Pädagoginnen und sind voll des Lobes über die gute Teamarbeit.

Über eine Woche lang wurden Orte und Sehenswürdigkeiten besucht, die die Schüler bisher nur aus ihrem Englischbuch kennen. "Mir haben am besten die Steinkreise von Stonehenge gefallen", sagt Simon und Miriam nickt zustimmend, worauf Ann-Kathrin, Franziska und Jan kontern: "Nein, das Experimentier-Wissenschaftscenter At-Bristol war doch viel interessanter". Andere wiederum fanden das einst größte Schiff der Welt, das "SS Great Britain Steam-Ship" in Bristol, super.

Ob ein Abstecher nach Wales zum Caerphilly Castle oder einfach nur am Lagerfeuer sitzen - hört man den Schülern zu, merkt man sofort: Es war ein tolles Erlebnis. Nur ein Junge stellte nach zwei, drei Tagen fest: "Ich glaub ich habe ein bisschen Heimweh." Doch auch das legte sich schnell wieder. Selbst die angesagte Bettruhe um 22 Uhr spielte keine Rolle. "Alles klappte prima. Das sind ja auch richtig liebe Klassen", betont Andrea Hüttner lächelnd und ergänzt: "Vor Ort gab es sowieso nichts außer zwei Briefkästen. Und nächtliche Ausflüge hätten das mit einem Code gesicherte Tor verhindert und für Pubs sind sie ohnehin viel zu jung. Dafür gestalteten wir abwechslungsreiche Quiz- oder Filmabende, spielten in unserem Riesenpark Tennis, Fuß-, Basket- oder Volleyball und vergnügten uns im hauseigenen Schwimmbad."

Konnte vor über zwei Jahren Rose Feige das Lehrerkollegium einschließlich Schulleiterin Martina Wetzel von ihrer Idee der frühen Englandreise überzeugen, hatte Svenja Steinmetz am Anfang schon etwas Bedenken. "Nachdem ich mich mit diesem Thema näher befasst und mich informiert habe, hat sich meine anfängliche Skepsis gelegt. Und auch nach der Reise muss ich sagen, es war wirklich eine tolle und sinnvolle Woche, bei denen alle Schüler viel gelernt haben, ohne im eigentlichen Sinn zu lernen."