Göppingen Kampf dem Unterrichtsstress

Die Psychologischen Psychotherapeutinnen Rosita Szlak-Rubin (links) und Helga Preis (rechts) vom Klinikum Christophsbad.
Die Psychologischen Psychotherapeutinnen Rosita Szlak-Rubin (links) und Helga Preis (rechts) vom Klinikum Christophsbad.
SWP 09.02.2012
Stressmanagement im Unterricht. Das ist der Titel eines gemeinsamen Projekts von Christophsbad und Haierschule. Schüler und Lehrer werden unter die Lupe genommen und Anti-Stress-Methoden geübt.

Vor einem guten Jahr haben das Klinikum Christophsbad und die Grund- und Werkrealschule Haierschule in Faurndau ihre Bildungspartnerschaft besiegelt. Nun wollen sie mit dem gemeinsamen Projekt "Stressmanagement im Unterricht" ein zentrales Problem des Schulalltags angehen. Dabei werden sowohl Lehrer als auch ihre Schüler unter die Lupe genommen.

Große Klassen, Leistungsdruck, häusliche, psychische und soziale Probleme führen jedoch bei Schülern und Lehrern immer häufiger zu Stress. In einer Studie zur Lehrerbelastung heißt es, dass die Hälfte der deutschen Lehrer über besonderen Stress klagt - vor allem schwierige Schüler und zu große Klassen werden als Gründe benannt.

Bei den Schülern wirkt sich Stress häufig auf die Psyche aus und kann zu Lernproblemen bis hin zu Versagensängsten führen. Dabei äußerst sich Stress in Form von Bauch- und Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Zwängen oder Ängsten. "Für die Aufnahmefähigkeit der Schüler wäre es am besten, wenn Stress erst gar nicht aufkommt", erklärt die Psychologin Rosita Szlak-Rubin, Psychotherapeutin im Christophsbad.

Dies jedoch im Schulalltag umzusetzen, ist leichter gesagt als getan: Die Haierschule hat sich entschieden, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen und professionelle Hilfe zu anzunehmen. Rektorin Ingrid Stotz und Achim Steiner wandten sich im Rahmen der Partnerschaft an das Klinikum Christophsbad. Das angestrebte Ziel war es, mit Hilfe der Spezialisten aus dem Klinikum die Lehrer für die Belastungssituationen im Unterricht zu sensibilisieren und Stress entgegenzuwirken.

So kam es zunächst zu einem gemeinsamen Gespräch mit den Psychotherapeutinnen Helga Preis und Rosita Szlak-Rubin, bei dem Fragen rund um das Thema Stress diskutiert wurden: Was können Schüler und Lehrer aktiv gegen Stress tun? Es schloss sich eine Schulung durch die Psychotherapeutinnen für die die Lehrer an. Einfache Methoden wurden eingeübt, die je nach den räumlichen Gegebenheiten und dem "Stresspegel" der Schüler ausgewählt werden können. So ist beispielsweise eine Kurzform der Progressiven Muskelentspannung leicht im Klassenzimmer anzuwenden. Dabei werden nacheinander die einzelnen Muskelpartien in einer bestimmten Reihenfolge zunächst angespannt, die Muskelspannung kurz gehalten, und anschließend die Spannung gelöst.

Ein anderes, für die Lehrer leicht einsetzbares Entspannungsverfahren, ist das Genusstraining. Über einen kurzen Zeitraum beschäftigt man sich hierbei mit ausgewählten Aktivitäten und genießt den Augenblick. Dies können simple Dinge sein: etwa einen Apfel fühlen, riechen und schmecken oder über einen kurzen Zeitraum Innehalten und eine bequeme Körperhaltung finden. "Diese Übungen helfen den Kindern und Jugendlichen zu entspannen, Ruhe zu finden, sich zu erholen und zu regenerieren, um danach wieder fit und aufmerksam für den Unterricht zu sein", sagt die Psychotherapeutin Helga Preis.

"Unsere Lehrer führen die Entspannungsübungen mittlerweile regelmäßig durch: In den Grundschulklassen meist in Form von Fantasiereisen oder Achtsamkeitsübungen. In der Werkrealschule finden sie teilweise morgens vor Unterrichtsbeginn oder in einem eigens für die Ganztagsschüler eingerichteten Entspannungstraining am Nachmittag statt - allerdings nicht in der Klassengemeinschaft, sondern auf freiwilliger Basis", erklärt Ingrid Stotz. Entspannungsübungen sind jedoch nicht jedermanns Sache und vor allem pubertierende Jungen empfinden sie häufig als "peinlich". Sie - und auch einige Lehrer - ziehen dynamischen Sport als Ausgleich vor. Mädchen und Grundschüler nähmen die Übungen hingegen offener an. "Es ist zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich noch zu früh, um von sichtbaren Ergebnissen zu sprechen", erklärt die Rektorin. "Auf jeden Fall verlief die Vorweihnachtszeit, die in vielen Schulen als Stressphase bekannt ist, bei uns außergewöhnlich ruhig. Es lohnt sich also, diesen Prozess genau zu beobachten." Durch die Teilnahme an Science Kids, einem Projekt, für das die Haierschule Pilotschule ist, ergibt sich hier ein hervorragender Synergieeffekt: Wissenschaftlich begleitet wird in ein paar Monaten klar sein, ob die Entspannungsübungen spürbar Wirkung zeigen.