Gut erzogen scheint Kaya Yanar wohl zu sein. Entschuldigt sich vorneweg bei seinen Fans, dass er zwei Stunden lang so viel quasseln werde bis "eure Köpfe klingeln". Insofern könne sich keiner was merken, also habe man am nächsten Tag in der Schule, bei der Arbeit oder im Knast auch nichts zu erzählen.

Trotzdem gebe es heute zwei Hälften zum Preis von einer versichert er und informiert alle Frischlinge, die seinen Zopf vermissen: "Ich bin der andere Türke! Aber ich mach mir morgens auch die Hoar." Nachdem das geklärt war, stellte man überraschend schnell fest: der Comedian sagt die Wahrheit. Spielte das dauerlachende Publikum mit seinem wortgewaltigen Redeschwall in beeindruckender Schlagzahl nahezu schwindlig, wer kann sich da noch an irgendwelche Kernaussagen erinnern? Braucht es auch nicht unbedingt.

Lässt der preisgekrönte Komiker zwar ungefiltert seine Reiselust einfließen, steht dennoch nicht zwangsläufig der Inhalt im Vordergrund, sondern wie genial er sein Gedankengut rüberbringt. Sich liebenswert-quirlig mit Haut, Mütze und den stetig weit aufgerissenen Kulleraugen und von moderner deftig-heftiger Geräuschuntermalung à la Beatboxing präsentiert.

Das Publikum liebt ihn einfach, obwohl oder gerade drum, er nach eigener Ansicht mit den Jahren immer vergesslicher wird. So wache er auf Reisen oft auf und denkt: wo bin ich? Gerade mal 41, betont Kaya Yanar: "Altern ist nicht schlimm, auf jeden Fall nicht für dich." Vielmehr sei es doch cool, wenn einem das wohlige Gefühl im Kopf überkomme.

Gleichfalls nix dafür könne er für "das Kind im Manne" bei romantischen oder erotischen Situationen. "Springe ich mit einem freudigen Ruf , jetzt geht's los' in die Kissen, revanchiert sich meine Freundin, indem sie mit mir Schwyzerdütsch redet. Dann ist bei mir der Ofen aus", plaudert der Comedian über seine frische Liebe, die aus dem Land der schnellen A- und langsamen B-Post kommt.

Viele weitere, bravourös in der jeweiligen "Landessprache" erzählte Urlaubsabenteuer und Klischees kommen bei Kaya Yanar nicht zu kurz. Warum lassen Chinesen Pandas auf der Aufzuchtstation Pornos gucken? Warum raten Kanadier, man solle mit Grizzlybären reden und dauerfotografierende Japaner seien nur zum Schein freundlich? "Hinter deinem Rücken zeigen sie den Stinkefinger". Warum sagen die Türken "muz", wenn der Rest der Welt findet, dass das Wort "Banane" völlig in Ordnung ist?

Gleichfalls sehr zur Erheiterung trugen seine Übersetzungen bei. So heißt Taschenlampe auf Schwedisch "Ficklampa", Erdnuss auf Kroatisch "Kikeriki" und Cola bedeute auf Spanisch nicht die braune Brause, sondern des Mannes bestes Stück.

Gekonnt beobachtete der Comedian Sprachen, Kulturen und Menschen so eingehend, dass er deren Marotten auf den Punkt sowie unverblümt nachzeichnen kann. Mit dem Programm "Around the World" begeistert Kaya Yanar auch ohne Ranjid, Francesco und Hakan in seiner ganz neuen Rolle - als lustigster Reiseführer der Welt.