Unterhaltung Kabarett mit Horst Schroth: Denkpause im Herrenzimmer

Horst Schroth hetzte schnell durchs Programm.
Horst Schroth hetzte schnell durchs Programm. © Foto: Sabine Ackermann
Göppingen / Sabine Ackermann 09.10.2018

Beobachten, analysieren, schwindlig reden – das lebt Horst Schroth. Mal abgesehen vom froschgrünen Anzug wirkt der Kabarettist eher unauffällig, gibt sich nicht perfide, chauvinistisch oder gar vulgär, aber dafür erfrischend realitätsnah in Sachen Lebenshilfe. In „Wenn Frauen immer weiter fragen – ein Update für Fortgeschrittene“ beantwortet er die Mails von Brigitte, Hildegundis und Co.

Vergleicht er nicht gerade den Habitus der Frauen mit der Verhaltensweise der Männer, liefert er einen profunden Gesamtüberblick. Beispielsweise vom langen Sommer: „Manche haben Tattoos an Stellen, da hab ich noch nicht mal Haut“. Nichts lässt der 70-Jährige aus. Erzählt vom „Frauen-kümmern-sich-um-alles-Gen“, denn wenn sie nicht gerade im „Jacuzzi-Pool der Gefühle“ baden, zupfen sie störende Fusseln am Jackett ihrer in Duldungsstarre befindlichen Männer weg. Aber auch von stinkreichen „Elbletten“, ihres Zeichens Hamburger Vorzeigefrauen in Kaschmir-Pullovern, wo man beim Reingreifen noch die Ziege spüren würde. Sterben im Gegenzug die Kavaliere aus, gebe es dafür immer mehr rücksichtslose Rüpel mit der erotischen Ausstrahlung eines Teelichts.

„Jungs, ich muss mal raus, Siggi, kommst du mit?“ – Grund genug, warum Männer nicht wie Frauen „in Rudeln“ auf die Toilette gehen. Horst Schroths Erzähltempo ist ausgesprochen hoch, breit angelegt und mitunter sehr witzig.

Wie ein Verfolgter hetzt der Kabarettist durch sein Programm und sein exorbitanter Wortfluss strengt an, macht das Zuhören nicht einfacher. Ausführlich beschreibt er die Vorzüge kleiner Männer, alte, „unterm Existenz-Maximum“ lebende Säcke, die junge großgewachsene Schönheiten wie alles Kleine süß finden und zur Kategorie „DoBy – Daddy old, Baby young“ gehören. Dann die Erkenntnis: Das Gehirn des Mannes fungiere als eigenes Clubhaus, jeder Raum sei einem Thema wie Familie, Fußball oder der Frau zugeordnet. Weil es dazwischen keine Verbindung gebe, könne ein Mann sehr lange und intensiv nur über ein Thema sprechen. Doch der bevorzugte Raum sei das mit „nichts“ – außer mit dem Lieblingssessel – gefüllte Herrenzimmer.

Das Gehirn einer Frau hingegen sei gefüllt mit Kilometern von Glasfaserkabeln, alles laufe mit neuestem Betriebssystem und sei hervorragend vernetzt.

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