Göppingen In der Kunst sind alle gleich

Viel Spaß hatten die Teilnehmer am inklusiven Workshop in der Kunsthalle. Das Projekt mit dem Namen "Gemeinsam eins" wurde in Kooperation mit der Stiftung Haus Lindenhof gestartet. Fotos: Maren Bertits
Viel Spaß hatten die Teilnehmer am inklusiven Workshop in der Kunsthalle. Das Projekt mit dem Namen "Gemeinsam eins" wurde in Kooperation mit der Stiftung Haus Lindenhof gestartet. Fotos: Maren Bertits © Foto:  
Göppingen / MAREN BERTITS 07.06.2016
Zehn Kunst-Interessierte haben an einem Workshop unter dem Titel: "Du - Ich - Wir - Alle - Schräge - Vögel" teilgenommen. Die Resonanz überraschte.

An der Wand hängen mehrere Spiegelportraits. Sie zeigen Gesichter zweier unterschiedlicher Menschen, die doch ein gemeinsames Ergebnis darstellen.

Die Kunsthalle Göppingen hat in Kooperation mit der Stiftung Haus Lindenhof ein Projekt mit dem Namen "Gemeinsam eins" gestartet. Zum Thema Inklusion haben sich fünf Menschen mit und fünf ohne Behinderung getroffen. Zusammen haben sie an einem dreitägigen Kunstworkshop teilgenommen und konnten ihre vielfältigen Ideen einbringen. Unter dem Arbeitstitel "Porträts" zeichneten sie beispielsweise ihre Gesichter auf Spiegelfolie und verewigten sich in verschiedenen Farben und Positionen auf einer Leinwand. Auf dem sogenannten "Wir-Porträt" sind die Künstler farbig als Skulptur zu erkennen - springend, stehend oder sogar fliegend.

Die Künstlerin Rita Schaible-Saurer hat die Gruppe angeleitet. "Die Resonanz war sehr zufriedenstellend, es gab mehr Voranmeldungen als ursprünglich geplant", sagt Saurer. Für die Künstlerin war es ebenso wichtig, dass die Gruppe spürt und erfährt, auch dass die Ich-Wahrnehmung gestärkt wird. Wie positioniere ich mich innerhalb der Gruppe? Was sind meine Aufgaben? In der Kunsthalle Göppingen hat der Workshop zum ersten Mal stattgefunden und war sogleich ein großer Erfolg für alle Beteiligten. Landesweit werden drei bis vier dieser Veranstaltungen unterstützt. Das Projekt ging ursprünglich von der Aktion Mensch aus. Die eigentliche Idee der Porträts und deren Umsetzung kam von der Künstlerin Schaible-Saurer.

Menschen mit und ohne Behinderung sollen im künstlerischen Bereich gemeinsam an einem Projekt arbeiten und sich gegenseitig unterstützen. Auch mitgearbeitet haben Laura und Jessica, Schülerinnen am Werner-Heisenberg-Gymnasium. Sie sind durch ihren Klassenlehrer auf die Idee gekommen, haben davor bereits mit behinderten Menschen zusammengearbeitet.

"Die Spiegelporträts zu erstellen war richtig anstrengend, hat aber auch viel Spaß gemacht", berichtet Jessica. Man hat sich gegenseitig die durchsichtige Folie vor das Gesicht gehalten und abgezeichnet. Darüber hinaus durften alle selbst probieren, wie das mit der Fotografie funktioniert und wie Videos gedreht werden.

Ebenso anwesend war Yoojin An, eine koreanische Künstlerin. Interessant war zu sehen, wie unterschiedliche Menschen, auch mit verschiedener Herkunft, zusammenkommen, um gemeinsam Kunst zu erleben und zu entdecken. "Bei der Kunst kommen doch irgendwie alle zusammen", betonte Vera Wolfframm, Sozialpädagogin der Stiftung Haus Lindenhof. Sie hat die Teilnehmer an diesem Wochenende auch begleitet. Die Ergebnisse der Hobby-Künstler werden später im Büro des Hauses Lindenhof ausgestellt.

Dominic, auch Teilnehmer am Workshop, war begeistert vom Kunst-Kurs. Er zeigt einen Zettel, auf dem steht: Inklusion für alle. "Jede Kultur unterstützt Kunst, da ist es egal, wo man herkommt." Ende dieses Jahres oder Anfang des kommenden soll wieder eine Veranstaltung dieser Art stattfinden.

Info Das Projekt "Gemeinsam eins" ist seit ein paar Tagen auch online unter www.gemeinsam-eins.info zu finden; es besteht seit vergangenem September.