Bühne Kabarettist Timo Wopp begeistert in Göppingen

Göppingen / Hans Steinherr 13.02.2018
Im dritten Anlauf hat’s geklappt: Der Jongleur und Kabarettist Timo Wopp brillierte erstmals bei Odeon im Alten E-Werk.

Wem kann man noch glauben? In Zeiten, in denen Verschwörungstheorien und Fake News Meinungen machen und manipulieren. Wer will da noch Freunde haben oder eine Apple-Watch, von der man sich ständig beobachtet fühlt. Da helfen dann nur noch irrationale Bewegungsmuster quer durch die Stadt, um die Apple-Algorithmen durcheinander zu wirbeln. Auf keinen Fall stehen bleiben. Besser weiterjoggen und einfach durchwinken, wenn etwas nicht gefällt.

Wirbeln ist angesagt bei Timo Wopp. Der Tausendsassa wirbelt Kabarett, Jonglage, Meinung und Logik derart turbulent und intelligent durcheinander, dass es einem die Luft und die Zeit zum Sehen, Hören und Nachdenken nimmt. Zum ersten Mal im dritten Anlauf gelang es den Odeon-Machern, den Profi-Jongleur und multiplen Kabarettisten Timo Wopp mit seinem Programm „Moral – eine Laune der Kultur“ nach Göppingen zu holen. Einen der sich selbst als die Alternative zum Kabarett bezeichnet.

Wir glauben an nichts mehr. Nicht an die Logik, nur noch Expertenmeinungen. Was hat Meinung mit Logik zu tun? Ist es logisch, zu meinen, nach der Ehe für alle wird als nächstes Sex mit Tieren erlaubt? Wobei der gar nicht explizit verboten wäre.

Der Teufel steckt im Detail. Und „fist“ (Faust) im Terminus „Pazifist“ und „oral“ in „Moral“. Apropos: Was macht eigentlich Monica Lewinsky? Timo Wopp mischt und wischt auf: Thesen zur Kindererziehung und Ansichten zum Sexismus, Meinungen zur Gleichstellung und Gedanken über Populismus. Er erläutert die Verbindung und therapeutische Notwendigkeit davon, Glauben zu haben und fluchen zu können. Zugegeben: auf dünnem Eis, wie er sagt. In einem Programm aus Wahrheit und Schmerz, das er gar nicht recherchiert habe. Weil, so Wopp, Recherche der Feind einer jeden Meinung und zu viel Wissen auch eine Form von Behinderung ist. Und weil Meinung keine Recherche brauche. Boxing, das Jonglieren mit backsteingroßen Boxen, entspannt. Wopp und sein Publikum, das zwischen Schockstarre und Begeisterung, mal bedröppelt, mal fasziniert hin und her pendelt.

Es ist zirkusreif, wie dem Showtalent Wopp zweieinhalb Stunden die Fusion von Akrobatik und Kabarett gelingt. Zum Ausklang genügt ein genialer Zigaretten-Anzünd-Trick und ein spektakuläres Finale. Mit magisch tanzenden Tennisbällen erklärt Timo Wopp die Komplexität unserer Welt. Er will der Orientierungslosigkeit in diesem Land ein Gesicht geben. Seines. Noch immer oder schon wieder verwirbelt? Bitte nur nicht stehen bleiben. Einfach weiterjoggen. Aber nicht durchwinken, sondern zuwinken. Einer wie Timo Wopp muss wiederkommen.

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