Göppingen Kein Platz für Rechts: Dokumentarfilm "Blut muss fließen"

Regisseur Peter Ohlendorf diskutierte mit Schülern des Freihof-Gymnasiums Göppingen nach der Vorstellung seines Films "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" über das Thema Rechtsradikalismus.
Regisseur Peter Ohlendorf diskutierte mit Schülern des Freihof-Gymnasiums Göppingen nach der Vorstellung seines Films "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" über das Thema Rechtsradikalismus. © Foto: Nicole Feifel
Göppingen / NICOLE FEIFEL 10.10.2014
Im Rahmen der interkulturellen Wochen wurde am Freihof-Gymnasium der Film "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" gezeigt. In der anschließenden Diskussion bezogen die Schüler Position gegen Rechts.

Das Licht geht an. Die Blicke der Schüler sind nachdenklich. Es waren viele Eindrücke, die der 66-minütige Dokumentarfilm "Blut muss fließen" hinterlassen hat.

"Blut muss fließen, knüppelhageldick, und wir scheißen auf die Freiheit dieser Judenrepublik" - nur einer, der Liedtexte, die Thomas Kuban (Pseudonym) seit 2003 während seiner Undercover-Drehs bei mehr als 40 Rechtsrock-Konzerten gehört hat. Die Bilder dieser Drehs und die Ergebnisse weiterer Recherchen über das Verhalten der Behörden und der Bürger gegenüber der rechten Szene hat der Regisseur Peter Ohlendorf in "Blut muss fließen" zusammengefasst. Mit dem bei der Berlinale 2012 ausgezeichneten Film reist er durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Dabei sollen vor allem auch Schüler für das Thema Neonazis sensibilisiert werden. "Es ist uns sehr wichtig, möglichst viele Schüler anzusprechen", erläutert Ohlendorf.

Am Freihof-Gymnasium in Göppingen ist ihm das gelungen. Die Schüler zweier zehnter Klassen zeigten sich vom Film beeindruckt. "Der Film hat den Inhalt gut vermittelt", meint der 15-jährige Tobias. Der 16-jährige Marc stimmt ihm zu. Das Thema hat beide interessiert. Gerne hätten die beiden noch mehr über die rechtsradikale Szene erfahren. "Es wäre interessant gewesen, auch noch Aufnahmen von Demonstrationen zu sehen", sind sich die zwei Zehntklässler einig.

Vor allem eine Frage trieb nach dem Film alle Schüler um: "Warum kann man nichts gegen die rechtsradikale Szene unternehmen?" Ohlendorf, der mit den Schülern nach der Vorstellung des Films über das Thema diskutierte, erklärt, dass das nicht so einfach ist: "Rechtsradikale vertreten ihre Ideale in der Öffentlichkeit meist mit Sätzen wie Wir wollen ein anderes Deutschland. Solche Aussagen fallen unter die Meinungsfreiheit. Es ist deshalb schwer, auf rechtlicher Grundlage gegen Neonazis vorzugehen." Daher sei es wichtig, dass in den Köpfen der Menschen etwas passiere.

Persönliche Erfahrungen haben die meisten der Zehntklässler zwar noch nicht mit Rechtsextremen gemacht, dennoch möchten sie die Augen offen halten und sich im Falle eines Falles gegen Rechts stellen. Ganz im Sinne des Freihof-Gymnasiums als "Schule ohne Rassismus". Tobias ist dabei schon mit gutem Beispiel vorangegangen. "Ich kenne jemanden, der immer wieder etwas gegen Ausländer gesagt hat. Ich habe ihm dann erklärt, dass alle Menschen gleich sind", berichtet er. Das habe überzeugt. Tobias Verhalten spiegelt die Quintessenz des Films und der Diskussion gut wider: Jeder, der Zeuge von Rechtsradikalismus oder Rassismus wird, sollte aktiv werden und ein Zeichen dagegen setzen.

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