Krematorium Investor zeigt Interesse an Krematorium

Viele Stadträte hätten aber gerne das alte Krematorium wieder in Betrieb genommen.
Viele Stadträte hätten aber gerne das alte Krematorium wieder in Betrieb genommen. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Dirk Hülser 26.01.2017

In der vergangenen Woche schlugen die Wogen im Göppinger Gemeinderat hoch, zweieinhalb Stunden wurde leidenschaftlich über das Krematorium auf dem Hauptfriedhof gestritten und diskutiert. Morgen steht das Thema wieder auf der Tagesordnung – und kocht jetzt noch weiter hoch: Die Firma Cremtec aus Stade, die Krematorien baut und betreibt, hat sich an die Fraktionen gewandt und beklagt, dass die Stadt auf ihr Angebot, das Krematorium zu sanieren, nicht eingegangen ist. Viele Räte sind empört – die Verwaltung hatte sie über das Cremtec-Angebot nicht informiert.

Kern der Debatte ist die Tatsache, dass die Stadt eigentlich das Krematorium nicht mehr selbst betreiben darf, auch nicht, wenn sie neu baut. Weil vor vier Jahren beschlossen wurde, die Anlage nicht weiter zu betreiben, gilt kein Bestandschutz mehr. Viele Stadträte hätten aber gerne das alte Krematorium wieder in Betrieb genommen. Und sie sehen nun durch die neue Situation auch wieder eine Chance dafür: Christoph Weber (Grüne) glaubt, wenn Cremtec die Anlage saniert, wäre das eine veränderte Rechtslage. „Das wäre dann nur eine Sanierung ohne wesentliche Änderung, die einen kommunalen Betrieb möglich machen würde.“

Weber ärgert sich, dass der Gemeinderat weder von OB Guido Till noch von Baubürgermeister Helmut Renftle über das Angebot informiert wurde, Cremtec veranschlagt rund zwei Millionen Euro für die Sanierung inklusive neuer Einäscherungsanlage. „Wir im Gemeinderat überlegen uns und diskutieren, ob sich überhaupt jemand finden würde, der in Göppingen ein Krematorium betreibt“, wundert sich Weber.

Nach dem Vorpreschen der Firma hat nun auch Renftle reagiert. Dabei stellte sich heraus, dass es sogar schon fünf Firmen sind, die bislang wegen des Krematoriums bei der Stadt vorstellig geworden sind. „Leider geht die dargestellte Konzeption in keiner Weise auf die vorgefundenen Defizite ein“, schreibt er in einer Stellungnahme zum Cremtec-Angebot. Zudem habe man Cremtec zu verstehen gegeben, „dass der Neubauvariante der Vorzug gegeben wird“. Das bringt den Lipi-Stadtrat Christian Stähle auf die Palme: „Wer hat denn entschieden, dass es einen Neubau gibt, das hat niemand entschieden!“ Die heutige Gemeinderatssitzung wird spannend, FWG-Fraktionsvorsitzender Emil Frick verspricht: „Wir werden gewisse Änderungen einfordern und etwas Druck machen.“ dh

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