Für Spinnen hat Eva Gebauer nicht viel übrig. Erst recht nicht für die handtellergroße Seidenspinne Nephila. Aber diese Gliederfüßer sind zugleich faszinierend, auch für die Forschung. Gebauer leitet im Nürnberger Tiergarten das Bionicum, eine Einrichtung des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Hier wird plastisch illustriert, welche Lösungen der biologischen Evolution als Vorbild in technische Forschung eingehen könnten. Bayernweit ist das Nürnberger "Bionicum" das einzige und gilt als bundesweit führend. "Bionik ist ein Kunstwort aus Biologie und Technik", erläutert die Biologin Gebauer.

Am Beispiel der Nephila lässt sich die besondere Herausforderung für Bionik-Forscher illustrieren. Der Faden für das Spinnennetz ist "reißfester als Stahl und zugleich elastischer als Gummi". Eigenschaften, die sich im Labor nur schwer reproduzieren lassen. Die Eigenschaften des besonderen Spinnenfadens werden allerdings gern genutzt. Australische Ureinwohner nutzen die Spinnfäden für Fischernetze. Im pazifischen Polynesien wurden aus den Fäden Netzfallen für Vögel konstruiert. Im Bionicum ist zudem ein mit den Spinnenfäden bespannter Tennisschläger zu entdecken, den Besucher auch in die Hand nehmen können. Als "Klassiker der Bionik" gilt der zu Beginn der 1950er Jahre patentierte Klettverschluss, der sich an den besonderen Widerhaken von Kletten orientierte. Ein weiteres Beispiel ist der wasserabweisende Lotuseffekt der Lotuspflanze, auf der wegen einer besonderen Oberflächenstruktur weder Wasser noch Schmutz haften bleiben. Das bionische Prinzip "gibt es wahrscheinlich schon seit Menschengedenken", erläutert Gebauer.

An verschiedenen Stationen in der 400 Quadratmeter großen Ausstellung werden Alltagsphänomene illustriert. Zu bestaunen ist auch Nao, ein "humanoider Roboter", der auf Sprachbefehl aufsteht oder tanzt. Er gehört ins Bionicum, weil er den "Menschen als Vorbild" hat. In der technischen Umsetzung ist er aber noch weit weg von den Bewegungsabläufen von Mensch oder Tier. Info Das Bionicum öffnet und schließt täglich mit dem Nürnberger Tiergarten. Führungen durch die teils interaktive Ausstellung sind kostenlos und werden regelmäßig am Wochenende und an Feiertagen um 10 Uhr und 13.30 Uhr angeboten. Infos auch über weitere Führungen unter www.bionicum.de