Kreis Göppingen Jubiläum oder kein Jubiläum?

Kreis Göppingen / INGRID ZEEB 14.03.2012
Ehre, wem Ehre gebührt. Aber was, wenn der zu Ehrende gar nicht geehrt werden will? Ein Beispiel aus der Welt der Firmenjubiläen.

Vor einem Dreivierteljahrhundert schrieb man das Jahr 1937. Wer damals ein Unternehmen gründete und es erfolgreich durch Nationalsozialismus, Krieg, Wiederaufbau, Wirtschaftswunder, Ölkrise und all die anderen Krisen, die noch folgen sollten, steuerte, der hat wahrlich eine Ehrung verdient. So sieht das auch die Handwerkskammer der Region Stuttgart. Ein Friseursalon im östlichen Teil des Landkreises erhielt kürzlich eine Ehrenurkunde, verbunden mit herzlichen Glückwünschen zum 75-jährigen Bestehen des Betriebes. Ein Nachbar des Salons wunderte sich allerdings: War es doch erst gut zehn Jahre her, dass die Inhaberin ihren Betrieb eröffnet hatte, und das nicht in historischen, sondern in nagelneuen Räumen.

Nein, das sei kein Irrtum, versicherte man bei der Handwerkskammer. "Das mit den Ehrungen geht automatisch", sagte die Sachbearbeiterin, startete aber trotzdem eine Nachforschungsaktion. Was dabei herauskam, teilte Pressesprecher Gerd Kistenfeger mit: Es gibt tatsächlich einen Friseursalon, der 1937 gegründet worden ist. Allerdings von einer anderen Familie und in einer anderen Stadt. Trotzdem ist es derselbe Betrieb. Alles klar? Was unbedarften Naturen vielleicht nicht gleich einleuchtet, hat aber aus der Sicht der Handwerkskammer durchaus eine Logik und sogar einen ernsten Hintergrund. "Es geht hier um Firmennachfolge, das ist für uns ein ganz wichtiges Thema", erklärt Kistenfeger. Nicht jeder Inhaber habe eigene Nachkommen, an die er seinen Betrieb weitergeben könne. So war das auch im Fall des Friseurbetriebs, den ein Ehepaar vor 75 Jahren gegründet hatte. Die heutige Inhaberin pachtete zunächst die Firmenräume, als sich das Gründerehepaar zurückzog. Vor gut zehn Jahren zog sie um - in den Nachbarort.

Für die Handwerkskammer ist das überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil: "Der Betrieb besteht weiter, auch wenn er den Inhaber wechselt oder umzieht", unterstreicht Kistenfeger. "Genau das wollen wir ja fördern: den sinnvollen Übergang von einer Generation auf die folgende." Die geehrte Friseurmeisterin selbst lässt das kalt. "Wir feiern kein Jubiläum", lässt sie von ihrer Mitarbeiterin ausrichten.