Göppingen Innenstadtforum diskutiert Immobilienmarkt

Göppingen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER 09.10.2014
Um den Immobilienmarkt ging es beim Göppinger Innenstadtforum. In Vorträgen und Diskussionen sprachen die Teilnehmer auch über bezahlbare Wohnungen, Leerstände und die Situation für Familien.

Man sagt heute offenbar nicht mehr "Überalterung", sondern "Unterjüngung". Mit diesem Euphemismus beschrieb beim Innenstadtforum im Göppinger Rathaus Stefan Flaig von der Stuttgarter Ökonsult die Situation des demographischen Wandels. Mit neuesten Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigte er die Problematik, die sich in Zukunft für Kommunen auftue. Sie stünden aufgrund der Diskrepanz von Geburtenraten (1,4 Kinder pro Frau in Baden-Württemberg) und Sterberaten vor der Aufgabe, wie sie ihre Einwohnerzahlen stabil halten könnten. Die Zahl der Bauwilligen nehme ab und es drohten Leerstände.

Von 2002 bis 2012 sei die Bevölkerung um vier Prozent zurückgegangen, die Zunahme des Wohnraums habe sich aber um zwei Prozent gesteigert. 24 Prozent der Singles seien über 65 Jahre alt und das bedeute, dass diese Wohnungen irgendwann frei würden. Eine neue Studie in Baden-Württemberg habe gezeigt, dass im Durchschnitt jetzt schon fast überall etwa fünf Prozent der Wohnungen leerstünden. Er brach die Zahlen auch für Göppingen herunter. Fazit: 4,9 Prozent aller Wohnungen stünden leer und tendenziell übersteige das Angebot immer mehr die Nachfrage. "Gebt doch die Leerstandswohnungen für junge Familien frei", appellierte Flaig an die Wohnungsbesitzer.

Michael Weber vom Institut für Stadt und Immobilie der Hochschule Nürtingen-Geislingen beleuchtete in seinem Referat "Was sind Haus und Hof wert?" die Gründe für Leerstände anhand einer Untersuchung. Für die gleichen Infrastrukturkosten müssten in Zukunft weniger Menschen zahlen und es sei für die Städte und Gemeinden wichtig, die Innenentwicklung vor der Außenentwicklung voranzutreiben. Am Beispiel des Karlsstraßen-Quartiers gehe die Stadt bei der Aufwertung von Gebäuden mit und habe schon ein Bündel an Maßnahmen ergriffen. "Der Wettbewerb zwischen Orten und Quartieren wird zunehmen", sagte Weber.

In einer Podiumsdiskussion, bei der Vertreter der Stadt, der freien Immobilienwirtschaft und der Kreissparkasse mit den etwa 60 Teilnehmern des Forums diskutierten, ging es auch um die Frage, wie man bezahlbare Mietwohnungen in Göppingen schaffen könne. Baubürgermeister Helmut Renftle wies auf die städtische Wohnbau hin, die etwa 1300 Wohnungen betreue. Sie versuche, Wohnungen moderat zu sanieren, ohne dass Mieten ins Unermessliche steigen würden, denn die Stadt fühle sich auch in einer sozialen Verantwortung. Für Neubauten gelte das allerdings nicht.

Ralf Bressmer, Direktor der KSK und für Immobilien zuständig, wies darauf hin, dass bei Wohnungen die Lage und eine hohe Wohnungsqualität wichtig seien. In Göppingen sei die Nachfrage höher als das Angebot. Allerdings gebe es ganz verschiedene Zielgruppen mit ganz unterschiedlichen Interessen. Der Vorwurf von Flaig, die Kommunen schauten zu wenig nach Familien, wurde kontrovers diskutiert. Die Beantwortung der Frage, ob in Göppingen im Immobilienmarkt tatsächlich alles anders sei als im Land, blieb auch nach dem Abend offen.

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