Städtebau Ideen zuhauf fürs Boehringer-Areal

Arnd Woletz 15.09.2017
Das Boehringer-Areal weckt Begehrlichkeiten: Von der Mehrzweckhalle bis zur Handwerkergasse reichen die Vorschläge. Unterdessen ziehen erste Dienstleister ein.

Kaum ist die Sommerpause vorbei, flammt für die Flächen auf dem Boehringer-Gelände und seine weitgehend denkmalgeschützten Gebäude der Kampf um das richtige Konzept wieder auf. Angemahnt werden kulturelle, gastronomische oder sportliche Nutzungen. Allerdings: Der Gesamtkomplex mit seinen 48 000 Quadratmetern Fläche gehört seit eineinhalb Jahren der städtischen Tochtergesellschaft Business- Park-Göppingen (BPG). Die will das Areal für neues Gewerbe vermarkten und vermeldet jetzt erste Erfolge: Die Firma Elektroplan mietet in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude 500 Quadratmeter im Erdgeschoss. In einigen Wochen soll das Architekturbüro Gaus & Knödler mit weiteren 670 Quadratmetern im ersten Stock dazu kommen. „Aktuell wird ein neuer Personenaufzug eingebaut und wir führen noch Anpassungen bei der EDV durch, um die Anforderungen der neuen Mieter zu erfüllen“, berichtet BPG-Geschäftsführern Martin Maier in einer Mitteilung. Schließlich müsse man von bislang einem Nutzer auf mehrere Mieter umsteigen. Hauptmieter bleibt mit derzeit 19 000 Quadratmetern die Firma MAG, die zwar Arbeitsplätze abbaut, aber große Flächen auf dem ehemaligen Firmengelände belegt. Wie lange die Mietverträge mit MAG laufen, dazu wollte sich Martin Maier nicht äußern.

„Ein strategisches Ziel der Entwicklung des historischen Industrieareals ist es, die Arbeitsplatzdichte zu erhöhen. Dafür sollen  zahlreiche kleinere und mittelgroße Betriebe angesiedelt werden. Technologieorientierte Produktionsfirmen und Handwerksbetriebe, sowie industrienahe Dienstleistungen kommen dafür in Frage“, unterstreicht die BPG. Für denkbar hält Maier die Ansiedlung kreativer Design- und IT-Unternehmen, die den loftartigen, „rohen“ Stil der historischen Bausubstanz zu schätzen wissen. Die neuen Nutzer, die Firma Elektroplan sowie das Architekturbüro, wollen beispielsweise mittelfristig in das derzeit brach liegende ehemalige Modellbaugebäude umziehen.

Aber auch für ganz andere Vorschläge werden nun die Claims abgesteckt. Die SPD-Fraktion im Gemeinderat fordert einen Bericht über den aktuellen Planungsstand, speziell über die Zukunft des Göppinger Technikforums in der alten Gießerei, dem historischen Kern des ganzen Werks. Die Sozialdemokraten haben den Wunsch nach Weiterentwicklung zu einem Industriemuseum mit Handwerkergasse nicht vergessen. Insgesamt schwebt ihnen das Konzept eines „Industriekultur-Zentrums“ vor. Damit stärken die Sozialdemokraten dem Technikforum den Rücken. Dieser ehrenamtlich organisierte Verein sucht nicht nur für seine Maschinensammlung eine neue Heimat. Just gestern hat das Technikforum auch das Konzept der Handwerkergasse sowie erste Entwürfe des Künstlers Tony Falconieri an die Gemeinderäte geschickt. In der alten Gießerei sollen neu zu schaffende Fassaden „ein Stück verlorengegangenes Göppingen wieder auferstehen lassen“. Falconieris Entwürfe seien das Ergebnis von Recherchen im Stadtarchiv und entsprächen weitgehend ehemals existierenden Göppinger Gebäuden. Die Betriebe sollen ihre traditionellen Verfahren zeigen und ihre Produkte verkaufen. Dazu kämen Ladengeschäfte und Gastronomie. Die alte Gießerei sei dafür durch die Nähe zu Märklin der einzig sinnvolle Standort, heißt es vom Technikforum. Auf dem Gelände könne mit vertretbarem Aufwand Parkraum geschaffen werden. Welches Betreibermodell und welche Finanzierung in Frage komme, müsse noch geklärt werden. Unmissverständlich machen die Ideengeber aber klar: „Das Technikforum kann diese Einrichtung nicht betreiben.“

Damit nicht genug der Vorschläge: Die SPD sieht eine gute Möglichkeit, auf dem Gelände die im vergangenen Jahr ins Spiel gebrachte Mehrzweckhalle zu schaffen. Verschiedene Sportvereine hätten Probleme, für ihre Jugendarbeit nachmittags Hallenkapazitäten zu erhalten. Und weil die Werfthalle in absehbarer Zeit nicht mehr zur Verfügung steht, hätten auch Kulturschaffende schon Bedarf für eine passende Veranstaltungshalle angemeldet.

Was hat Platz auf der Industriebrache?

Vermarktung Die BPG sei ausschließlich für die gewerbliche Vermarktung des Areals zuständig, betont Geschäftsführer Martin Maier. Für alle anderen Ideen sei er deshalb nicht der richtige Ansprechpartner.

Gesamtkonzept Die BPG lässt eine immobilienwirtschaftliche Machbarkeitsstudie erstellen. Das Gesamtkonzept soll dann in einem städtebaulichen Wettbewerb den letzten Schliff bekommen.

Wirtschaftlichkeit Ein Gesamtkonzept fordert auch die SPD-Fraktion. Die wirtschaftliche Nutzung des Areals dürfe  nicht aus den Augen verloren werden. Es bleibe aber Platz für Firmenansiedlungen.