JOAS NOTIZEN AUS DER PROVINZ: Klimawandel

 
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SWP 01.08.2015

Einmal mehr fühlen wir uns in unserer Vermutung bestätigt, wonach das Leben nur aus Wellen besteht. Ultrakurzwelle, Dauerwelle, Föhnwelle, Neue deutsche Welle, Sexwelle, Fitnesswelle und jetzt bringt das Hoch "Finchen" eben schon wieder die Hitzewelle. Letztere ist nicht ungefährlich, wie die Tatsache beweist, dass unter der Bundeskanzlerin bei den Festspielen in Bayreuth ein Stuhl zusammengebrochen ist. Dahinter könnte ein Klimawandel stecken, wenn auch ein politischer. Es wurde Tristan und Isolde gegeben. Aber Tristan, pardon, trist ist hier schon lange nichts mehr.

Noch vor einigen Wochen waren auch wir der festen Überzeugung, des Schwabens Lebensmotto "I schaff mei Sach und halt mei Gosch" wäre so unumstößlich wie die Tatsache, dass morgens die Sonne aufgeht. Doch weit gefehlt. Mit den Hitzerekorden stellte sich auf Göppingens Straßen ein Lebensgefühl ein, das uns anständigen Schwaben bisher nur aus verlotterten Filmen bekannt war. Da lagen Menschen plötzlich am Stadtstrand vor dem Göppinger Rathaus im Liegestuhl. Das muss man sich mal vorstellen. Am helllichten Tag. Das skandalöse Treiben war unübersehbar: Schwaben saßen in Straßencafés und ließen den lieben Gott einen guten Mann sein. Der Schwabe trat wacker in die Fußstapfen von Leuten, die er gemeinhin gewohnt ist, als Schlamper zu bezeichnen. Unerhört. Ja, die Hitze enthemmte derart, dass gestandene Männer doch tatsächlich ohne buntfarbene Socken in die Sandalen traten - ganz barfußig. Was noch erstaunlicher war, die Schwaben - eiserner Grundsatz bisher: "Nex gschwätzt isch genug gesagt" - begannen, sich allen Ernstes freiwillig zu unterhalten. Über das Wetter, die Hitze, das Klima. Natürlich war da auch viel heiße Luft dabei, so wie die, die jetzt wieder aus der Sahara über Spanien nach Deutschland kommt. Eines war aber herauszuhören: Der Schwabe schwitzt nicht wie andere Menschen, sondern ihm "lauft 's Wasser na".

Mit Ausnahme dieses kleinen anatomischen Unterschieds hätte der unbedarfte Beobachter allen Grund gehabt anzunehmen, er befände sich in Mallorca und nicht in Göppingen. Dazu mag auch beigetragen haben, dass der hitzegeschockte Schwabe angefangen hat, liebe Gewohnheiten abzustreifen wie die langen Hosen. So geht er - Ruhestörungs-Protokolle der Polizei beweisen das einwandfrei - nächtens nicht mehr zum Lachen in den Keller. Auch andere eherne Prinzipien sind in der Sonne verdorrt und bestätigen den Hang zum ausschweifenden Lebensstil. So sind die liebgewonnenen Rasenmäher-Konzerte verschwunden wie die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Und jetzt geht's schon wieder los. Erschreckend!

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