Unter "Graue Wölfe" findet man sie nicht. Sie nennen sich "Türkischer Idealistenverein Göppingen", ihr Zentrum steht in der Jahnstraße. Aber sie scheuen die Öffentlichkeit nicht. Gerne sprechen sie mit der NWZ, in der sie sich so grundfalsch dargestellt sehen. Sie wollen auch das Gespräch mit der Jungen Union suchen, die die Absage ihrer Kulturveranstaltung fordern.

Auch Mustafa Tok vom Regionalverband ist am Freitag bei den Göppinger Vereinsfreunden, um sie bei der Veranstaltung am Samstag zu unterstützen. Tok weist alle Vorwürfe der Jungen Union zurück: "Wir verabscheuen Rassismus und Totalitarismus, wir lehnen jede Form des Extremismus ab." Feinde der Demokratie, Völkerverhetzung - "alles falsch", sagt Tok. Zu unrecht würden sie als gefährlich dargestellt, zu unrecht vom Verfassungsschutz beobachtet. Die Grauen Wölfe achteten die deutschen Gesetze, sie hielten jedes ihrer Mitglieder dazu an.

Graue Wölfe Opfer von Anschlägen

Sie seien ihrerseits schon Opfer von Gewalt gewesen, sagen die Vereinsleute. Drei Anschläge seien auf ihr Haus verübt worden. Zweimal mit Molotow-Cocktails, einmal sei Feuer gelegt worden, das hätte tödlich enden können. Ein Täter sei gefasst worden, ein PKK-Mann.

Worum es ihnen gehe: um Geschichte, Kultur, Religion und Mentalität ihres Landes. Damit seien sie "ein Verein wie andere auch. Nationalität steht bei uns nicht an erster Stelle", betont Tok, und wehrt sich gegen die Einstufung des Innenministeriums, sie seien auf übersteigerten Nationalismus fixiert. Was heiße das? fragt Tok zurück. "Klar, ich liebe mein Vaterland. Ich liebe auch Deutschland, das ist meine erste Heimat." In Deutschland gelte gleich alles als Nationalismus, was Nationalbewusstsein sei. Die Grauen Wölfe unterstützten die Integration, der Verein in Göppingen habe schon Hausaufgabenhilfe organisiert, Jugendliche von der Straße geholt, demnächst starte ein Deutschkurs für türkische Frauen, "Meine Kinder sollen auch die deutsche Kultur annehmen", sagt Tok. Was sie nicht wollen, ist Assimilation, das Aufgehen in der deutschen Bevölkerung. Türken wollen sie bleiben, genauer: "Migranten", die in beiden Welten zuhause sind.

Symbol des Wolfs

Übersteigerter Nationalismus? Völlig unverdächtig sei ihr Symbol des Grauen Wolfes, erklärt Tok. Der Wolf habe der Legende nach die Türken einst aus Zentralasien nach Anatolien geführt. Das wollen die Grauen Wölfe allerdings wieder aufleben lassen, mit einer Großtürkei, die alle Turkvölker bis in den chinesischen Raum umfasst. Tok kann darin nichts Verwerfliches erkennen. Das sei gedacht wie die EU, ein Zusammenschluss von Staaten. Man lebe im Zeitalter der Globalisierung, da werde es für ein einzelnes Land schwierig, erklärt Adem Demir, Schriftführer im Ortsverband.

Vorsichtig mit Urteilen über die Grauen Wölfe ist Yüksel Özer, 2. Vorsitzender der Vereinigung türkischer Vereine im Kreis, zu der der "Idealistenverein" gehört. Ob was dran sei an den Vorwürfen über sie, "das weiß ich nicht und wissen Sie nicht", sagt Özer. Er habe nichts Negatives gehört, der Idealistenverein leiste gute Zusammenarbeit, beim Stadtfest arbeite er mit. Dass die Grauen Wölfe eine Türkei bis nach China wollen - Özer hält den Ball flach. "Glauben Sie, dass das je Wirklichkeit wird?" Jeder habe so seine Ideen. Auch er klagt: "In Deutschland wird alles schnell als nationalistisch gesehen."

"Wie die hiesige Gesellschaft, so sind auch viele türkische Migranten auf dem rechten Auge blind", klagt Ragini Wahl, ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätig und langjährige Beobachterin der Grauen Wölfe. In der türkischen Community werde häufig die Tatsache heruntergespielt, dass die Grauen Wölfe für den Rechtsnationalismus ihres Gründers Alparslan Türkes stünden, der sich am Nationalsozialismus orientiert habe. Ihre Ideologie richte sich gegen Kurden, Aleviten und Christen. Ebenso förderten sie Antisemitismus. Wahl sieht eine bedenkliche Unkenntnis in vielen Rathäusern. Nicht anders sehe es bei den Parteien aus. Wegschauen sei falsch.

"Befremden" über Graue Wölfe im kreisweiten Dachverband

In den Rathäusern schlägt den Grauen Wölfen Ablehnung entgegen. Der Ebersbacher Bürgermeister Sepp Vogler sieht es kritisch, dass in einer privaten Halle seiner Stadt eine Kulturveranstaltung stattfinde, die einen politischen Hintergrund haben könne, der im Zusammenhang mit den Grauen Wölfen zu sehen sei. Er verweist auf den Satz: "Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit." Ein Verbot der Veranstaltung, wie es die Junge Union gefordert hat, sei nach jetzigem Stand aber nicht möglich.

Die Göppinger Stadtverwaltung sieht die Einstellung des türkischen Idealistenvereins am Ort "äußerst kritisch", teilt Pressesprecher Olaf Hinrichsen mit. "Der Vereinigung türkischer Vereine (VTV) im Landkreis wurde unsere Sorge über Hinweise auf eine sehr enge Kooperation des Idealistenvereins mit den Grauen Wölfen bereits im April 2012 unmissverständlich klar gemacht." Man habe dem Dachverband "unser Befremden über die Mitgliedschaft des Idealistenvereins im VTV klar zum Ausdruck gebracht". Allerdings habe die Stadt keinen Einfluss auf die Satzung und die Zusammensetzung des Dachverbands.

Der Idealistenverein der Grauen Wölfe hat nach eigenen Angaben 62 Mitglieder, darunter auch einige aus Ebersbach.