Jubiläum Jubiläum im Haus der Familie

Das Haus der Familie blickt auf die vergangenen Jahre zurück. Die Einrichtung wurde 1958 gegründet.
Das Haus der Familie blickt auf die vergangenen Jahre zurück. Die Einrichtung wurde 1958 gegründet.
Göppingen / Margit Haas 22.06.2018
Von der Mütterschule zur Familienbildungsstätte – das Haus der Familie feiert am kommenden Wochenende seinen 60. Geburtstag mit einem bunten Programm.

Stolze 60 Jahre – und kein bisschen eingerostet. Im Gegenteil. Die Göppinger Familienbildungsstätte Haus der Familie hat sich immer als äußerst beweglich gezeigt, hat regelmäßig auf Veränderungen in der Gesellschaft reagiert und nicht selten Entwicklungen vorausgesehen. Am 29. und 30. Juni feiert die Einrichtung ihren 60. Geburtstag – wie sonst auch mit Angeboten für die ganze Familie.  Denn seit seiner Gründung als „Mütterschule“ im Oktober 1958 hat die Einrichtung ihr Kursangebot auf die ganze Familie ausgeweitet, spricht sie heute als Einheit an und begrüßt deshalb regelmäßig nicht nur Mamas, sondern auch Papas in ihren Räumen und seit einiger Zeit auch die Omas und Opas, die gemeinsam mit ihren Enkelkindern eingeladen sind.

Immer mehr Väter kommen

„Als wir gegründet wurden, hatte sich die Situation für Frauen grundlegend geändert. Sie mussten berufstätig sein und der Mutterrolle gerecht werden“, stellt Ilse Birzele in der Rückschau fest. Tatsächlich waren Ende der 1950er Jahre über 40 Prozent der Frauen berufstätig. In Esslingen und Ulm waren bereits „Mütterschulen“ gegründet worden, „damit die Frauen ihre vielseitigen Aufgaben in jeder Hinsicht zu erfüllen vermögen“, so die damalige Begründung. In Göppingen „war die Initiative von Dr. Alfred Schwab und von Gemeinderätinnen aller Fraktionen ausgegangen“, weiß Ilse Birzele, die dem Verein „Haus der Familie“ seit Mitte der achtziger Jahre vorsteht und deren Mutter zu den Gründungsmitgliedern gehörte.

Die Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren, kennen berufstätige Frauen, auch wenn sich die Rahmenbedingungen, zumindest was die Kinderbetreuung betrifft, verbessert haben. „In einer Gesellschaft, die Kinder will, muss die Arbeitswelt aufgeteilt werden und so gemeinsame Familienzeit geschaffen werden“, so Birzele. „Die Strukturen dafür beginnen erst langsam, sich zu verändern“, ergänzt Barbara Hofgärtner, die die Einrichtung seit Kurzem leitet. „Unsere Kursangebote werden verstärkt auch von Vätern angenommen“.

Dieses Angebot im Haus der Familie hat sich nicht nur inhaltlich stark verändert. Die Kurse nehmen die ganze Familie in den Blick, richten sich auch speziell an Kinder und Jugendliche. Beachtlich ist auch die Vielzahl und Vielfalt der Angebote. Nach wie vor sind die „klassischen“ Frauenthemen breit gefächert: Kochen, Kleidung und Kreativität, Gesundheitsthemen. Im immer umfangreicher werdenden Programmheft, das demnächst erscheinen wird, geht es aber auch um gewaltfreie Kommunikation und Vorsorgevollmachten, um die 68er und Online-Geschäfte. Es spiegelt zudem ein Thema wieder, das mehr und mehr in den Fokus rückt. „Inklusion ist uns ein wichtiges Thema. Wir wollen alle gesellschaftlichen Bereiche erreichen“, betont Hofgärtner. Dies gelinge in weit höherem Maße, seit die Einrichtung auch räumlich in die Mitte der Gesellschaft gerückt sei. Seit 1989 hat das Haus der Familie seinen Sitz in der Villa der früheren jüdischen Unternehmerfamilie Butz in unmittelbarer Nachbarschaft von Arbeitsamt, Volkshochschule, Feuerwehr und Altem E-Werk. „Hier haben wir eine deutlich höhere Aufmerksamkeit – auch bei Männern“, beobachtet Ilse Birzele. Eine veränderte Wahrnehmung ergab sich auch durch den Familientreff im Haus. Er habe es mit sich gebracht, „dass sich alle gesellschaftlichen Schichten ganz selbstverständlich hier im Haus treffen und sich kennenlernen“, so Hofgärtner. Und alle fühlen sich wohl. „Der besondere Charakter des Hauses unterstützt Beziehungen und Begegnungen“, sagt die Leiterin der Einrichtung.

Das Jubiläums-Programm

Festvortrag Am 29. Juni (19 Uhr) wird der Zukunftsforscher Professor Dr. Horst Opaschowski beim Festvortrag in der Göppinger Stadthalle „Familie weiterdenken - Die Zukunft der Generationenbeziehungen als Herausforderung an Bildung und Lebensqualität“ Visionen für das Jahr 2038 entwickeln.

Sommerfest Ganz im Zeichen des Zirkus wird das Sommerfest am 30. Juni stehen. Ab 14.30 Uhr sind Klein und Groß eingeladen zum Feiern und Mitmachen.

Führung Im Rahmen des „Tag des offenen Denkmals“ am 9. September wird Birgit Kölbl mehrmals durch die Villa Butz führen.

Vortrag Die wechselvolle Geschichte des Hauses wird am 19. Oktober (19 Uhr) in einem Vortrag von Ursula Weingart-Brodbeck lebendig. Eine Anmeldung ist erwünscht unter Tel. (07161) 9605110 oder info@hdf-goeppingen.de. Weitere Informationen gibt es auch auf der Webseite der Einrichtung: www.hdf-gp.de.

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