Geislingen an der Steige Immer wieder über Leichen gestolpert

Die gewiefte Hobby-Detektivin Fanni Rot hat auch in Geislingen ihre Fans: Jutta Mehler (rechts) signierte in der Stadtbücherei gerne ihre Krimis. Foto: sts
Die gewiefte Hobby-Detektivin Fanni Rot hat auch in Geislingen ihre Fans: Jutta Mehler (rechts) signierte in der Stadtbücherei gerne ihre Krimis. Foto: sts
Geislingen an der Steige / STEFANIE SCHMIDT 25.03.2013
Erst spät - "als die Kinder aus dem Haus waren" - ist die Autorin Jutta Mehler zum Schreiben gekommen. Jetzt ist sie bekannt für ihre Krimis. Bei einer Lesung in der Stadtbücherei gab es literarische Kostproben.

Die niederbayerische Hausfrau Fanni Rot, die Hauptfigur in den Kriminalromanen der Autorin Jutta Mehler, hat ein außergewöhnliches Talent - vielleicht könnte man es auch einen Fluch nennen: Immer wieder stolpert sie in ihrem beschaulichen Heimatort über Leichen. Im eigenen Garten liegt eine Tote zwischen den Johannisbeerbüschen, auf der Hintertreppe der örtlichen Seniorenresidenz hat ein mysteriöser Mörder die Leiche eines Pflegers deponiert und sogar beim Bergwandern hat sie keine Ruhe vor den gewaltsam aus dem Leben Verschiedenen. So bleibt Fanni Rot eigentlich gar keine andere Wahl: Sie begibt sich als "niederbayerische Miss Marpel" selbst auf Mörderjagd und hilft der Polizei auf die Sprünge.

Sechs Romane mit der gewieften Heldin Fanni Rot hat Jutta Mehler inzwischen veröffentlicht. Bei ihrer Lesung in der Geislinger Stadtbücherei gab es für die gut 30 Zuhörer einige Kostproben aus der Krimireihe. Gerne erzählte die Autorin, deren erstes Buch der Gesellschaftsroman "Moldaukind" war, wie sie zum Krimischreiben verleitet wurde. Der entscheidende Impuls war eine Facharbeit ihrer Tochter über DNA-Analysen und Verbrechensbekämpfung. Das Thema zog Jutta Mehler sofort in den Bann: "Das musste ich einfach irgendwo einbauen." Da sie aber keine Ahnung von Polizeiarbeit gehabt habe, schickte sie kurzerhand die Amateurin Fanni Rot auf Verbrecherjagd. Dem Genre des historischen Gesellschaftsromans, das erfahrungsgemäß eher "Liebhaber" als die breite Masse anspreche, ist Jutta Mehler trotz ihrer Krimierfolge auch weiterhin treu geblieben. So liest sie Auszüge aus ihrem neuesten Roman "Der kleine Flüchtling" vor. Das Buch erzählt die Geschichte von Ulrich Scheller, der mit seiner Familie 1944 aus dem schlesischen Nest Habendorf flieht. Doch auch in der neuen Heimat Deggendorf in Niederbayern sind die "Böhmacker" nicht wirklich willkommen.

Mit Hartnäckigkeit und Einfallsreichtum feiern Uli und sein Bruder Anton kleine Erfolge im Kampf gegen Hunger, Winterkälte und Ausgrenzung. Unermüdlich suchen sie in der Stadt nach Kohlenstücken und auf den Feldern nach stehengebliebenen Weizenhalmen, der zerstörte Deggendorfer Donauhafen ist Abenteuerspielplatz und Ersatzteillager zugleich. Und schließlich gewinnen die "Böhmacker Hosenkacker" auch die Achtung und Freundschaft der Deggendörfer Kinder "Gassenjungen", die bis ins Erwachsenenalter überdauert.

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