Kreis Göppingen ICE-Baustellen bekommen Zuwachs

Kreis Göppingen / JÜRGEN SCHÄFER 02.07.2014
An den ICE-Baustellen geht es voran. Bei Gruibingen entsteht ein Wohncontainer-Lager, bei Aichelberg ist die Fabrik für die Innenverkleidung der Tunnel im Bau. Außerdem wird das Portal Aichelberg eingeschnitten.

Immer mehr Konturen bekommt die Großbaustelle für den ICE-Tunnel bei Aichelberg. Auf dem riesigen Gelände, das von der Landesstraße Aichelberg-Weilheim geteilt ist, ragt weit im Westen eine weithin sichtbare Halle auf. Es ist die künftige Fabrik für die so genannten Tübbinge, mit denen die Tunnelröhren auf 2,8 Kilometer Länge ausgekleidet werden. Solche Betonringe bestehen aus sieben Segmenten plus Schlussstein und sind gerade mal zwei Meter tief. Tausende Teile müssen produziert werden. Im September soll die Produktion anlaufen. Bis dahin muss die Fabrik fertiggestellt sein, deren Kernstücke Schalungen sind. Der Beton wird vor Ort gemischt. Mit einer Lore werden die Teile dann über das ganze Baufeld in den Tunnel gebracht, wo sie im Takt eingebaut werden. Die Tunnelbohrmaschine fräst zwei Meter heraus, die Tübbinge werden eingepasst.

Das Portal selber wird eben jetzt herauspräpariert. Der Voreinschnitt ist fertig, die so genannten Startkavernen werden in den Berg getrieben. Dies geschieht noch nicht mit der Tunnelbohrmaschine, sondern mit Sprengen und Spritzbeton. Der Einstieg wird auf 13,5 Metern auf diese Weise hergestellt. Die Maschine ist auch noch gar nicht vor Ort. Sie soll Anfang November eingreifen, teilt ein Bahnsprecher mit. Bis zu drei Monaten kann es dauern, bis die Maschine überhaupt erst aufgebaut ist. Sie wird in Teilen angeliefert. Am Filderportal kann man sehen, wie so ein Trumm aussieht. Dort steht eine bereit, am 10. Juli soll die Tunneltaufe stattfinden. Am Portal Aichelberg sollte es ursprünglich früher losgehen, im September/Oktober. Aber der Anfang November sei auch noch "gänzlich unkritisch", sagt die Bahn.

Tief unter der Filsalb haben sich die Mineure schon in den Berg hineingearbeitet. Eine Röhre ist gut 90 Meter weit vorangetrieben, fast gleichviel in beiden Richtungen. Vorerst wird nur an dieser Röhre in Fahrtrichtung Stuttgart gearbeitet. Die andere wird erst begonnen, wenn der Stollenbau weit genug entfernt ist. Sonst wird die Deckschicht zu sehr erschüttert, sagen die Bergleute. Der Abstand richtet sich nach der Geologie. Beim Steinbühltunnel betrug er mehr als 100 Meter.

Mit dem Baufortschritt braucht es auch mehr Mineure. In Gruibingen wird eine großes Wohnlager hergerichtet. Es steht in Nachbarschaft zum Technischen Hilfswerk Richtung Raststätte, sehr nahe am Umpfental, wo das große Baustellenareal mit Zugang liegt. Von dort führt ein Stollen genau 948 Meter tief in den Berg. Das Containerdorf ist ein massiver zweistöckiger Kasten, ausgelegt für 120 Arbeiter. Die werden teilweise auch in Aichelberg eingesetzt. Beim Start werden es weniger sein, die Belegung richtet sich nach dem Bedarf an der Baustelle. Noch ist das Wohnlager eingerüstet, Ende Juli soll es in Betrieb gehen.

Damit profitiert Gruibingen von der Baustelle - für die Arbeiter gibt es Steuereinnahmen. Ursprünglich sollte das Wohnlager an der Baustelle Aichelberg eingerichtet werden, später war von der Unterbringung in einem bestehenden Gebäude im Raum Kirchheim die Rede. Jetzt sind die Container-Dörfer auf die Baustellen verteilt: In Aichelberg haben die Ingenieure und Baustellenleitung ein Büro-Dorf, in Hohenstadt steht ein Wohnlager in ähnlicher Größe wie in Gruibingen.