Einer Altenpflegerin der Göppinger Wilhelmshilfe in Bartenbach wird vorgeworfen, mehrere demenzkranke Bewohner sexuell misshandelt und die Taten auf Video aufgezeichnet zu haben. Wie die Wilhelmshilfe bei einer Pressekonferenz am Mittwoch bekannt gegeben hatte, wurden die Taten alle bei der Körperpflege der Senioren begangen. Und die Missbrauchsvorwürfe gegen die 47-jährige Frau weiteten sich aus: Statt von drei Opfern der Pflegerin ist seit Mittwoch die Rede von sechs Opfern. Die Staatsanwaltschaft Ulm ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Vergewaltigung. Doch die Frau agierte nicht allein: Sie habe die Videos für einen Bekannten angefertigt und diesem die Aufnahmen zukommen lassen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Mann stiftete weitere Frauen an

Wie sich nun zeigt, ist die Tat kein Einzelfall. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft Tübingen auf Anfrage. Gegen den 36-jährigen Bekannten der Altenpflegerin laufen mindestens zwei Verfahren – so soll der Mann bereits mehrere Frauen zu ähnlichen Taten bewegt haben. Ihm wird außer der Anstiftung zu sexuellen Handlungen wie im Fall der Göppinger Altenpflegerin auch die Anstiftung zu schweren sexuellen Misshandlungen von Kindern vorgeworfen. Auch was diesen Sachverhalt betrifft, wurde gegen eine 35-jährige Frau, die von dem Mann zu den Taten animiert worden sein soll, ein Verfahren eingeleitet.

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Wie Tatjana Grgic, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Tübingen, mitteilt, habe der Mann die 35-Jährige dazu veranlasst, ihr eigenes Kind sexuell zu misshandeln. Zu den Details der Taten machte die Sprecherin keine Angaben. Auch diese Taten seien gefilmt und dem Anstifter zur Verfügung gestellt worden. Es sei davon auszugehen, dass der Mann die Videos weitergegeben hat. Ob er sie auch verkauft hat, ist Gegenstand der andauernden Ermittlungen.

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Die Ermittlungsbehörde weiß von einem dritten Fall. Hier sei der Vorwurf ebenfalls, dass der Mann eine Frau angestiftet haben soll, Bilder des Intimbereichs ihrer vierjährigen Tochter zu machen und an ihn zu schicken. „Diese Tat ist Gegenstand der bereits erhobenen Anklage gegen den 36-Jährigen beim Landgericht Tübingen. Das Verfahren gegen die Mutter wurde nach Ulm abgegeben, da die Fotos im dortigen Bezirk gefertigt worden sein sollen“, erklärt die Staatsanwältin. Im November 2018 wurde in diesem Fall Anklage gegen den Mann erhoben. Das Hauptverfahren am Tübinger Landgericht wird derzeit vorbereitet.

Wegen eines weiteren Delikts sitzt der 36-Jährige aus dem Raum Schwäbisch Gmünd derzeit in Ellwangen in Haft. Dort verbüßt er eine Strafe von knapp drei Jahren, weil er Frauen, die er über das Internet kennengelernt hatte, um Geld im vierstelligen Bereich betrogen hat.

Im Internet kennengelernt

Auch alle anderen Frauen lernte der Mann über Internetportale kennen. Im Fall der Vorwürfe gegen die Göppinger Altenpflegerin wertet die Ermittlungsbehörde in Ulm derzeit rund 1000 Seiten Chats zwischen der 47-Jährigen und dem Bekannten aus. „Die Beziehungen sind wohl sexueller Natur gewesen“, sagt Tatjana Grgic zum derzeitigen Stand der Ermittlungen. Sowohl das Verfahren gegen die 47-jährige Altenpflegerin, wie auch das gegen die 35-jährige Mutter, die der Mann zum Missbrauch ihrer Tochter angestiftet haben soll, liegen bei der Staatsanwaltschaft Ulm.

Sechs Bewohner sexuell missbraucht

Die Staatsanwaltschaft Ulm ermittelt gegen die Altenpflegerin weiterhin in drei Fällen. Die Wilhelmshilfe spricht allerdings von sechs Opfern. Bei der Einrichtung war bislang nicht bekannt, dass der Bekannte der Pflegerin auch in weiteren Fällen Frauen zu Missbrauchstaten angestiftet hat.

Wie Matthias Bär, Vorsitzender des Vorstands der Wilhelmshilfe, berichtet, werden derzeit noch immer Mitarbeiter der Einrichtung befragt. Obwohl die Situation die Kollegen belaste, seien derzeit alle im Dienst. Am Donnerstag habe es einen großen Termin mit dem Notfallseelsorger-Team gegeben. „Das Ganze nimmt jeden von uns ganz schrecklich mit.“

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