Göppingen / Von Carolin Mauritz

Wenn ich wieder auf die Welt käme, wäre ich Archivarin“, meint Lore Rieker und lacht. Seit 70 Jahren ist sie Mitglied im Naturschutzbund (Nabu). Vor ihr auf dem Tisch liegen alte Bilder und Zeitungsberichte, die diese Zeit widerspiegeln. „Der Leiter kam damals zu uns und hat Werbung gemacht“, erzählt Rieker. Für zwei Mark im Jahr sei sie dann dem Deutschen Bund für Vogelschutz beigetreten. Ihre Mitgliedskarte, die sie am 7. Februar 1949 erhalten hat, hat sie immer noch. „Wenn ich die dabei habe, sind alle immer total erstaunt. Die meisten haben so eine Karte noch nie gesehen, weil sie nach mir eingetreten sind“, verrät Lore Rieker. Für ihr Engagement hat sie die Nabu-Ehrennadel in Gold und Silber erhalten.

Am Anfang sei sie nicht sehr aktiv gewesen. Nachdem sie ihren Abschluss gemacht hat, habe sich das dann entwickelt. „Wie genau ich wirklich aktiv geworden bin, weiß ich nicht mehr“, erzählt Rieker. Sie habe begonnen, an Sitzungen und den Hauptversammlungen teilzunehmen und half bei den Arbeitseinsätzen mit. 1990 übernahm sie die Finanzen des Nabu in Göppingen. Erst 2015 gab sie ihr Amt als Kassenwartin ab.

Während ihrer Zeit beim Nabu hat Lore Rieker viel gesehen. „Die Exkursionen hatten immer ein Ziel, das von der Natur her interessant ist“, berichtet die 79-Jährige aus Göppingen. Insgesamt sei es eine schöne aktive Zeit gewesen, in der auch ihr Mann und ihre Tochter mitwirkten. Die Familie Rieker verbringt bis heute so viel Zeit wie möglich im Freien. Ungefähr zehn Jahre lang hatten sie ein Gartengrundstück, in dem sie viel gearbeitet und eigenes Obst gepflanzt haben. „Dann hatten wir auch ein Wochenendhaus in Italien. Da gab es auch viel zu tun“, erzählt Rieker.

Sie habe beim Nabu viel Spaß gehabt, alles sei irgendwo ein Höhepunkt gewesen. Einen Rückschlag habe sie persönlich keinen erlebt. Für Lore Rieker war die Zeit beim Naturschutzbund bisher unter anderem schön, weil es nicht zu stressig war: „Ich wurde nicht überfordert. Was ich machen konnte und wollte, habe ich gemacht.“

Eine der einfachsten Verhaltensweisen im Sinne des Umwelt- und Tierschutzes sei, Vögel zu füttern. Sie selbst hat über den Winter Futterstationen an ihrem Balkon. Unter anderem ist es laut Lore Rieker wichtig, die Veränderung in den Niederschlägen und der Vegetation bewusst wahrzunehmen. „Ich laufe auch nicht mit Plastiktaschen herum“, erklärt sie. Es freue sie, beim Einkaufen inzwischen mehr Stofftaschen zu sehen.

Zehn Jahre lang hat Lore Rieker auf dem Göppinger Wochenmarkt gearbeitet und geht heute noch gerne dort einkaufen. „Wir haben die frischen Sachen vor der Haustür, nur mit ein bisschen Dreck an der Kartoffel“, meint Rieker und lacht.