Schwäbisch Gmünd Jesus auf dem Kreuzweg

CORNELIA VILLANI 30.03.2013
Nackt, nur mit einem Tuch um die Hüften wird der Mann am Kreuz festgebunden. Zum elften Mal hat die katholisch-italienische Gemeinde San Giovanni Bosco den Kreuzweg Jesu am Hohenrechberg nachgespielt.

"Kalt war es, wirklich kalt", lächelt Giuseppe Paterna. Gerade hing der Gmünder noch im Lendenschurz am Kreuz. Jetzt trägt er zumindest sein Gewand und eine Jacke darüber. Zum sechsten Mal verkörperte Paterna den Jesus bei der Karfreitag-Prozession. Auch seine Frau Maria hat mitgespielt, sie war Maria Magdalena. Jetzt wollen sie mit Tochter und Neffen zum abschließenden Gottesdienst in die Wallfahrtskirche auf dem Hohenrechberg. Elf Stationen des Kreuzwegs haben Paterna und die anderen Laienschauspieler nachgestellt, von der Ergreifung Jesu bis zur Kreuzigung. Den Judas-Kuss erhielt Jesus am Übergang zur Burgruine Hohenrechberg. Römische Soldaten in Lederrüstung und roten Mänteln ergriffen ihn und führten ihn auf den Weg Richtung Kirche St. Maria. Bunte Bildnisse in steinernen Kreuzen zeigen hier am Wegesrand alle 14 Stationen bis zur Auferstehung. Mit ergebener Miene schleppte sich Jesus die steile Straße empor, flankiert von Soldaten, Jüngern, Priestern und Frauen. Alle trugen historische Gewänder, er selbst lief im schlichten, weißen Kittel, barfuß in offenen Sandalen.

An jedem Steinkreuz hielt der Pulk an. Zuerst auf Deutsch, dann auf Italienisch erklärte eine Sprecherin die Szene. An der dritten Station erhielt Jesus Kreuz und Dornenkrone. Danach musste er sich von seiner Mutter verabschieden. Simon half ihm das Kreuz tragen und Veronika reichte ihm ein Schweißtuch. Nachdem er im zehnten Bild seiner Kleider beraubt wurde, war der Kreuzhügel erreicht.

Vor und hinter den Darstellern drängten sich die Zuschauer auf dem schmalen Weg. Meistens herrschte besonnene Stille, zumindest bis nach jedem Halt auf Italienisch das "Vater Unser" gesungen und "Ave Maria" gebetet wurde. Dann stimmten viele inbrünstig mit ein. Zusammen mit dem ernsthaften Spiel der Darsteller entstand so eine beklemmende, feierliche Stimmung.

Als alles vorbei ist, wirkt Giuseppe Paterna gelöst. Innerlich vorbereitet habe er sich auf seine Rolle, wie jedes Jahr. Lampenfieber hatte der ZF-Mitarbeiter aber nicht. "Dazu spielt er wohl schon zu oft mit", sagt seine Tochter Noemi und lächelt stolz. "Nur um das Wetter habe ich mir Gedanken gemacht", ergänzt ihr Vater. "Aber zum Glück schien die Sonne, sonst wäre es unangenehm gewesen."