Göppingen Hundehaltern den Spiegel vorgehalten

IRIS RUOSS 21.02.2014
Geballte Power, komödiantisch verpacktes Wissen, das hat Martin Rütter mit "Der tut nix" in der ausverkauften Göppinger EWS-Arena präsentiert. Mit zwei Sätzen hatte er sein Publikum in der Tasche.

Schon eine Stunde vor Beginn der Bühnenshow waren sie da, die Hundebesitzer, die den Meister des Hundeverstehens live erleben wollten. Und sie unterhielten sich prächtig, gaben während der Wartezeit die ersten Geschichten ihrer eigenen Hunde zum Besten. Dann schallt laute Musik durch die Halle, der Nebel wabert und "Der tut nix" donnert laut aus den Lautsprechern. Szenenapplaus für Rütter, der auf der Göppinger Bühne erscheint.

"Aus" schreit er ins Publikum, ganz nach Hundeplatzmanier und zumindest die menschliche Fangemeinde gehorcht, aufs Wort und das beim ersten Mal. Der Hundeprofi, bekannt aus verschiedensten Fernsehsendungen, bringt auch bei seinem zweiten Bühnenprogramm mit Humor und Wortwitz Wissen an den Mann und die Frau. Interaktion, darauf steht er nicht nur bei den Vierbeinern, sondern auch beim Publikum. Zwei Fragen, zwei Antworten und Rütter hat die Zuschauer um den Finger gewickelt.

Die Halle tobt. Die Geschichte der benachteiligten Ehemänner, die in der Rangliste weit unter dem Hund stehen, zieht immer und auch die Sätze, die wohl jeder Hundehalter im Repertoire hat. Es sind drei und sie gehören zum tagtäglichen Standard. "Der tut nix", "Der will nur spielen", "Das hat der ja noch nie gemacht". Die Zuschauer in Göppingen lachen, aber sie nicken auch zustimmend, sie haben Erfahrung, das ist nicht zu übersehen.

Rütter geht in die Vollen, erzählt die Geschichten, die das Leben der Hundehalter bestimmen. Komödiantisch gut verpackt legt er den Finger in die Wunden, streut Salz hinein und tut das, was ihm am Herzen liegt: Er hält den Hundebesitzern den Spiegel vor und die meisten erkennen sich. "Kommunikationsprobleme", so fasst Rütter die Schwierigkeiten zwischen Hund und Mensch zusammen. Während Hunde detailgetreue Beobachter sind, im Handumdrehen die Abläufe im Haushalt durchschauen und wissen, wer die Hosen anhat, ist dieses Verständnis beim Menschen eher rudimentär vorhanden. Und er setzt seine Nadelstiche weiter. "Gebt es doch einfach zu, der eigene Hund wird meist nach dem Aussehen ausgesucht" , bohrt er weiter.

Die Rassemerkmale stehen weit hinten auf der Kriterienliste bei der Anschaffung eines Vierbeiners. Der Dackel beispielsweise fackelt nicht lange, wenn er ein Loch sieht, er prescht rein. "Da fragt der nicht bei Frauchen nach, der krempelt die Ärmel hoch, packt den Bewohner des Baus an Arsch und Kragen und schmeißt ihn raus", beschreibt der Hundepsychologe plakativ. Oder der gut erzogene Münsterländer, der jedem Besucher den Kühlschrank zeigt, Kinder abgöttisch liebt und nur ein Problem hat: Er jagt. "Ja, was soll der als passionierter Jagdhund denn sonst tun", so Rütter. Und dann fällt ein Erziehungsstichwort: Gesellschaftstauglich und da stimmt das Publikum geschlossen zu, Beifall in der ganzen Halle.

Martin Rütter präsentiert seine Bühnenshow gut gewürzt, mit viel Lachpotenzial, aber auch mit jeder Menge Hintergrundwissen, das er gekonnt verpackt in gut zwei Stunden an seine Fangemeinde vermittelt. Dazu auch die Erwartung: " Erzieht eure Hunde, dann sind sie die besten Freunde der Menschen und gesellschaftstauglich."