Göppingen Im Integrationsausschuss finden Migranten Gehör

Die Mitglieder des Integrationsausschusses treffen sich regelmäßig mit Vertretern der Gemeinderatsfraktionen und diskutieren Themen, die Menschen mit einem Migrationshintergrund besonders betreffen.
Die Mitglieder des Integrationsausschusses treffen sich regelmäßig mit Vertretern der Gemeinderatsfraktionen und diskutieren Themen, die Menschen mit einem Migrationshintergrund besonders betreffen. © Foto: Margit Haas
Göppingen / MARGIT HAAS 27.05.2015
Vom Ausländerbeirat zum beratenden Ausschuss des Gemeinderates - der Göppinger Integrationsausschuss belegt, dass sich Wahrnehmung und Teilhabe von politisch aktiven Migranten verändert haben.

Sie kommen von allen Kontinenten und haben aus unterschiedlichsten Gründen Göppingen als Lebensmittelpunkt gewählt - die Mitglieder des Integrationsausschusses. Ihnen gemein ist, dass sie sich politisch einbringen für alle Göppinger Migranten. Hervorgegangen ist der beratende Ausschuss des Gemeinderates aus dem Ausländerbeirat, der Anfang der 1980er Jahre gegründet worden war. Die neun Mitglieder, deren Wurzeln nicht in Deutschland liegen, treffen sich regelmäßig unter Vorsitz von Bürgermeisterin Gabriele Zull mit Vertretern der Gemeinderatsfraktionen und diskutieren Themen, die Menschen mit einem Migrationshintergrund besonders betreffen.

Die Themen fließen in den Integrationsplan ein, der fortgeschrieben wird und vier Handlungsfelder umfasst. "Dies sind Bildung, Lebensraum, Vernetzung und Interkulturelle Öffnung", erläutert Angeline Fischer, die Sprecherin der Gruppe. Die Liebe hatte die Kanadierin vor sieben Jahren nach Göppingen geführt. Sie hatte sich bereits in Kanada interkulturell engagiert. In Göppingen führt sie auch bei Radio Fips durch einige interkulturelle Programme.

Yasemin Dikme ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Deutschland geboren. Die 26-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin arbeitet als Controllerin. Ihr liegt besonders die Bildung von Jugendlichen am Herzen. Seit mehr als zehn Jahren engagiert sie sich deshalb in der Hausaufgabenhilfe und gibt Nachhilfe. Auch Jozo Bezlic kam der Liebe wegen nach Deutschland. Der Kroate hatte zunächst als Sozialarbeiter mit Asylbewerbern gearbeitet und ist heute in der Suchtberatung bei der Caritas tätig. Er ist Mitgründer des "Freundeskreis Asyl" und macht sich dafür stark, dass "die Migranten weiter ihre Herkunftskultur pflegen. Es gilt eine interkulturelle, und nicht eine multikulturelle Gesellschaft zu entwickeln, in der nicht mehr gefragt wird: Woher kommst Du".

Muammer Uzun wollte Lehrer werden, hatte nach dem Abitur in der Türkei Germanistik und Politologie studiert, scheiterte aber an bürokratischen Hemmnissen. Seit über 25 Jahren arbeitet er als Dolmetscher und Übersetzer und ist Vorsitzender des Türkischen Elternvereins. Auch er macht sich insbesondere für ein gute Bildung und Ausbildung für alle Kinder und Jugendlichen stark.

Vasa Sajn kam 1973 "als Gastarbeiterkind nach Deutschland. Ich sprach kein Wort Deutsch", erinnert sich der 53-Jährige. Der Postfacharbeiter bringt sich seit den 1980er Jahren in die unterschiedlichsten Gremien ein. "Man muss sich, egal, wo man lebt, politisch engagieren", bekräftigt Sajn, der zu den Mitbegründern des Dachverbands "Kommunale Ausländervertretung in Baden-Württemberg" gehört. In den vergangenen Jahrzehnten ist viel erreicht worden. "Heute finden wir Gehör", lautet die Erfahrung von Jozo Beslic.

Auch wenn noch immer "in Schubladen gedacht wird. Unsere Aufgabe sehe ich darin, die verschwinden zu lassen." Zu den neu berufenen Mitgliedern des Integrationsausschusses gehören außerdem Hacer Basoglu, die bei der Firma Märklin arbeitet, die Ruheständlerin Clara Lucia D'Amaro, Hilal Sahin, Mitglied im Bezirksbeirat Holzheim und der Arzt im Ruhestand, Dr. Hue Tran.

Mehr Infos zum Integrationsausschuss unter www.goeppingen.de.

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