Inge Czemmel  Uhr

Wer beim „Vogelhändler“ bei den Stauferfestspielen einen Blick ins Orchester warf, konnte dort Martin Neumann entdecken. Der 56-Jährige aus Kirchheim spielte dort die erste Violine. Am Sonntag wird er dies beim Eröffnungskonzert für die NWZ-Aktion „Gute Taten“ wieder tun. Neumann fungiert als Konzertmeister des Liederkranz-Orchesters, das an diesem Abend die Chöre begleiten wird.

Martin Neumann hatte als Kind zunächst ein ganz anderes Instrument als die Geige im Sinn. „Als ich fünf war, wollte ich Klavierspielen lernen wie mein älterer Bruder“, erzählt der Musiker. „Die Klavierlehrerin meinte aber, das sei noch zu früh. Irgendwann erledigte sich mein Wunsch.“ Ein Freund spielte Geige, und als Neumann im Radio das Beethoven-Violinkonzert  hörte, wollte er unbedingt dieses Instrument erlernen.

Nach dem Abi studierte Martin Neumann an der Musikhochschule in Stuttgart bei Professor Müller-Nishio und schloss als Diplommusiklehrer ab. Im Anschluss absolvierte er am Mozarteum in Salzburg bei Professor Gahl ein Aufbaustudium. Neumann, der viele Jahre im Salzburger Konzertensemble und bei den Stuttgarter Salonikern spielte, hat vielerlei Beziehungen in den Kreis. „In der Musikschule Ebersbach-Schlierbach, wo ich seit fast 40 Jahren unterrichte, lernte ich einst die Querflötistin Susanne Welz kennen und über sie den Heininger Musiker Jürgen Rothfuß“, verrät Neumann, wie es zur „fruchtbaren musikalischen Vernetzung“ kam, aus der  immer wieder kreative Ideen resultieren. 1991 beschloss das Dreigespann Neumann-Welz-Rothfuß, zu Mozarts 200. Todestag im Bistro Amadeus in Heiningen einen „Klassikabend“ zu veranstalten. Eine Veranstaltung, die es auch in den Folgejahren gab. Die nächste „Night of Classics“, bei der den Musikern hautnah auf die Finger gesehen werden kann, findet am 8. November im Amadeus statt.

Als sich der Heininger Liederkranz entschloss, sich beim Jubiläumskonzert 2011 von einem Orchester begleiten zu lassen, fungierte Neumann als Geburtshelfer des Liederkranz-Orchesters, indem er die acht Streicher organisierte und koordinierte. Zwei Jahre später war Martin Neumann, in Heiningen mittlerweile als „der Geiger“ bekannt, wieder im Live-Orchester mit von der Partie. „Der Geiger“ zeichnet auch mitverantwortlich dafür, dass es in Heiningen 2014 erstmals ein „Neujahrskonzert“ gab. Er organisierte auch die Profi-Musiker für das zehnköpfige Orchester, das unter dem Namen „Stuttgarter Salon-Tiger“, das Publikum in der vollbesetzten TSV-Halle so begeisterte, dass es 2015 eine Wiederholung gab.

Als im vergangenen Herbst die Idee „Total lokal“ im Raum stand, brauchte Neumann seine Musikerkollegen nicht zu überreden mitzumachen. „Die Kombo war schon voller Erwartung auf das nächste gemeinsame Projekt mit dem Heininger Liederkranz“, erzählt Neumann. „Die Zusammenarbeit mit Jürgen Rothfuß und seinen Chören funktioniert immer hervorragend und macht Riesenspaß. Gute Stimmung, tolle Arrangements und nur eine gemeinsame Probe – das ist für uns Musiker der pure Luxus.“

Mit Gerhard Buß, dem Chorleiter von Joyful Voices und dem Kinderchor der Reuschgemeinde, hat Neumann bei Konzerten auf Schloss Filseck auch schon problemlos zusammen gearbeitet.

Zur Person

Martin Neumann (56) wohnt in Kirchheim und unterrichtet seit 1977 an der Musikschule Ebersbach-Schlierbach. Er war von 1985 bis 1993 Mitglied des Konzertensembles Salzburg und von 1993 bis 2012 Ensemblemitglied der Stuttgarter Saloniker. Derzeit tourt er mit verschiedenen Orchestern und Ensembles durch Deutschland und Europa. Unter anderem spielt er beim Paul-Gerhard-Kammerorchester, dem Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele und bei Sinfonia 02, einem Orchester mit ausgewählten Instrumentalsolisten. Sinfonia 02 arbeitet mit zahlreichen Chören und Dirigenten zusammen und hat ein breit gefächertes Repertoire bei flexibler Besetzungsgröße.