Eislingen / Von Helge Thiele  Uhr
Eislingens Baudezernent Jürgen Gröger hat seine Entlassung beantragt. Der 48-Jährige zieht die Konsequenzen aus den Querelen mit OB Heininger.

Paukenschlag in der Eislinger Stadtpolitik: Baubürgermeister Jürgen Gröger kann sich nicht mehr vorstellen, ein funktionierendes Dienst- und Vertrauensverhältnis innerhalb der ­Verwaltungsspitze herzustellen. Nach drei von geplanten acht Amtsjahren hat der vom Gemeinderat gewählte Dezernent um die Auflösung seines Dienstverhältnisses gebeten. Dies teilte Eislingens Oberbürgermeister Klaus Heininger nach Informationen unserer Partnerzeitung NWZ den Eislinger Stadträten am Montagabend in nicht öffentlicher Sitzung mit. Vorausgegangen war ein Gespräch zwischen Gröger und Heininger am Montagvormittag.

Göppingen schreibt die Stelle des Stadtplaners neu aus, nachdem auch der Eislinger Baudezernent Jürgen Gröger im Gemeinderat durchgefallen ist.

Gröger, der den Gemeinderat auch selbst per Mail über seinen Entschluss informierte, ist mit Heininger und dessen Amtsführung sowie Heiningers Verhalten ihm gegenüber nie glücklich geworden. Umgekehrt gab es aber auch immer wieder Kritik an Gröger, wie Äußerungen von Stadträten und Verwaltungsmitarbeitern  in den vergangenen Monaten gezeigt hatten.

Nun soll die politische Ehe geschieden werden. Er sehe seine Zukunft nicht mehr in der Eislinger Stadtverwaltung, ließ Gröger den OB und den Gemeinderat wissen. Das hatte sich abgezeichnet: Aus dem Krankenstand heraus hatte sich Gröger im Frühjahr um die vakante Stelle des Göppinger Stadtplaners beworben (wir berichteten). Allerdings ohne Erfolg. OB Heininger erklärte dazu im April auf Nachfrage der NWZ kurz und knapp: „Herr Gröger hat mich nicht informiert.“

Tischtuch zwischen OB und Gröger zerschnitten

Da war das Tischtuch zwischen dem OB und dem Baudezernenten, der 2017 auch das Amt des Ersten Bürgermeisters und dessen Aufgaben im Bereich des Bürger- und Ordnungsamts übernommen hatte, längst zerschnitten. Gröger, der seine Stelle in Eislingen im März 2016 angetreten hatte, hatte bereits Anfang 2018 überlegt, seinen Dienstposten aufzugeben. Aufgrund eines langen krankheitsbedingten Ausfalls kam es aber nicht dazu. Gröger litt monatelang unter Borreliose, wie er selbst berichtet. Erst viele Wochen nach Auftreten der Beschwerden stand die sichere Diagnose fest und Gröger konnte mit einer erfolgreichen Therapie beginnen. „Ich war mehrere Monate aus dem Spiel genommen“, sagt der diplomierte Architekt. Nun sei er wieder voll genesen und habe seine Entscheidung ge­troffen.

Wie geht in der Eislinger Verwaltungsspitze weiter?

Wie es in der Eislinger Verwaltungsspitze weitergeht, ist offen. „Man muss sich das in Ruhe angucken“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Ritz der NWZ. Und fügte mit Blick auf Grögers Entscheidung hinzu: „Die SPD hat ihn nicht gewählt. Wir sind froh, dass dieses Thema dieses Jahr beendet wird.“ Manfred Strohm, Chef der CDU-Fraktion im Gemeinderat, betonte:  „Wir haben gut mit Jürgen Gröger zusammengearbeitet, auch wenn es manchmal unterschiedliche Vorstellungen in der Sache gab.“ Auch die Christdemokraten sind dafür, genau zu überlegen, was an der Spitze des Baudezernats passieren soll. OB Heininger reagierte am Dienstagnachmittag trotz wiederholter Bitte unserer Partnerzeitung um eine Stellungnahme zu den Vorgängen in seiner Verwaltung nicht.

Der genaue Zeitpunkt von Grögers  offiziellem Ausscheiden und die Konditionen stehen noch nicht fest. Sicher scheint aber, dass der 48-Jährige, der bis zu seinem Wechsel nach Eislingen das Göppinger Hochbauamt geleitet hatte, nicht ins Eislinger Rathaus zurückkehren wird. Gröger ist zwar seit Montag nach eigenen Angaben nicht mehr krankgeschrieben, nimmt aber jetzt seinen Urlaub, der aufgrund seiner Erkrankung  zum Teil noch aus dem vergangenen Jahr stammt.