Uhingen Jazz vom Feinsten auf Filseck

Feinen, gediegenen Jazz spielte das Mehl Consortium im Innenhof von Schloss Filseck.
Feinen, gediegenen Jazz spielte das Mehl Consortium im Innenhof von Schloss Filseck. © Foto: Giacinto Carlucci
KURT LANG 30.07.2016
Mit den auf Reisen gewonnenen und musikalisch zum Ausdruck gebrachten Eindrücken begeisterte das Mehl Consortium beim Sommerfestival mit Jazz vom Feinsten.

Für seine „verblüffend ausgereifte Spielweise voll sprühendem Ideenreichtum“ wurde Magnus Mehl vergangenes Jahr mit dem Landesjazzpreis Baden-Württemberg geehrt. Doch bereits in den Jahren zuvor schon gewann der gebürtige Rottweiler erste Preise bei internationalen Jazzfestivals und wurde zudem beim legendären Jimmy-Woode-European-Jazz-Award als der beste Saxofonist des Wettbewerbs ausgezeichnet.

Doch der 35-Jährige ist auch ein wahrer Weltenbummler in Sachen Musik: Mit verschiedenen Ensembles gastierte er nicht nur in fast allen europäischen Ländern, seine zum Teil ausgedehnten Konzertreisen führten ihn sogar nach Asien, Mittelamerika und in die USA.

Das Repertoire des Abends vor einem leider nur kleinen, aber höchst fachkundig und begeistert mitgehenden Publikum bestand denn auch vorwiegend aus dem aktuellen Album „City Views“, in dem Magnus Mehl seine auf diesen Reisen gewonnenen Eindrücke und Musikerlebnisse auf wunderbare Art zum Ausdruck zu bringen verstand. Für das Album und den damit verbundenen Gastspielen stellte er ein „Consortium“ von Musikern zusammen, die sich allesamt bereits einen Namen als exzellente Jazz-Solisten gemacht haben: Bruder Ferenc Mehl (Schlagzeug), Magnus Schriefl (Trompete), Frank Eberle (Piano) sowie der nur für diesen Auftritt aus seiner serbischen Heimatstadt Novi Sad angereiste Fedor Ruskuc am Bass.

Es sind oft nur kleine, unbedeutende Erlebnisse, Alltagsbeobachtungen, die Magnus Mehl bewegt, erheitert oder auch schon mal zutiefst betroffen gemacht haben und stimmungsvoll, klangfarblich fein unterlegt in seine Kompositionen eingeflossen sind: Fahrradfahrer etwa, die in Amsterdam Touristen jagen, ein schöner Herbsttag in Novi Sad, ein verregneter Abend in Köln oder das bunte Treiben im ein oder anderen New Yorker Stadtteil. Und immer wieder ist es Mehls einzigartiges Saxofonspiel, das aus dem Erlebten herrliche musikalische Geschichten entstehen lässt, versteht er es doch auf grandiose Art, sein Instrument bis in die tiefsten Ebenen auszuloten.

Das Spiel des Wahl-Stuttgarters wird beflügelt durch das wunderbare Zusammenwirken mit seinen Mitspielern. Die verstehen es auf bestechende Art, so manchem Stück wunderbare Spannungsbögen aufzusetzen - dann etwa, wenn die von Piano und Bass gespielten, federleicht und swingend daherkommenden Linien vom plötzlich voluminös einsetzenden Trompetensolo durchbrochen werden.

Es war ein wunderbarer, gediegener Jazz, den das Mehl Consortium im Schlosshof zu spielen verstand, begeisterten doch alle Stücke durch ihre klar strukturierte Klangfülle, die auf effektvolle und geradezu impulsiv-vitale Art zum Ausdruck gebracht wurde.