"Die Autos", das sind Simon Schöfisch, Niki Pertl, Andreas Schmid und Andreas Neubert. 2006 bekam die Band von der legendären Musikzeitschrift "Rolling Stone" sagenhafte vier Sterne von fünf möglichen für ihr Album "Safari" verliehen. Ihr neues Werk ist ein sieben Stücke langes Album geworden, das trotz der scheinbar geringen Anzahl an Stücken nahezu 30 Minuten lang ist. Dahinter verbirgt sich ein neuer Schritt, den die Band wagt: Weg vom Credo des kurzen eingängigen Popsongs, hin zu sich textlich und musikalisch länger entwickelnden, gitarrenbetonten Stücken. Diese stehen dann im Kontrast zu schnellen kurzen Stücken. Auch daraus ergibt sich der Reiz des neuen Albums.

Die längeren Songs beinhalten neben den gewohnt nachdenklichen, sprachlich feinen deutschen Texten längere Instrumental- und Solopassagen, die bisweilen auch mit einer gewissen gitarrenorientierten Rockhaltung, die einen an Bands wie Dream-Syndicate erinnern könnte, dargeboten werden. Spröde, kantig melodiöse Soli verzahnen sich mit klar strukturierten Rhythmen und geschlagenen Gitarren - dies ist kein breitbeiniger Lederrock, sondern liebevoll verspielte "Rockishness", mit Understatement, die auch die Kongruenz von Form und Inhalt im Auge behält.

So dauert das letzte Stück der LP, "Deine Spur", das sich in einem Dreier-Takt wiegt und durch einen getragenen Gitarrenpick auf der Akustischen eingeleitet wird, sich episch entwickelnde sieben Minuten. "Deine Spur führte mich nirgendwohin und zwar auf direktem Weg", heißt es da. Die Gitarre umspielt die Melodie und überführt sie in ein furios wuchtig gespieltes und vom Rest der Band rhythmisch kraftvoll unterstütztes, lang gestrecktes Gitarrensolo, das sich scheinbar im Nirgendwo verliert ...

"Könnt ihr mir sagen" - das Stück direkt davor - ist eines der wenigen kurzen Stücke. Es wird druckvoll, schnell, pop-punkig und direkt gespielt und funktioniert nach klassischem Independentmotto: ein Song = eine Idee. Der Refrain wird nach der Strophe wild herausgerufen: "... ich würde gern begreifen, doch ich kann es nicht verstehen ... Könnt ihr mir sagen, wie das geht?"

Für verschiedene Aspekte unseres Lebens, die scheinbar festgezurrt und alternativlos nach bestimmten Mustern abzulaufen haben, finden sich für Individuen immer seltener einleuchtende Erklärungen. Da kann man schon mal fragen, wie man das, was sich zeigt, machen kann/soll. Doch bleibt die Frage des lyrischen Ichs unbeantwortet, der Song endet mit der gestellten Frage nach etwas mehr als zwei Minuten. Mehr gibt es nicht zu fragen. Und es scheint sich nicht zu lohnen, auf Antworten zu warten.

Der Titel der LP, "Rein in die Mystik", reflektiert die sieben Songs, die nicht mehr nur Alltagsmomente versprachlichen. In ihnen geht es auch um Natur, die Antike, die Ruhr - nicht der Fluss ist dabei gemeint - und seltene Gefühle.

Das Album ist beim bandeigenen Label Ramshackle-Records erschienen und ist unter anderem bei amazon.de, i-tunes oder auf Konzerten zu haben; es liegt analog auf Vinyl mit persönlichem MP3-Downloadcode vor. Es zeigt eine Band mit beachtlichem Output, die beständig ihren entwickelten Stil um Elemente und Aspekte erweitert, in diesem Fall um Aspekte des Rock ohne dass im Ganzen Rock entsteht, und die noch immer an die Kraft - zum Glück möchte man sagen - selbstgemachter ausdrucksstarker Popmusik glaubt.

Info Das Album wurde am 27. Dezember im Rahmen einer Release-Party in Ulm in der Kneipe Heidi vorgestellt.