Die Absage der Herzschrittmacher-Ambulanz der Klinik am Eichert kam  für Horst Ruf aus Bad Boll völlig unerwartet. „Leider müssen wir ihren Termin stornieren.“ Dabei hatte sich der Träger eines Defibrillators fest auf den 16. Februar eingestellt. „Man will doch Sicherheit haben.“  Dass der 56-Jährige sich jetzt um einen neuen Termin für seine Kontroll-Untersuchung  bei einem niedergelassenen Kardiologen kümmern muss, versteht er genauso wenig wie Rosemarie Dittus aus Bartenbach. Sie trägt einen Herzschrittmacher und muss nun ebenfalls umdisponieren. Seit die Zulassung der Herzschrittmacher-Ambulanz der Klinik von der Kassenärztlichen Vereinigung auf Eis gelegt wurde, hagelte es Termin-Absagen für rund 400 Patienten.

  „Das bedauern wir sehr“, sagt der zuständige Chefarzt Professor Dr. Stephen Schröder, „aber wir mussten so handeln“. Tatsächlich hatte ein in Göppingen niedergelassener Kardiologe, der gestern für die NWZ nicht erreichbar war, bereits Ende des vergangenen Jahres Einspruch gegen  die Kassenermächtigung erhoben, die der leitende Oberarzt Dr. Hans-Jörg Weig beantragt hatte. „Danach mussten wir die Kontrolluntersuchungen von einem Tag auf den anderen sofort  einstellen, so ist das gesetzlich geregelt“, berichtet der Chefarzt. 

Wenn der niedergelassene Herzspezialist nachweisen kann, dass er die Nachsorge der jährlich rund 2000 Patienten mit Herzschrittmachern oder Defibrillatoren problemlos übernehmen  kann, verliert der Klinikarzt seine Zulassung.

Das wird momentan vom zuständigen Zulassungsausschuss überprüft. Dabei handelt es sich um ein von der Kassenärztlichen Vereinigung  unabhängiges Gremium, das mit Vertretern der Krankenkassen und der Ärzte paritätisch besetzt ist. „Wir bemühen uns, eine Einigung zu finden“, betont Professor Schröder. Bis dahin bleibt die Herzschrittmacher- und Defibrillator-Ambulanz der Klinik für die Nachsorge tabu.

Dafür haben die Betroffenen wenig Verständnis. „Diese überwiegend älteren Patienten sind nun gezwungen, entweder zu dem Kardiologen zu wechseln, der ihnen den Zugang zu den Ärzten ihres Vertrauens verwehrt, oder sie müssen nach Ulm oder Stuttgart“, ärgert sich Rosemarie Dittus. Tatsächlich gibt es in Göppingen zwei niedergelassene Kardiologen, aber nur einer bietet Herzschrittmacher-Kontrollen an.  „Es ist mir unbegreiflich, dass die Kassenärztliche Vereinigung den Kardiologen in seinem Bestreben, eine Monopolstellung in Göppingen zu erhalten, unterstützt“, schimpft  Rosemarie Dittus.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden Württemberg betont, dass nicht sie, sondern ein unabhängiger Zulassungsausschuss in solchen Fällen entscheide „Die Verfahren sind nichtöffentlich“, erklärt Kai Sonntag, Leiter der Stabsstelle Presse und Öffentlichkeitsarbeit.

Das Verfahren der Zulassung


Ermächtigungen werden in der Regel von Krankenhausärzten beantragt, die zusätzlich zu ihrer Tätigkeit in der Klinik auch ambulante Behandlungen vornehmen möchten. Über die Ermächtigung entscheidet der zuständige Zulassungsausschuss, ein rechtlich selbständiges Gremium aus Vertretern der Ärzteschaft und der Krankenkassen, nicht die Kassenärztliche Vereinigung. Der Zulassungsausschuss prüft, ob ein Versorgungsbedarf vorliegt, der eine Ermächtigung rechtfertigt. Versagt er die Ermächtigung, kann der betroffene Arzt Widerspruch einlegen. Erteilt der Zulassungsausschuss die Ermächtigung, kann auch ein niedergelassener Arzt aus dem entsprechenden Fachgebiet und dem betroffenen Gebiet Widerspruch einlegen. Ein Widerspruch hat erst einmal aufschiebende Wirkung. Über den Widerspruch entscheidet dann ein Berufungsausschuss.