Open-Air Jürgen Rothfuß gibt den Bee Gee

Die Ensembles des Liederkranzes Heiningen zeigten beim Dürnauer Schlosshofkonzert nicht nur musikalisch, sondern auch choreographisch ausgereifte Leistungen.
Die Ensembles des Liederkranzes Heiningen zeigten beim Dürnauer Schlosshofkonzert nicht nur musikalisch, sondern auch choreographisch ausgereifte Leistungen. © Foto: Inge Czemmel
Dürnau / Inge Czemmel 18.07.2017
Zu Gast bei „Kuldür“ im Dürnauer Schlosshof, boten die Chor Company und die New Generation des Heininger Liederkranzes „Chor pur“ unter freiem Himmel.

Halleluja“ klingt es am Ende des Konzerts in den Dürnauer Abendhimmel. Im Publikum sind nur einige wenige zu finden, die den Song von Leonard Cohen nicht inbrünstig mitsingen. „Ein wunderbarer Abend“, sind sich alle einig. „Schade, dass er schon vorbei ist.“

Was gibt es Schöneres als einen „Chor-pur-Musik-Cocktail“ des Heininger Liederkranzes in einer lauen Sommernacht? So hatten wohl viele gedacht. Obwohl das Konzert seit Wochen ausverkauft war, fanden sich Chormusikliebhaber ohne Karten ein. Sie richteten sich außerhalb der Schlosshofmauern auf Spielplatzbänken, Mäuerchen, mitgebrachten Decken und Klappstühlen gemütlich ein, um dort den Ohrenschmaus zu genießen. Die Outfits sowie die pink- und lilafarbenen Accessoires bekamen die „Schwarzhörer“ allerdings ebenso wenig zu sehen wie die ausgefuchsten Choreografien.

Mit einem Rock-Medley der New Generation und einem Toto-Medley der Chor Company legten die Liederkranzchöre gleich schwungvoll los. Diesmal schon fast ungewohnt „pur“. Kein Orchester, keine Begleitband lenkte von den beeindruckenden Sangeskünsten ab. Die Chöre und ihre hervorragenden Solisten kamen prima mit „dem bisschen Begleitmusik aus der Dose“ aus und erfüllten ganz wunderbar den Schlosshof. Adele in Dürnau? Bei „Sweetest Devotion“ wollte man es fast glauben, dass sich die Britin her verirrt hat.

Immer wieder schön auch Elton Johns „Can you feel the love tonight“, dem das Sommernachtsambiente des Schlosshofes den idealen Rahmen bot. Rock, Pop, Techno, Musical, Hip-Hop, Heavy Metal, Gospel – die Zutaten des Musikcocktails ergaben eine ganz besondere Mischung.

Dirigent Jürgen Rothfuß, der zur Freude des Publikums bei „Staying alive“ aus „Saturday Nightfever“ selbst einen der drei „Bee Gees“ gab, geriet angesichts der übersichtlichen Publikumsschar und des kuscheligen Ambientes in  Plauderlaune. Er animierte ein ums andere Mal zum Mitsingen. „Aahaaha, dingeringdingding“ – wer kennt nicht das James-Bond-Thema? Nichts wie raus mit der Luftgitarre. Beim Discozeit-Erinnerungen weckenden Eurodance-Medley aus den 90ern bedurfte es keinerlei Aufforderungen. Die Hände kamen ganz von allein.

Viel Applaus erntete die New Generation für „Ein Kompliment“ und „Troy“. Mit „Engel“ von Rammstein boten sie ganz großes Kino mit Gänsehauteffekt. Auch ans Herz gehende Titel wie „I’m not the only one“ und „You raise me up“ fehlten nicht. Bei „Gabriellas Song“ tauchten passenderweise die letzten Sonnenstrahlen die Chor Company in ein goldenes Licht.

Auch ein Monumentalwerk hat Jogi Rothfuß immer im Cocktail. Diesmal beeindruckten die beiden Chöre stimmgewaltig mit „Bohemien Rhapsodie“, um anschließend das Konzert mit einer gefühlvollen Interpretation von „You’ve got a friend“ zu beenden. Vor der „Halleluja-Zugabe“ verteilte Kuldür-Vorsitzende Annemone Hilsenbeck, die nach eigenen Worten, den Chören jahrelang nachgelaufen ist, Sonnenblumen an die Solisten.