Inklusion Inklusion: Lebenshilfe zieht Bilanz

Zum Abschluss des Inklusionsprojekts „Uns behindert nichts“ kamen die Partner zusammen und die unterzeichneten die Kooperationsvereinbarungen.
Zum Abschluss des Inklusionsprojekts „Uns behindert nichts“ kamen die Partner zusammen und die unterzeichneten die Kooperationsvereinbarungen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Von Max Schniepp 26.06.2018

Uns behindert nichts – gelebte Inklusion vernetzen“, seit 2015 arbeitet die Lebenshilfe Göppingen mit ihren Kooperationspartnern Kreisjugendring, Kreisseniorenrat und Volkshochschule für mehr Einbezug von Menschen mit Behinderung. Eingeladen zum Dialog über das nun schon drei Jahre laufende Strukturprojekt, zog die Lebenshilfe jetzt Bilanz.

Bezogen sind die Ideen zur Umsetzung einer besseren Inklusion konkret auf die vier Lebensbereiche Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Bildung. In jedem dieser vier Felder gab es in den vergangenen drei Jahren Versuche und Erfolge, behinderte Menschen nahtloser in die Gesellschaft zu integrieren.

Teilhabe an alltäglichen Freuden und sozialen Events sei für Menschen mit einer Behinderung von großer Bedeutung, hier passiere aber bedingt durch beidseitige Hemmnisse und Ängste oft zu wenig, meinte dazu der pädagogische Mitarbeiter und Koordinator mit dem Schwerpunkt Inklusion der Lebenshilfe, Michael Tränkle, von der Göppinger Lebenshilfe. Mit der Initiative „Uns behindert nichts!“ begann deshalb die Zusammenarbeit mit dem Kreisseniorenrat Göppingen. Die Idee dahinter: Alle vom Kreisseniorenrat geeigneten Freizeitprogramme, zum Beispiel Wanderungen oder Exkursionen, werden auch in den Wohnheimen für Senioren mit Behinderungen angeboten. „Unser Ziel ist, dass ältere Behinderte nicht abgeschirmt betreut werden“, beteuerte die Bereichsleiterin im Bildungszentrum der Lebenshilfe Ruth Weber.

Durchweg sei dabei die Resonanz unter den Senioren und Senioren mit Behinderung positiv, sagte Tränkle. „Ich glaube, da gibt es ein großes Willkommen und eine hohe Bereitschaft, inklusiv zu leben“, fügte er hinzu.

Vorstellbar kompliziert muss es für Behinderte sein, einen festen Arbeitsplatz zu finden, um auf eigenen Beinen zu stehen und unabhängig leben zu können. Damit der sozialen Isolation aber erst gar keine Chance gegeben wird, kooperierte die Lebenshilfe mit dem Kreisjugendring und gestaltete eine Freizeit für behinderte Jugendliche. Ein Beispiel sei das vom Katholischen Jugendreferat Göppingen veranstaltete  Kornbergzeltlager. „Jetzt ist es schon ganz normal, dass die Jugendlichen auch mit Kindern im Rollstuhl und anderen körperlichen- oder psychischen Behinderungen auskommen“, erzählt dazu der erste Vorstand des Kreisjugendrates, Achim Kuhn.

Die Arbeit als wichtiger Lebensbereich habe im Inklusionsprojekt einen hohen Stellenwert, immerhin sind knapp 100 Betriebe im Landkreis vernetzt mit dem Ziel, Behinderte in festen und damit sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen unterzubringen. Dass Arbeit für Behinderte nicht nur Beschäftigung ist, sondern eine riesige Chance auf neue Möglichkeiten, dürfe nicht vergessen werden: „Behinderung ist oft mit Armut verbunden, das muss man sagen“, kritisierter Tränkle als Bereichsleiter im Feld Kinder, Familie und offene Angebote. Jedem Menschen müsse aber ein Recht auf Beteiligung in der Arbeitswelt eingeräumt werden, weshalb Inklusion am Arbeitsplatz weiter vorangetrieben werden müsse.

Was in den Wohnheimen der Lebenshilfe den Heimbewohnern wöchentlich Abwechslung bringt, ist in ähnlichen Zügen auch in den Lebensbereichen Freizeit und Bildung von den Projektpartnern umgesetzt worden. Neben den Freizeitangeboten des Kreisseniorenrates erarbeitete die Volkshochschule Göppingen viele exklusiv für die Inklusion geeignete Veranstaltungen. Das mit großen Symbolen versehene und in der Sprache einfach gehaltene Programmheft deckt die re­gulären Bildungsangebote wie Sprachkurse oder Angebote für Kunst, Kultur und politische Bildung der VHS ab. „Die Frage ist, traue ich mich als Behinderter in so eine Volkshochschule?“, stellte Wolfgang Schultes als Dozent an der VHS fest. Überzeugt von der Idee,  auch Menschen mit Behinderung in die VHS zu integrieren, habe man für dieses Jahr weitere Verbesserungen geplant: ein neues, überarbeitetes Programmheft.

Was braucht man also, damit Inklusion funktioniert? Für das Einbeziehen behinderter Menschen in den Alltag sei es wichtig, wie das Göppinger Beispielprojekt zeigt, erst einmal die Chancen und Möglichkeiten zu sehen, wo etwas getan werden kann: „Man muss gucken: Wo wohnt man und was gibt es da?“, darin sind sich die Projektträger von „Uns behindert Nichts!“ in der Lebenshilfe einig.

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