Zu den Berichten über den Fachkräftemangel im Kreis: Junge Leute werden verheizt

SWP 27.04.2013

Viele Jugendliche, die als Facharbeiter ausgebildet wurden, haben in ihren jeweiligen Berufen weder inhaltliche noch finanzielle Perspektiven.

In der Ausbildungszeit werden sie oft von den Ausbildungsfirmen alleine mit ihren Problemen gelassen. Ob bei beruflichen oder sozialen Herausforderungen sollten die Jugendlichen von den entsprechenden Vorgesetzten nicht alleine gelassen werden.

In meiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Trainer habe ich oft mit diesem Personenkreis zu tun. In der Mehrzahl sind die Unternehmen nicht in den Arbeitgebervereinigungen und sind deshalb nicht an Tarifverträge gebunden.

Es verdienen die ausgebildeten Fachkräfte weniger als Hilfsarbeiter. Schon in der Lehrzeit werden die Auszubildenden oft ausgenützt. Ich weiß, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind, aber gegenseitiger Respekt und Zukunftsorientierung sind eigentlich ein Muss für jeden Ausbilder.

Das heißt, Facharbeitermangel haben wir eigentlich keinen, denn die unterbezahlten Fachkräfte gehen oder fliehen in besser bezahlte Jobs, die keine drei- bis vierjährige Ausbildungszeit benötigen. Dies ist ein gesellschaftliches Problem, das die Politik und die Wirtschaft gemeinsam lösen müssen. Das heißt auch, dass die jungen Menschen ordentlich zu bezahlen sind und deswegen kein sozialversicherungs- oder steuerliches Problem sein sollten.

Enzo Capitano,

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