Geislingen an der Steige Im Wunderland der Fantasie

Geislingen an der Steige / ULRICH SCHLECHT 30.03.2013
"Wiewunderland" betitelt der Maler Roland Doil seine Ausstellung, die am Mittwochabend im WMF-Kunstkabinett eröffnet wurde. Die bis 8. Juni dauernde Schau zeigt ungewöhnliche, fantasiereiche Arbeiten.

Die 26. Ausstellung im WMF-Kunstkabinett mit dem Titel "Wiewunderland" wurde am Mittwochabend eröffnet. Namens des Veranstalters, des wmf junior office, hießen Larissa Simon und Christian Brandt eine ansehnliche Zahl von Besuchern willkommen. Der Hauptverantwortliche, Ausbildungsleiter Karl Grözinger, und die Hauptperson, der Maler und Grafiker Roland Doil, begnügten sich mit wohltuend knappen Begrüßungsworten. Und für den "guten Ton" sorgten Jule Malischke (Gitarre) und Tom Beisenwenger (Saxofon).

Roland Doil, der nach eigenem Bekunden schon oft, aber noch nie in solchem Rahmen ausgestellt hat, weist mit dem Kompositum "Wiewunderland" auf das Besondere seiner Sujets hin. Manche scheinen in der Tat wie aus einem Land der Wunder zu stammen, bei andern mag sich der Betrachter wundern, ob es so etwas überhaupt geben mag, oder er fragt sich verwundert nach der Bedeutung des Dargestellten. Eine breite Palette also, die mit den zumeist in kräftigen Farben ausgeführten etwa 25 Exponaten vorgestellt wird.

Doil erweist sich dazuhin als jemand, der fantasiereich, aber auch doppelbödig mit Themen und Materialien spielt. Ein markantes Beispiel ist das Bild "Sushi". Da scheinen zwei Essstäbchen einladend weit in den Raum hineinzuragen und ein lianenartiges Geflecht aus bunten Nudeln ohne Behältnis in der Luft zu schweben. Andererseits kann, da Nudeln eigentlich nicht zum japanischen Sushi-Gericht gehören, sich durchaus der Eindruck eines Kabelnetzwerks einstellen.

Durch einen geringen Abstand zur Wand erzielt der Künstler - verstärkt noch durch die Beleuchtung - eine dritte Dimension, was auf den Betrachter höchst verblüffend wirkt.

Auch mit weiteren Objekten rechtfertigt Doil seinen Ruf als einer, der die "Formatsicherheit" und die "Rechteckruhe" zu stören liebt. Er führt in skurril-abenteuerliche Gegenden oder stellt deutungsbedürftige Situationen dar wie die weiblich konnotierte Angst in "Fear In" oder den hintergründigen Verweis darauf, dass der Vogelmist Guano nicht nur positive, sondern nämlich ökonomische Aspekte hat.

"The living tree", der lebende Baum, ist einerseits Lebensspender, er heißt aber wohl auch deshalb so, weil er aus Elementen zusammengesetzt ist, die sich im Sinne einer Metamorphose völlig anders kombinieren lassen würden. Wenn Kunstwerke also die Pflicht haben, den Menschen durch Neues, noch nie Gesehenes zum Fragen und Nachdenken zu bringen, so wird diese Forderung von Roland Doils Exponaten in großem Maße erfüllt.

Info Ausstellungsdauer: bis 8. Juni. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 10 bis 18 Uhr.

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