Kreis Göppingen Im Wahlkampf darf es auch Völkerball sein

Kreis Göppingen / ARND WOLETZ 02.08.2013
Die Deutschen machen Urlaub, die Kinder treffen sich bei der Stadtranderholung. Heike Baehrens und ihre Konkurrenten jedoch machen Wahlkampf. Die Genossin traf sich jetzt mit Awo-Chef Wilhelm Schmidt.

Klar, sagt Wilhelm Schmidt (69). Natürlich spiele er eine Runde Völkerball mit. Und Heike Baehrens, Bundestagskandidatin der SPD im Kreis, steht dem nicht nach. Schließlich sind beide zu Besuch bei der Stadtranderholung der Göppinger Arbeiterwohlfahrt im Waldheim bei Jebenhausen. 46 Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren toben sich hier zwei Wochen lang aus. Da darf ein Ballspiel nicht fehlen. Schmidt wird recht schnell abgeschossen, aber er lacht. Er lobt die wichtige Tradition der Awo-Waldheime, die nach dem Krieg als Kinderlandverschickung begannen und noch immer eine für die Mneschen wichtige, aber nicht mehrso häufig gepflegte Tradition bilden. Im Göppingen nehmen Kinder aus allen sozialen Schichten teil.

Wilhelm Schmidt aus Barbecke im Kreis Peine steht als Vorsitzender des Präsidiums des Awo-Bundesverbandes an der Spitze der Arbeiterwohlfahrt in Deutschland. Und weil der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete die Kandidatin Heike Baehrens sehr gut kennt, hat er seine Sommertour in diesem Jahr nach Göppingen ausgedehnt. Die SPD-Kandidatin, Geschäftsführerin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende im Diakonischen Werk Württembergs, hat den Tag unter die Überschrift "Demographischer Wandel" gestellt, weil es das alles bestimmende Thema der Sozial- und Wirtschaftspolitik sein wird, wie sie sagt. Morgens haben die beiden die Göppinger Jugendberufshilfe "Future" besucht, im "Suppentöpfle" der Arbeitslosenhilfe SAB gegessen und sich von deren Existenzsorgen berichten lassen. Sie haben sich nach dem Waldheim noch den Bürgerbus in Salach vorgenommen. Das alles seien Themen, an denen die Herausforderungen für die kommenden Generation deutlich werden, findet Baehrens. Die Probleme würden aber sträflich verschlafen. Deshalb müsse ein Richtungswechsel in der Sozialpolitik her, sagen Schmidt und Baehrens unisono und unterlegen diese These faktenreich. Es mangele an Geld für Beschäftigungsförderung. Es gelte, jedem jungen Menschen eine Chance zu geben. Die Wirtschaft verlange nach einem Mittel gegen den Fachkräftemangel. Das haben sie in ihren Begegnungen mit den Menschen im Landkreis erfahren. Deshalb müsse die SPD nach der Wahl gegensteuern. Erster Schritt wäre die Abschaffung des Betreuungsgeldes sollte die SPD an die Macht kommen.

Baehrens und Schmidts Begegnung ist kein Zufall. Sie kennen sich schon lange aus einem häufig unterschätzten Gremium: Dem Präsidium des "Deutschen Vereins für Öffentliche und Private Fürsorge": Dabei werden dessen Fachausschüsse als beratende Institutionen über Parteigrenzen hinweg sehr ernst genommen. Es gibt kaum ein Gesetzgebungsverfahren im Bereich der Sozialpolitik, an dem das Gremium nicht beteiligt ist, sagt Schmidt, der Präsident des Vereins.

Zwischen 1987 und 2005 saß der Niedersachse für die SPD im Bundestag. Seit 2008 steht er an der Spitze der Awo, die immer noch 400 000 Mitglieder in tausenden Ortsvereinen hat. Gibt es noch die natürliche Verbindung zwischen SPD und Awo, die bis 1933 zusammengehörten? Man sei nahe aneinander dran, sagen Schmidt und Baehrens, könne aber auch Kritik üben. Bei der Pflegeversicherung gebe es neben aller Nähe durchaus auch Unterschiede. Zu viel Sozialpolitik könne sie in ihrem Programm nicht erkennen, meint Heike Baehrens selbstbewusst: "Es ist doch gut, wenn es Kandidaten gibt, die politisch profiliert sind".

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