SPD Jürgen Lämmle ist neuer SPD-Chef

Er ist wieder da: Jürgen Lämmle hat bei der Göppinger SPD das Ruder übernommen.
Er ist wieder da: Jürgen Lämmle hat bei der Göppinger SPD das Ruder übernommen. © Foto: Andrea.Mohr
Göppingen / HELGE THIELE 30.09.2016
Jürgen Lämmle kehrt auf die Göppinger Bühne zurück: Der frühere Bürgermeister und Ministerialdirektor ist neuer Vorsitzender des SPD-Ortsvereins.

Der politische Ruhestand war bereits beschlossene Sache, nachdem Jürgen Lämmle seinen Posten als Amtschef im Sozialministerium aufgrund des Machtverlusts der SPD räumen musste. Doch nun hat der Sozialdemokrat eine Aufgabe übernommen, die, wie er betont, „bis vor kurzem außerhalb meiner Vorstellung“ lag: Der 64-jährige Regionalrat ist am Mittwochabend in der Gaststätte „Wilder Schwob“ des TV Jahn zum neuen Göppinger SPD-Vorsitzenden gewählt worden.

Der frühere Erste Beigeordnete der Stadt Göppingen (1998 bis 2011) löst Susanne Brecht ab, die den Ortsvereins vier Jahre lang geführt hatte und nicht wieder kandidierte. Lämmle war der einzige Bewerber. Auf ihn entfielen alle 34 Stimmen.

Der Ex-Ministerialdirektor (2011 bis 2016) freut sich über den großen Zuspruch und ist überzeugt, „etwas Positives  einbringen zu können“. Er sei stolz auf das Vorstandsteam, „das aus bewährten Fahrensleuten, aber auch neuen und vor allem jungen Leuten besteht“. Die Stadträtin Hilde Huber und Felix Bastian Unseld wurden zu Lämmles Stellvertretern gewählt. Unseld ist 30 Jahre,  Schriftführer Julian Philipp Ruess 21 Jahre jung. Die Aufgabe des Mediensprechers hat der erfahrene Rainer Maier (59) übernommen. Neu als Beisitzer – und als SPD-Mitglied – ist beispielsweise der Gymnasiallehrer Daniel Schindler aus Hohenstaufen.

Jürgen Lämmle will die Göppinger SPD mit ihren 124 Mitgliedern fit machen für die Bundestagswahl im kommenden Jahr. Er leide nach wie vor unter dem schlechten Ergebnis bei der Landtagswahl, sagt er. Die Partei sei „weit unter Wert geschlagen“ worden, auch die aktuellen Umfragewerte auf Bundesebene hält Lämmle für „nicht gerechtfertigt“. Für seine Amtszeit bis zum Frühjahr 2018 hat er das Ziel, „dass der SPD-Ortsverein noch stärker in der politischen Diskussion in Göppingen wahrgenommen wird und auch für neue und junge Mitglieder attraktiver wird, „so dass ein echter Generationswechsel stattfinden kann“.

Lämmle will das Amt „nicht zehn Jahre machen“ und auch nicht Göppinger OB werden oder auf seinen früheren Posten als Beigeordneter zurückkehren. Lämmle: „Ich hatte im Rathaus eine sehr schöne Zeit“, aber diese sei vorbei.

Ein Kommentar von Helge Thiele: Motivator mit viel Erfahrung

Anhänger der SPD müssen ein hohes Maß an Leidensfähigkeit besitzen: Desaster bei der Landtagswahl, Machtverlust, katastrophale Umfragewerte auf Bundesebene und die AfD im Nacken. Ein Jahr vor der Bundestagswahl können einem die Genossen fast schon leid tun. Viele Mitglieder sind frustriert und tief verunsichert. Die SPD erinnert in diesen Tagen an das berühmte Kanninchen, das auf die Schlange starrt. Der neue Chef an der Spitze des Göppinger Ortsvereins kommt da gerade recht. Jürgen Lämmle ist nicht nur einer, der fest an die Zukunft der Sozialdemokratie glaubt. Er bringt auch jede Menge politische Erfahrung mit, sowohl aus dem Sozialministerium, als auch aus seiner langen Zeit als Erster Beigeordneter der Stadt Göppingen. An gesellschaftlichen Themen, mit denen die SPD bei den Wählern punkten könnte, mangelt es nicht. Lämmle ist hochkompetent, aber was noch viel wichtiger ist: Er ist ein guter Motivator und kampagnenfähig. Genau das wird in den kommenden Monaten Lämmles wichtigste Aufgabe sein: der Göppinger SPD-Basis den Glauben zurückzugeben, dass die Partei etwas reißen kann. Lämmles Erfolg wie der aller SPD-Ortsvorsitzenden im Land hängt allerdings maßgeblich davon ab, ob sich die Landespartei in neue Richtungskämpfe verstrickt oder ob es gelingt, sich gemeinsam aus dem Umfragetief auszubuddeln. Wer Jürgen Lämmle kennt, weiß, dass er sein Bestes geben und der SPD auch öffentlich eine Stimme geben wird.

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