Die Bürgerinitiative (BI) „Müllkonzept Göppingen“ ist durch einen Vorgang in Weißenhorn (Landkreis Neu-Ulm) alarmiert: Dort wurde rund zwei Jahre lang schwach radioaktiver Abfall aus dem Atomkraftwerk Gundremmingen (Landkreis Günzburg) im örtlichen Müllofen verbrannt, ohne dass dies in der Öffentlichkeit bekannt war. Der Müll stammt von Rückbau eines abgeschalteten Reaktorblocks.

Die öffentliche Aufregung zu Jahresbeginn nützte letztlich nichts, Weißenhorn hat einen gültigen Vertrag mit dem Kreis Günzburg und muss den Müll annehmen. Denn: Die Abfälle wurden „freigemessen“. Das bedeutet, wenn die gewichtete Strahlendosis unter zehn Mikro-Sievert liegt, darf der Müll als regulärer Hausmüll entsorgt werden, er gilt atomrechtlich als nicht mehr radioaktiv.

Radioaktiver Müll auch in Göppingen?

Eine ähnliche Situation sehen die Sprecher der BI, Michael Jaumann und Jörn Rasch, am Horizont heraufziehen. „Im für uns Göppinger nahegelegenen AKW Neckarwestheim wurde mit dem Abbruch der 331 000 Tonnen radioaktiven Materials vom Block 1 des AKW im  Jahr 2017 begonnen“, schreiben sie in einer Pressemitteilung. Der Vergleich mit Gundremmingen ist nicht abwegig: Das Atomkraftwerk Neckarwestheim liegt zum allergrößten Teil auf Gemarkung des Landkreises Heilbronn – und der ist der größte auswärtige Lieferant für das Göppinger Müllheizkraftwerk: 2016 zum Beispiel kamen von dort 30 000 Tonnen Müll.

„Die Verbrennung und damit Freisetzung auch von geringen Mengen radioaktiven Materials ist nicht akzeptabel.       Es gibt keine unwirksame Strahlung (Radioaktivität)“, sagen Jaumann und Rasch nun und fordern Landrat Edgar Wolff und den Kreistag auf, auf die Verbrennung solcher Abfälle im Göppinger MHKW zu verzichten. „Dies soll vom Landrat und Kreistag öffentlich und verbindlich erklärt werden.“ Des weiteren fordern sie: „Wir erwarten Offenheit und Transparenz vom Abfallwirtschaftsbetrieb Göppingen bezüglich eventueller vertraglicher Regelungen.  Es darf nicht wie in Neu-Ulm Jahre dauern, bis der AWB seine Informationen weitergibt.“

Mittlerweile hat die Göppinger Gemeinderatsfraktion der Grünen auf den Vorstoß der BI reagiert. Vorsitzender Christoph Weber hat Fragen an OB Guido Till geschickt und bittet, diese auch ans Landratsamt weiterzuleiten. So wollen die Grünen wissen, „ob atomrechtlich freigegebener Müll demnach als nicht gefährlich gilt“. Denn der Betreiber des Müllofens, die EEW, hat sich vertraglich verpflichtet, keine gefährlichen Abfälle anzunehmen.

Weber will deshalb „wissen, ob es nun Mülltransporte vom Kreis Heilbronn in den Kreis Göppingen gibt und ob zu 100 Prozent ausgeschlossen werden kann, dass diese Abfälle atomrechtlich freigegebenen Müll enthalten können und ob zur Sicherheit die ankommenden Mülltransporte auch auf Radioaktivität hin überprüft werden“.

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