Porträt Jürgen Tarrach mit Buch geködert

Tina Walz mit einigen ihrer Hörbücher. Um Produktionen auszuwählen, für die sie oft herausragende Sprecher gewinnt, liest die Buchhändlerin und ausgebildete Sängerin ein Buch am Tag.
Tina Walz mit einigen ihrer Hörbücher. Um Produktionen auszuwählen, für die sie oft herausragende Sprecher gewinnt, liest die Buchhändlerin und ausgebildete Sängerin ein Buch am Tag. © Foto: Cornelia Villani
Uhingen / Cornelia Villani 07.01.2017

Mit leicht kratziger Stimme liest Schauspieler Jörg Pleva immer den gleichen Satz. 42 Minuten lang. „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“ Seine Betonung variiert dabei immer spürbar, wird aber nie verzerrend oder lächerlich. Pleva, die deutsche Synchronstimme von Jack Nicholson, liest einfach vor.

Dieses Projekt ist kein typisches Hörbuch des Diwan-Verlags. Tatsächlich gehören zum Programm eher Romane und Erzählungen. Doch Plevas Vertonung zeigt, wie offen und wagemutig Verlegerin Tina Walz ihre Arbeit angeht. Und dass der Ein-Frau-Verlag aus Uhingens Teilort Nassachmühle durchaus eine Leuchtturmfunktion inmitten der Kultur einer massentauglichen  Gleichmacherei einnimmt, die auch die Literatur beherrscht.

„Die Aufnahme mit Jörg Pleva ging aus einer Performance der Künstlergruppe M + M aus dem Jahr 2008 hervor“, erzählt Tina Walz. Wenn die 47-Jährige von ihrer Arbeit spricht, leuchten ihre Augen und ihre Sprache wird ausgesucht und präzise. Walz ist ausgebildete Sängerin und Buchhändlerin. Beide Leidenschaften vereinigt sie in der Auswahl der von ihr vertonten Bücher.

Der Klang einer Stimme sei sehr wichtig. „Wenn ich ein Manuskript lese, habe ich schon meistens den Vorleser im Ohr“, erzählt Walz. Meistens sind das Schauspieler, nicht selten bekannte. Mittlerweile hat Tina Walz einen guten Namen in der Branche und arbeitet regelmäßig mit Größen wie Kai Wiesinger oder Oliver Korittke zusammen.

Diese für Projekte zu gewinnen, sei nicht schwer gewesen, erzählt sie. „Man schickt das Buch an die Agentur und erhält dann eine Antwort.“ Meist positive, etwa von Schauspieler Jürgen Tarrach. „Er sagte, wenn er Martin Gülichs ‚Die Umarmung’ vorliest, stelle er wieder einen schrägen Vogel dar.“ Und das wolle er eigentlich nicht. Tina Walz lacht fröhlich: „Aber er müsse es einfach machen, das Buch sei zu toll.“ Bei Gülichs Buch habe sie das Konstrukt der Geschichte fasziniert.

Andere Werke beeindrucken Walz durch ihre besondere Sprache. Fee Katrin Kanzlers „Sterben lernen“ etwa. Walz schwärmt: „Kanzler schreibt wahnsinnig gut, kreiert Wörter und Sätze und ist dabei noch witzig.“

Um Bücher auszuwählen, liest Walz viel. „Ein Buch am Tag meistens.“ Sie erhält Werke vor ihrer Veröffentlichung, besucht Buchmessen, reist auf der Suche nach besonderem Material durch ganz Deutschland. Und das auf eigene Faust, seit knapp neun Jahren.

Damals stellten sie die Besitzer des Verlags „Gugis Hörbücher“ vor die Entscheidung, ob sie alleine mit dem Verlag weitermachen wolle. Walz hatte seit 2004 freiberuflich für André Horstmann und Tobias Meinen gearbeitet. „Zwei Wochen hatte ich Zeit, zu überlegen.“ Sie stimmte zu. Eine Zeitlang lief der Verlag unter altem Namen weiter, 2008 nannte sie ihn in Diwan-Hörbuchverlag um,  veränderte das Portfolio des ursprünglichen Kinderhörbuchverlags und nahm mehr anspruchsvolle Literatur auf.

Der Erfolg gibt ihr Recht. Nicht zuletzt durch den mit 12 500 Euro dotierten baden-württembergischen Landespreis für literarisch ambitionierte kleinere Verlage. „Dank interessantem Programm und herausragenden Sprechern bereite er echtes Hörvergnügen“, heißt es in der Begründung. Dabei sei es „vor allem die Kreation, die Tiefe eines Textes, die Überraschung, die oft hinter einfach erscheinenden Texten steht.“ Die Verleihung ist im Februar. „Das freut mich total“, sagt Walz. „So ein Preis ist ja immer die Anerkennung der geleisteten Arbeit.“

Der Hörbuchverlag Diwan

Der Verlag: „Originalität und Feinsinn sind Hauptzutaten für besondere Hörbücher aus dem Programm des Diwan-Hörbuchverlags.“ So beschreibt Verlegerin Tina Walz ihr Angebot. Aktuell aufgelegt wurde der Roman „Sterben lernen“ von Fee Katrin Kanzler, den die Autorin  selbst liest. Eine weitere Neuheit, Elsemarie Maletzkes Gartenkrimi „Giftiges Grün“, wird von Schauspielerin Constanze Weinig Leben vorgelesen. Weitere Autoren sind Ilja Richter, Josef Winkler und Julio Cortázar. Schauspieler wie Kai Wiesinger, Jürgen Tarrach und Oliver Korittke haben bereit für Tina Walz gelesen. Das gesamte Programm gibt es im Netz unter www.der-diwan.de.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel