Der Aussteiger Daniel R. (23) hat am Donnerstag vor dem Landgericht Stuttgart die Entstehungsgeschichte der „Autonomen Nationalisten Göppingen“ (ANGP) beschrieben. Es soll alles an einem Morgen im Herbst 2009 begonnen haben. R. kam betrunken mit dem Zug in Göppingen an, er war auf dem Cannstatter Volksfest gewesen. Um 6.30 Uhr traf er am Bahnhof erstmals auf den Mitangeklagten Manuel G., der war mit zwei Bekannten unterwegs und sei ebenfalls betrunken gewesen, berichtete R.

Es gab Pöbeleien, eine Flasche flog – und einer der Männer sagte, „dass G. in Göppingen eine Kameradschaft aufbauen möchte“, erzählte R. „So hat das dann seinen Lauf genommen.“ Bis 11 Uhr hätten die Männer gemeinsam in einer Kneipe weiter getrunken, R. musste schließlich gehen. „Ich bin dann glaub’ mit meinem Vater einen Sarg anschauen gegangen für meine Oma.“

Akribisch hakte die Vorsitzende der Staatsschutzkammer, Manuela Haußmann, nach, wollte genau wissen, wer wann was getan hatte, wer die gemeinsame Kasse verwaltete. Denn die Anklage lautet „Bildung einer kriminellen Vereinigung in einem besonders schweren Fall“. Geplant sei das Wachstum der Gruppe nicht gewesen, versicherte R. „Wir haben uns automatisch vergrößert.“ Die Anklage geht von 20 Mitgliedern aus.

R. berichtete auch von Schlägereien, in Geislingen – dort trafen sich die ANGP regelmäßig in einem Keller – sei einmal ein Teleskopschlagstock zum Einsatz gekommen. Nach der Prügelei seien seine Freunde weg gewesen, sagte R. Er habe einen gebrochenen Kiefer gehabt und sei sieben Gegnern alleine gegenübergestanden. „Was ist daran so lustig?“, ermahnte Haußmann die Angeklagten Manuel G. und Manuel M. – sie verweigern die Aussage und sitzen in Untersuchungshaft.

Der Bericht von R. ließ die beiden feixen – „das hört auf“, drohte die Vorsitzende. G. soll laut Daniel R. für die Homepage der Gruppe zuständig gewesen sein, der vierte Angeklagte Stephan H. – auch er sagt, er sei ein Aussteiger – war demnach meistens für die Kasse verantwortlich. Geld hat die Gruppe verdient, indem sie Partys veranstaltet und Getränke verkauft hat. Aussteiger R. soll am Freitag ganztägig weiter befragt werden.