Ulm In Licht und Schatten gekleidet

Ulm / LENA GRUNDHUBER 05.04.2012
Traumhafte Akte, Künstlerporträts, Stillleben von Karin Székessy sind jetzt in einer unbedingt sehenswerten Schau im Stadthaus zu sehen.

Warten. Zum Fotografieren müsse man warten, sagt Karin Székessy. Solange, bis das Bild im rechten Licht ist, bis der Schatten einer Hand so langfingrig auf die Brust einer Frau fällt, dass es aussieht, als lege sich eine zarte Pflanze über den schönen Körper.

Warten. In Venedig an der Giudecca, bis ein Mann kommt, um ein Geflecht von Stühlen aufzulösen, die rote Punkte in den Dunst setzen. Auch auf die Farbe hat Karin Székessy gewartet, Schwarz-Weiß-Fotografien dominieren ihre aktuelle Ausstellung im Ulmer Stadthaus.

Eine Frau, die bald 74 Jahre alt wird und sich als Künstlerin etabliert hat, weiß wohl, was es heißt zu warten - vor allem auf Anerkennung. Karin Székessy hat in den 50er-Jahren Fotografie studiert, war Reportagefotografin, fotografierte Bildstrecken, machte Buchcover, war Dozentin für Modefotografie. Eine Zeitschrift, erinnert sie sich, schickte ihr noch Mitte der 60er-Jahre eine Absage: Eine Frau könne man nicht als Fotografin in die Slums schicken. Bekannt wurde sie dennoch, vor allem für Bilder weiblicher Akte und Künstlerporträts. Ihre Bilder zeigten "nicht Gesicht, sondern Antlitz" hat Fritz J. Raddatz in einem Text über sie geschrieben:

Hinter dem Sichtbaren deuteten sich Vergangenheit, Verwerfungen, das Unsichtbare an. Ein Bild von Meret Oppenheim hängt hier, Horst Antes, der auf einen seiner Köpfe guckt. Und einmal sitzt da einer im Bildrand: Es ist der Maler Paul Wunderlich, mit dem Székessy bis zu seinem Tod verheiratet war; das Buch über die künstlerischen "Correspondenzen" des Paares liegt aus, der Rest ist allein ihrem Werk gewidmet. Wenn es um Menschen geht, dann treten sie hier als Frauen auf, doch nur "aus ästhetischen Gründen". Weil sie schön sind, weil ihre Körper Rundungen haben, die zum Schwung von Pflanzenblättern passen. Székessy zeigt ihre Frauen erotisch, oft nur von Licht und Schatten bekleidet. Sie arbeite jahrelang mit ihren Modellen, erzählt sie. Hundebilder gibt es, auch Landschaftsbilder, denn die Künstlerin lebt in Hamburg und Südfrankreich. Das Licht dort sei wunderbar, nicht für Menschen, für Stillleben.

Info Bis 24. Juni im Stadthaus Ulm, Mo-Sa 10-18 Uhr, Fr, So 11-18 Uhr, Do bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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